Tagesarchiv: 20. März 2008

wider den generalverdacht

gestern entschied das bundesverfassungsgericht, dass der umgang mit den daten der vorratsdatenspeicherung pfleglicher sein sollte, als es bisher von der bundesregierung geplant war. deshalb schränkte es die verwendung der daten stark ein. erst einmal dürfen die für ein halbes jahr gespeicherten verbindungsdaten aller bundesbürger, die sich in der virtuellen welt bewegen, nur bei der verfolgung schwerer straftaten genutzt werden. das ist noch keine aufhebung der vorratsdatenspeicherung, aber immerhin eine einstweilige anordnung, um den sinn der datenerfassung zu überprüfen.

zutage tritt in diesem moment die krux des web 2.0. mag es ein angenehmes gefühl sein, moderne medien zu nutzen, um soziale gruppen zu bilden, die die gleichen interessen verfolgen, wie man selber, wird dieses gefühl getrübt durch die beständige erfassung der daten. ob werbewirtschaft oder staat, das interesse an bewegungsbildern und verknüpfungen ist enorm. und ein gewisses misstrauen, weshalb wären sonst datenschutzbeauftragte notwendig, kann nicht schaden.

der widerspruch zwischen der forderung dem arbeitsleben immer mehr privatheit zur verfügung zu stellen, und der konsequenz, dass dies gegen einen verwendet werden kann, wird sich sicherlich in den nächsten jahren noch verschärfen und nicht abmildern. neu ist es aber nicht, dass erst einmal jeder verdächtig ist, der sich öffentlich äußert. das konnten schon die preussischen kaiser nicht ab, könnte doch die stellungnahme eine kritik erhalten. schwieriger wird es heute dadurch, dass die virtualität eine lücke zwischen verfassen und veröffentlichen bildet, die für den verfasser nicht einsehbar ist. es ist beinahe unmöglich die datenströme als normalsterblicher zu verfolgen.

übrigens, die bei den kommentaren zu diesem blog hinterlassenen mailadressen werden nicht dazu führen, dass einem waschmaschinenangebote zugesandt werden 😉 .

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tagebuch schreiben mit dem sz-magazin

tagebuch schreiben ist eine form des biografischen schreibens, das durch viele blogs wieder aufwind bekam. auch wenn die meisten blogs sicherlich nicht die intimsten gedanken preisgeben, muss ja auch nicht sein. so lässt sich doch ein blick ins leben einzelner menschen werfen. hier zeigt sich schon die vielfalt menschlicher gedanken, aber auch persönlicher ereignisse. vor allen dingen auch die verschiedenheit der bedeutungen einzelner begebenheiten.heute, zum frühlingsanfang, hat das magazin der süddeutschen zeitung in kooperation mit dem deutschen tagebucharchiv in emmendingen, eine tagebuchausgabe herausgegeben. soll heißen, im magazin finden sich beiträge aus einem jahrhundert, die immer am 20ten märz vorgenommen wurden. ein spannendes projekt. und es besteht die möglichkeit, eigene einträge aus den eigenen tagebüchern ans magazin zu senden (sollten vom 20ten märz irgendeines jahres sein). die interessantesten werden im netz veröffentlicht. hier sei, wie bei allen biografischen offenlegungen, zu überdenken, wieweit man sein privates leben preis geben möchte. doch dazu ein andermal mehr. als zeitzeugnisse sind tagebücher sicherlich eine fundgrube, bilden sie doch lebensgeschichten ab.

literarisches schreiben im netz

das literarische schreiben im netz ist eine möglichkeit eine öffentlichkeit für die eigenen texte zu suchen. neben den schwierigkeiten mit dem schutz des copyright und der finanziellen verwertung ergibt sich aber noch ein weiteres problem. der autor, die autorin erhalten oft schneller als gewünscht eine rückmeldung.

gut beim buch sitzt das lektorat vor der veröffentlichung. also die auseinandersetzung mit einem kritiker und veränderer. vielleicht wurde dem auch schon eine schreibgruppe oder ein freundeskreis vorgeschaltet. aber dann ist das buch raus, die literatur veröffentlicht und es werden die kritiken in diversen zeitungen und zeitschriften erwartet, wenn es dazu überhaupt kommen sollte.

anders sieht es da im internet aus. kaum ist der text raus, dauert es nur ein paar tage, bis suchmaschinen sich darüber hermachen. die fülle des angebots im netz kann jedoch dazu führen, dass die eigenproduktion gar nicht wahrgenommen wird. erscheint der text in einem blog, ist die wahrscheinlichkeit schon größer, gefunden zu werden. und dann kann es schnell zu einer rückmeldung kommen, die das stolze gefühl, etwas eigenes geschaffen zu haben, überrollt. wie sich nun dagegen wehren, wenn man sich als autor unverstanden fühlt. teilweise sind die kommentatoren unbekannt, ja, nicht zu ermitteln. eigentlich ist es nicht üblich auf kritiken zu reagieren, aber bei undifferenzierten reaktionen kann die erlebte kränkung leicht dazu verführen.

wie ich darauf komme? gar nicht über literarische seiten, sondern über newsgroups, in denen schnell die diskussion von der eigentlichen fragestellung abweicht und in einer endlosen auseinandersetzung über den stil der kritik gestritten wird. solche diskussionen finden sich schon zuhauf in den computertechnischen foren. wer sich also auf die suche nach einem hilfreichen computer-tipp begibt, muss sich erst durch vielfältige debatten um die kompetenzen der teilnehmer wühlen. zimperlich geht es dabei nicht zu.

verführt das schreiben im netz eventuell zu einer gewissen überheblichkeit? das wäre noch einmal in ruhe zu betrachten. setzt man seine eigene literatur ins netz (auch auf einer homepage), sollte man zumindest damit rechnen, auch unerwartete rückmeldungen zu erhalten. und ohne überheblich zu sein, sich teilweise davon innerlich distanzieren. aber so ist das wohl, wenn man sich an die öffentlichkeit begibt, auch wenn zum beispiel ein blog so privat wirkt und eine newsgroup den eindruck einer arbeitsgruppe macht.

zwang zum lernen?

habe heute in dem text „überlegungen zur didaktischen struktur internetbasierten lernens in der erwachsenenbildung“ von berhard koring (jahrbuch arbeit, bildung, kultur, bd. 17, 1999, s. 9-20) folgende sätze unter dem thema weiterbildung gelesen: „das funktionieren der gesellschaft basiert demnach in weiten bereichen auf einem kontinuierlichen zwang zum lernen. auch die identitätsstabilisierende funktion des berufs kann nur noch durch permanente lernbewegungen realisiert werden. dieses dauernde lernen ist aber immer zugleich auch schmerzlich, weil altes wissen entwertet wird.“ Weiterlesen