die blogger sind die bibliothekare des web 2.0
22. April 2008 von christof
jeden tag kommen im internet so viele daten hinzu, dass eine vollständige katalogisierung unmöglich erscheint. sicher, daten werden gespeichert, aber dies verteilt auf der ganzen welt. doch es dauert manchmal nur ein paar stunden und suchmaschinen wie “google” finden die daten in der gesamten internetspäre wieder. wie ist so etwas möglich?
ähnlich wie mit dem internet, verhält es sich mit dem menschlichen gehirn. die sinnesorgane melden einen konstanten input. auch wenn wir schlafen, nimmt unser körper weiter geräusche, träume, berührungen wahr. so können wir uns am morgen an den wilden traum der nacht erinnern. wie können diese informationen so schnell wieder aufgerufen werden und wie können wir so viel in unserem kleinen kopf behalten?
beim gehirn hat man festgestellt, dass es nie eine pause einlegt. soll heißen, es funkt eben auch weiter, wenn wir schlafen, eines der ergebnisse sind unsere träume. das gehirn erzeugt ein grundrauschen, dass es erleichtert, daten kurzfristig und schnell abzurufen. die daten werden also nicht im hintersten winkel der menschlichen festplatte abgespeichert, sondern befinden sich in ständiger bewegung, sozusagen eine ebene höher und leichter erreichbar. dabei natürlich die neuen daten etwas schneller abzurufen, als die älteren.
zudem speichert das gehirn nicht nur das rote sofa ab, das ich gerade sehe, sondern auch viele randdaten, wie zum beispiel, den raum in dem es sich befindet, den tag an dem ich es gesehen habe und vieles mehr. das erleichtert die assoziative suche. wenn ich mich zum beispiel nur an den tag erinnere, an dem ich ein tollen sofa gesehen habe, aber nicht mehr weiß, wie das sofa aussieht, kann ich vielleicht den dazugehörigen raum mir wieder ins gedächtnis rufen. und dann fällt mir ein, dass es ein rotes sofa war. die vernetzungen der gedanken erleichtern die suche.
ähnlich verfährt inzwischen das internet. es handelt sich dabei nicht mehr um eine große bibliothek, die daten alphabetisch ablegt, sondern um einen vernetzten begriffs- und datenkatalog, der dauerhaft am netz hängt, durch die kanäle rauscht und über die kombination verschiedener randdaten die suche zu einem schnellen ergebnis führt. beim bloggen erleichtert zum beispiel die eingabe von kategorien und “tags” die spätere suche. so wird zur suche oft auch nicht nur ein begriff eingegeben, sondern eine kombination von begriffen, um die trefferwahrscheinlichkeit zu erhöhen. das netz verfügt also über ein grundrauschen, das die assoziative suche erleichtert. es erhält dadurch eine kreative komponente, die wie beim kreativen schreiben durch assoziationstechniken zu ganz neuen ergebnissen alter erlebnisse oder daten führen kann.
diese vorgehensweise erleichtert nicht nur das erstellen von rastern, der eher negative aspekt, sondern auch das erstellen ganz neuer verknüpfungen, die für sich etwas ganz anderes, größeres und assoziatives darstellen. nichts anderes geschieht beim bloggen. es verknüpft die internetsphäre immer wieder neu. so sind die blogger eigentlich die bibliothekare des web 2.0.