das kreative schreiben, überhaupt die ersten literarischen versuche, führen meist dazu, dass einem aufgezeigt wird, was man alles weglassen, streichen und kürzer formulieren kann. wie man seinen text verdichten kann. und doch beschleicht einen ab und zu der zweifel, ob das immer sinnvoll ist.
es gibt zum einen das phänomen, in den texten zu viel erklären zu wollen. die lesenden werden für dumm verkauft, indem man ihnen jeden schritt, den die protagonisten machen gleichzeitig erklärt, damit sie wirklich verstehen, was die autorInnen meinen. das hat etwas pädagogisches und psychologisches, ist aber nicht sonderlich nett. hier empfiehlt sich der mut zur lücke, damit der leser hinterher nicht sauer auf einen ist, nach dem motto: ich bin doch nicht doof, das konnte ich mir denken.
auf der anderen seite geht der gesellschaftliche trend richtung häppchen- und event-kultur. wenige sind noch bereit in einen text, eine problematik oder einen diskurs einzutauchen. überall herrscht zeitknappheit. also auch in der kommunikation. zeitungen und zeitschriften wagen es nur noch selten ausführliche porträts und reportagen abzudrucken. könnten die leserInnen schnell gelangweilt sein.
diese verkürzung der texte zwingen zwar zu einer klareren und eindeutigeren sprache seine botschaften rüberzubringen. sie zwingen aber gleichzeitig dazu, dinge (teils bedeutungsvolle) und gesamtzusammenhänge fallen zu lassen. dadurch verbaut sich die gesellschaft chancen für intensive analysen, die oft notwendig sind, um sinnvolle entscheidungen treffen zu können.
warum sollte sich die problematik nicht auch auf epos vs. blogs ausweiten lassen. literatur benötigt manchmal die detailgenaue abbildung der situation, um ein lebensgefühl, eine atmosphäre spürbar zu machen. so kann es sich lohnen, lange texte nicht gleich beiseite zu legen, nur da sie lang sind. mancher gedanken, manches ereignis erschließen sich nur nach einer differenzierten annäherung. nicht jede be”schreibung”, nicht jedes erlebnis muss so geschildert werden, wie die abläufe und gedanken im werk “auf der suche nach der verlorenen zeit” von marcel proust.
doch wer sich epen, wie das von proust, widmet, meint im laufe der zeit, sich vollständig in eine andere zeit versetzt zu haben. im gegensatz zu den kurzbeschreibungen der bücher, in den blogtexten, die sich oft nur an der oberfläche bewegen. und eine vorstellung davon geben, in was man sich versetzen könnte.
es erscheint mir bedeutungsvoll, ab und zu langen texten raum zu geben, da sie einen mit beschriebenem beinahe vollständig in ihre umfassenden gedankengänge einzubinden. ein meist schönes gefühl. viele versuche, texte zu komprimieren verursacht eine kurze aufmerksamkeit, die sich schnell wieder anderem zuwendet, als könnte man etwas verpassen. das aushalten, immer etwas zu verpassen, erleichtert es einem, tiefgehende gespräche zu führen. was sollte daran schlecht sein?