schreibpädagogik und psychologisches

schreiben ist nicht zu trennen von der eigenen person. alle versuche, sich „objektiv“ auszudrücken würde bedeuten, die eigene person beim schreiben zu ignorieren. das ist zwar ein hübscher versuch, der bei wissenschaftlichen (vor allen dingen naturwissenschaftlichen) arbeiten oft unternommen wird. aber es wird beim versuch bleiben. schon das interesse, einen text zu verfassen, hat mit mir zu tun.warum dann in schreibgruppen den versuch unternehmen, das psychologische auszuklammern? sicher, es macht keinen sinn, eine kreative schreibgruppe in eine psychotherapie-gruppe abdriften zu lassen. aber es lässt sich mit großer wahrscheinlichkeit viel entspannter arbeiten, wenn man davon ausgeht, dass jeder text, egal wie nüchtern er daherkommt, auch mit dem schreiber, der schreiberin zu tun hat. schwierig wird es erst ab dem moment, ab dem der deutung der person tür und tor geöffnet werden.

kreativität speist sich aus vielen verschiedenen komponenten. daher macht es keinen sinn, diese komponenten der teilnehmerInnen zu erraten. die literaturkritik versucht sich häufig an der erklärung der beweggründe der autorinnen und autoren. dies ist deshalb manchmal notwendig, da sie schreiber nicht mehr gefragt werden können, sind sie doch verstorben. aber es hilft den leserInnen auch nicht viel.

jeder text wirkt auf jede person verschieden. so macht es in schreibgruppen sinn, zwar die wirkung im feedback zu beschreiben, damit die schreibenden sich überlegen können, ob sie eine andere wirkung erzielen wollten oder ob sie mit der rückmeldung zufrieden sind. aber viel wichtiger erscheint mir, wenn ich mehr verstehen möchte, die schreibenden einfach zu fragen. oder  die wirkung beim einzelnen zu belassen und nicht den letzten beweggrund verstehen zu wollen. spass kann die frage machen, was macht der text, das geschriebene mit mir. und hier hilft manchmal die intensität auf die sprünge.

in dem moment, in dem man die textkritik auf diese wirkungen runterbricht, hat man mit großer wahrscheinlichkeit den therapeutischen effekt ausgehebelt. und sollten die schreibenden den bedarf haben, sich zu erklären, genügt wahrscheinlich der vorschlag, dies in einen eigenen text zu packen.

Eine Antwort zu “schreibpädagogik und psychologisches

  1. lieber christof,
    wenn ich dich recht verstehe, bist du auch kein freund der schreib-deuterei und tintenkleks-katathymisiererei. ich teile voll und ganz deine meinung, dass sich schreiberInnen mitunter schreibend selbst entdecken wollen. meine erfahrung ist es, dass gruppen ein neutrales, nichtdeutendes klima sehr schätzen und dass sie mitleid-gelabere bzw. vielsagende deutereien ablehnen und als störend für ihre eigenen denk- und schreibprozessen erleben.
    interessanter diskussionsanstoß!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s