schreibblockade
11. Mai 2008 von christof
die schreibblockade ist eigentlich keine schreibblockade. denn die schreibblockade ist eigentlich eine kreativitäts- und ideenblockade. das bedeutet, geschrieben wird während der schreibblockade trotzdem. ob es sich dabei um einen einkaufszettel, eine mail, in der man anderen von der schreibblockade mitteilt oder eine sms, dass man gleich zuhause ist, handelt.
aber zu dem wichtigen text, der geschrieben werden sollte, fällt einem nichts ein. und gründe dafür gibt es viele. sie sind meist nicht so leicht zu erschließen, dann sonst könnte man die schreibblockade abwenden. aber genau das gelingt ja nicht, deshalb heißt es ja auch “blockade”. also ist man überlegen, woran könnte es liegen, dass man sich so blockiert fühlt. diese form der (meistens) selbstblockade kann jede(r) erleben. so zeigt sich, dass es oft die eigenen erwartungen, die nicht verstandene aufgabe, die ständigen störungen oder das generelle gefühl, einem falle überhaupt nichts mehr ein, sind.
das macht die schreibblockade so teuflisch. denn ist sie einmal da, wächst der druck, sie überwinden zu wollen und zu müssen. zum beispiel rückt der abgabetermin für einen artikel oder eine hausarbeit immer näher und man weiß nicht mehr, wie man das noch schaffen soll. also bemüht man sich, sich zusammenzureißen, zu einem festen zeitpunkt vor dem papier oder dem bildschirm zu sitzen und hat erst recht das gefühl, dass einem nichts mehr einfällt.
woraus entstehen denn ideen, was macht kreativität aus? sicherlich die möglichkeit, gedanken wandern zu lassen. dies kann sich in tagträumen erschöpfen oder in anderen gedankenwanderungen. hier bestände die erste möglichkeit, einzugreifen. so ist es möglich der gedankensammlung eine richtung, einen fokus zu geben. und es zeigt sich, dass dies manchmal hilfreich sein kann. einer der klassischen vorschläge bei schreibblockaden ist es, doch freewriting zu machen. das kann eine möglichkeit sein, doch es handelt sich dabei oft um ungerichtete gedanken, die sich auch schnell um die blockade drehen können und dabei noch nicht einen strukturierten text ergeben.
eine andere möglichkeit wäre es, die gedanken zu notieren, die einem durch den kopf gehen, wenn man vor der leeren weißen stelle sitzt. dies kann eine ganz gute basis für die aufschlüsselung der selbsthemmung sein, wenn es sich um eine solche handelt. gefahr erkannt, gefahr gebannt funktioniert nicht immer so leicht, wie es gern propagiert wird. wenn zum beispiel meine hohen ansprüche an mich selbst, mich daran hindern, einen text zu verfassen, da ich immer denke, dass er sowieso schlecht wird, dann geht es um mehr. solche gedanken existieren sicher meist nicht nur in bezug auf den zu verfassenden text, sondern auch in bezug auf andere dinge, die ich in meinem leben erledigen muss. diese haltung gegenüber hoher selbstkritik lässt sich selten von heute auf morgen ablegen. das ist eine psychologische frage. inzwischen gibt es an verschiedenen orten schreibberatungen, die dazu dienen, mit professioneller hilfe schreibblockaden zu überwinden. ob man diese unterstützung benötigt, kann man nur selber entscheiden. manchmal genügt auch gemeinsames schreiben mit bekannten, um einen in eine kreative arbeitsatmosphäre zu versetzen.
all diese aussagen reißen das thema nur an. am wichtigsten scheint mir der gedanke, dass jeder mensch eine schreibblockade erleben kann, das schmälert die eigene kreativitätsblockade schon enorm. ein trost ist auch, dass anhand der weltliteratur festzustellen ist, dass die meisten aus der blockade wieder rausgekommen sind.