wenn man sich das genau betrachtet, dann ist der begriff schreibpädagogik ein seltsamer. es ist nicht zu verstehen, was er beschreiben will. denn einmal vorausgesetzt, dass es nicht um die schulung von kindern geht, denen das schreiben und die schrift beigebracht werden sollen, dann fragt man sich, was soll er bedeuten?
es zeigt sich, dass ein ersatzbegriff schwer zu finden ist. so haben wir zum beispiel in der weiteren suche nach dem richtigen wort, folgendes gefunden. Manch einer nennt ähnliches poesiepädagogik, doch diese dient am ehesten der dichtkunst. wieder andere nennen es schreibberatung, doch auch dabei zeigen sich gewisse schwierigkeiten, da es nicht ausschließlich um eine form der beratung geht. wieder andere unterscheiden zwischen dem kreativen schreiben, dem creative writing und dem biografischen schreiben. weitere feinheiten, die nur einen teil der schreibpädagogik abbilden.
es handelt sich bei der schreibpädagogik auch nicht um eine ausbildung zum literaten oder einer anderen form von schriftstellerischen schulungen. ein nebeneffekt des prozesses könnte sein, dass man sein schreiben verbessert. doch eigentlich soll es bei der tätigkeit der schreibpädagogInnen um das anregen von kreativen prozessen gehen, um das aufzeigen neuer schreibmethoden, um zu seinem eigenen text, seiner abschlussarbeit, seinem gedicht zu kommen.
es handelt sich nicht um ein neues fach, das legasthenikern hilft, sich das fehlerfreie schreiben anzutrainieren. es geht auch nicht darum, nachhilfe im lernen der schreibschrift oder des schreibmaschineschreiben zu geben. es werden nicht diverse schrifttypen gelernt.
auf der suche nach einem treffenderen begriff, ist mir eigentlich nur eine möglichkeit eingefallen: biografische und kreative textpädagogik. hier tritt der eigentliche schreibprozess ein wenig in den hintergrund. dieser prozess ist nicht unbedeutend, aber eben auch nicht das, was gelehrt wird. werden doch eher die techniken gelehrt, die einem helfen können einen flüssigen, eigenen text zu verfassen.
da in deutschland das schönschreiben lange grundschulfach war, wurde es einem als kind schnell vergällt, frei für sich texte und geschichten zu schreiben. denn im vordergrund stand, dass es schön aussah, also beim “g” in den tiefen nicht der schwung verloren wurde, oder das große “L” noch eine Schleife bekam. vielleicht daher meine aversion der schreibpädagogik gegenüber.