schreibaufgabe (4) - ergebnis (ich schreib´s mir selbst)
19. Mai 2008 von christof
Vorgegebener Textanfang:
es wurde wärmer. ingrid hatte sich im gartenbaumarkt viele zusätzliche pflanzen für ihren garten gekauft. sie wollte den preis gewinnen, der für den schönsten garten im wohngebiet ausgeschrieben ist. die letzten vier jahre hatte hildegard mit ihren bunten dahlien den sieg davon getragen. aber nun waren die stauden von ingrid soweit, ihre ganze pracht zu entfalten. nur ein paar lücken musste sie noch mit buntem gewächs füllen. sie hatte ihren mittagschlaf beendet, der kaffee war getrunken, die aprikosenschnitte gegessen. es konnte los gehen.
auf der terasse hatte sie schon den spaten bereitgelegt, die gartenhandschuhe und die gartenschuhe lagen daneben. sollte doch das wühlen im dreck sie nicht zu einer schmutzfinkin machen. sie stand unter der großen fichte, die umrankt war vom efeu, um die sich sprießende farne und emporschießende fingerhüte gruppierten. aber es fehlte noch ein gelber farbtupfer, der den boden bedeckt. so sollten nun die gelben annemonen ihren passenden platz finden. ingrid griff zum spaten, und grub verschiedene kleine löcher in den von wurzeln durchzogenen boden.
doch plötzlich schepperte es unter ihrem grabgerät. der boden leistete widerstand und blechern klang es herauf. ingrid blickte auf das kleine erdloch und sah einen silbrigen schimmer zwischen dem braun. sie ging auf die knie, legte den spaten beiseite und grub mit der hand. kurze zeit später hatte sie eine kleine dose aus aluminium freigelegt, die von einer beinah verfallenen kordel umgeben war. sie streifte die kordel ab und öffnete das blecherne kästchen. als ihr blick ins innere fiel, begriff sie nicht sofort. ihr wurde schwummrig vor den augen, sie setzte sich zurück und musste sich abstützen, als sie in ohnmacht fiel…
weiterführung:
…woher wusste er das? war sie so durchschaubar gewesen? wut stieg in ihr auf, als sie aus der umnebelung wieder zu sich kam. was bildet der idiot sich eigentlich ein? aber eigentlich war es ja liebevoll, nur woher konnte er wissen, dass es exakt zwanzig jahre dauern würde, bis sie auf das kästchen stieß? ingrid wollte es nicht glauben. sie las den zettel noch einmal, der in der blechbüchse lag.
„ich habe dir doch schon vor zwanzig jahren gesagt: lebe endlich dein leben!!! dein fred“ „mach ich doch!!“, wollte sie spontan in den kleinen kasten schreien. aber was hätte hildegard dann von ihr gedacht, die im garten nebenan gerade wieder ihre dahlienknollen vergrub. sie wäre sofort an den gartenzaun gestürzt und hätte sich erkundigt, ob es irgendwelche probleme gäbe. ob denn in der ehe mit karl alles in ordnung sei.
nein, war es nicht, ingrid wusste, dass hildegard ständig mit ihm rumvögelte, wenn sie nicht zuhause war. aber es war ihr egal, denn ihr ehegatte ging ihr eigentlich nur noch auf die nerven. er war in den letzten jahren so weinerlich geworden. er wollte von ihr immer komplimente hören, was er wieder tolles bei der arbeit geleistet hatte. er wollte ständig seine probleme bei ihr loswerden. sie ertrug ihn nicht mehr.
in solchen momenten begab sie sich gern in den garten und unterhielt sich mit ihren stauden, während sie sie hegte und pflegte. sie sprach mit dem männertreu über fred und wie er immer zu ihr gehalten habe, auch als sie die schule geschmissen hatte. mit den vergissmeinnicht sprach sie über seine versuche den kontakt zu ihr zu halten, obwohl sie karl ihm vorzog, da der so viel männlicher wirkte. „welcher hohn!“ rief sie eines tages dem mohn zu. irgendwann meldete fred sich nicht mehr. sie hatte von ulf, einem gemeinsamen freund erfahren, dass er die stadt verlassen hatte. und dann saß sie da mit dem trauermantel und sie vergossen gemeinsam ein paar tränen. so, die anemonen waren gepflanzt. jetzt noch schnell ein glas champagner, bevor karl auftauchte. sie streifte die gartenkleidung ab, setzte sich mit dem glas auf die terasse. das telefon klingelte. sie sprang auf und stürzte in die wohnung. „hallo, ich bin es, fred. hast du das kästchen endlich gefunden? ich liebe dich!“
ingrid öffnete die augen und sah sich zwischen den stauden liegen. in der rechten hand hielt sie eine blechbüchse, aus der gerade eine schleimige schnecke auf ihren arm kroch.
(mai 200