zwang zum lernen?

habe heute in dem text „überlegungen zur didaktischen struktur internetbasierten lernens in der erwachsenenbildung“ von berhard koring (jahrbuch arbeit, bildung, kultur, bd. 17, 1999, s. 9-20) folgende sätze unter dem thema weiterbildung gelesen: „das funktionieren der gesellschaft basiert demnach in weiten bereichen auf einem kontinuierlichen zwang zum lernen. auch die identitätsstabilisierende funktion des berufs kann nur noch durch permanente lernbewegungen realisiert werden. dieses dauernde lernen ist aber immer zugleich auch schmerzlich, weil altes wissen entwertet wird.“

das klingt sehr nach einem frustrierten lernkonzept. sicherlich stellt sich vielen arbeitnehmern und selbstständigen heute die frage, wie viele fortbildungen für die weitere tätigkeit wirklich notwendig sind und was ihre chefs oder kunden noch alles von ihnen erwarten. doch diese frage stellt sich oft schon in der schule. wie sinnhaft ist das, was ich hier lernen muss? und der (selbst-)zweifel an der sinnhaftigkeit mancher lehrinhalte führt in der pädagogik auch immer wieder gerne zum einsatz sogenannter motivationstechniken.

aber wie wäre es, lernen zwischendurch auch einmal als möglichkeit der erweiterung der verfügung über die lebensbedingungen zu betrachten. meiner ansicht nach vor allen dingen in der erwachsenenbildung und der weiterbildung. also als etwas, das auch in meinem interesse liegt. ob es gekoppelt ist an eine erhöhte qualifikation, die mir zumindest meinen arbeitsplatz sichert, aber eventuell auch meine position und entlohnung verbessert. hier wird davon ausgegangen, dass ich generell tätigkeiten und lernhandlungen gegen meinen willen vornehme. wie geschrieben, das mag teilweise der fall sein.

aber zum beispiel beim kreativen schreiben oder der schreibpädagogik kann schnell eine kombination aus eigeninteresse und „zwang“ entstehen. das erzwingen von kreativität ist ein schwieriges. auch motivationsübungen fruchten in schreibgruppen nicht unbedingt. enden diese doch schnell in der vorstellung, zu wissen, was anderen gut tut, ohne sie zu fragen. hier scheint mir die freiwilligkeit der teilnahme an schreibgruppen eine grundlage der (erwachsenen-)pädagogik sein zu müssen.

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