schreibpädagogik und gruppendynamik
5. Mai 2008 von christof
da hat man sich solche mühe gegeben, die eigene schreibgruppe vorzubereiten. hat sich schöne aufgaben ausgedacht, und plötzlich signalisiert die gruppe bei der durchführung, dass sie etwas ganz anderes will und wünscht. was tun?
don´t panic! gruppen sind verschieden, sind immer verschieden. man kann noch so viele gruppen angeleitet haben, bei der nächsten kann man nie vorhersagen, wie sie sich verhalten wird. das ist wie mit einzelnen menschen, subjekten, die sich subjektiv verhalten, soll heißen, die ganz eigene persönlichkeiten sind, die alle gründe für ihre interessen und ihr verhalten haben. nicht anders sieht es mit gruppen aus, die aus vielen subjekten bestehen. also, wichtig scheint gelassenheit.
danach gehört sicher der mut dazu, sein ganzes konzept auch über den haufen werfen zu können, ohne dass man es die gruppe spüren lässt. soll heißen, problematisch wird es meist dann, wenn anleiterInnen von gruppen beleidigt werden und dies die gruppe merken lassen. also ersparen sie sich und ihren teilnehmerInnen sätze wie: “ich hatte das und das vorbereitet. aber wie ich merke, habt ihr kein interesse daran. na gut, dann können wir ja noch das und das machen.” in diesem moment versuchen sie ihrer gruppe ein schlechtes gewissen zu machen.
nehmen sie wünsche und bedürfnisse der schreibgruppe nicht gleich als kritik an ihrer person wahr. problematischer wird es, wenn offen kritik an ihnen geübt wird, aber das sind sonderfälle. wichtiger erscheint es meist, wenn man einmal das gefühl hat, gar nicht zu verstehe, was die gruppe eigentlich will, diese danach zu fragen. dadurch verschenkt man sich nicht gleich die autorität der anleitung der gruppe. die behält man dann, wenn man zum beispiel den abstimmungsprozess der gruppe lenkt, wenn man selber alternativvorschläge einbringt und die ergebnisse bündelt.
und übrigens, man darf auch sagen, dass man auf bestimmte interessen nicht vorbereitet ist. vielleicht kann man ja das angebot machen, dass man gerne bereit ist, den wünschen zu einem anderen zeitpunkt gerecht zu werden. sollten sie aber feststellen, dass die wünsche der gruppe überhaupt nichts mit ihrem angebot zu tun haben, dass sollten sie dies klar zu verstehen geben. sie dürfen ohne probleme auf ihr angebot beharren, auch auf die gefahr hin, dass manche der teilnehmerInnen feststellen, dass sie am falschen ort sind.
am wichtigsten ist es, die gruppe nicht als feind zu sehen, der bösartigerweise einen aus der reserve locken will. gruppen wirken oft nach außen erst einmal recht geschlossen, sind es aber meist nicht. geben sie ruhig raum für die verschiedenen meinungen der teilnehmerInnen und sie werden feststellen, nur ein teil möchte etwas anderes. also immer die ruhe bewahren, wenn sie noch andere ideen im hintergrund haben, wunderbar, wenn nicht, ist dies auch kein beinbruch. seien sie sich bei einer schreibpädagogischen veranstaltung bewusst, dass diese meist nur funktionieren kann, wenn die teilnehmerInnen freiwillig dabei sind.