der richtige ton im blog (oder netz) – die zweite

der in letzter zeit häufiger vorkommende besuch im netz, und auch auf diversen blogs erstaunt einen. da wird verbal geschlagen, gehauen, geprügelt und gezetert. unklar ist, weshalb das so ist. eine these könnte sein, nur frustrierte menschen halten sich beständig im internet auf. dem würde aber manche nette kommunikation widersprechen.zweite these, das schreiben verführt zu einer direktheit, die mündlich nicht gegeben wäre. auch dies scheint nicht so, da sich viele briefe durch eine reizende wortwahl auszeichnen. und hier kommt mit großer wahrscheinlichkeit die virtualität ins spiel. es existiert zu viel technik zwischen den personen. was dem einen das gefühl gibt, sich hinter den apparaten verschanzen zu können und dem anderen das gefühl, der geschriebene kommentar sei direkt an ihn gerichtet. und schon existieren konflikte. zweiter grund könnte sein, dass das internet zwar öffentlichkeit erzeugt, aber aus meinem privaten zimmer heraus. ich stehe auf keiner straße, sitze in keiner diskussionsrunde und rede in keinem saal. und doch fühlt es sich so an, soll heißen, ich muss mir immer wieder bewusst machen, dass das, was ich schreibe, die weltöffentlichkeit wahrnehmen kann, aber nicht muss.

die diskussion, wie schreibende mit den kommentaren im netz umgehen, wird auch in der redaktion der jugendseite der süddeutschen zeitung geführt. ein paar stellungnahmen von journalisten sind hier nachzulesen: http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/425093 . 

noch interessanter erscheint mir in diesem zusammenhang die frage, weshalb sich auf die streitigkeiten so viele einlassen? seltsamerweise sprengen einzelne auseinandersetzungen ganze blogs oder zeitungen sperren nachts ihre homepages für kommentare. eine ganze welt hat schlechte laune?? 😦

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6 Antworten zu “der richtige ton im blog (oder netz) – die zweite

  1. Der richtige Ton im blog, das ist eine Sache die mich auch schon lange beschäftigt. Die Thesen von Christof sprechen mich sehr an – endlich treffe ich jemand, der auch in solch eine Richtung denkt und versucht diese seltsame Atmosphäre zu erklären.
    Meine These ist die der „Chemie“. Wenn ich dem Gesprächspartner persönlich gegenüber stehe bekomme ich zumindest einen Fitzel seiner „Chemie“ und Ausstrahlung ab. Auch in Kampfsportarten zählt ja grade die „Information“ die man über Augenkontakt oder Körperverhalten erhält, um somit gezielt und situationsentsprechend zu reagieren. Das bleibt im web aus.

    Was auch aus bleibt: die Verantwortung. Ich habe den Eindruck, dass man keine direkte Verantwortung dafür tragen muss, wenn man jemanden wörtlich verletzt. Es werden ja wirklich Ausdrücke benutzt, bei denen man eigentlich ein blaues Auge erwarten muss, würde man dem Gesprächspartner gegenüber stehen.

    Desweitern sehe ich im Schreiben, ob web oder nicht, auch oft eine gewisse Unfähigkeit, die ich gar nicht weiter beurteilen oder negativ hinstellen möchte. Schreiben bedarf jeder Menge Übung. Diplomatisch und klar zu schreiben finde ich schwerer, als es persönlich auszusprechen, weil hier – wie erwähnt – die gesamte Körpersprache inklusive Chemie dabei ist.

    Ein „erst denken, dann schreiben“ scheint es im web nur selten zu geben. Da wird oftmals einfach alles so rausgeschrien – man muss ja auch keine besonderen Konsequenzen erwarten, – wie erwähnt, das blaue Auge.

    Was meines Erachtens im web fehlt ist die web-Empathie. Sich zu überlegen, wie kommt dieser Satz jetzt bei mir an? Wie würde ich darauf reagieren? Das möchte ich niemanden zum Vorwurf machen. Mir fehlt auch web-Empathie. Ich denke, man macht sich im web wirklich weniger Gedanken darüber, was und wie man etwas sagt.
    Davon ab, fehlt die sprachliche Empathie ja nicht nur im web. Nur bietet das web eine gute Möglichkeit verschärfter unempathisch zu sein.

    Dass so manche harte Ausdrücke im web so manche andere harten Ausdrücke auslösen liegt meiner Vermutung auch an der Lichtgeschwindigkeit im web. Sollte der Gesprächspartner auch online sein, dann bekommt er unmittelbar einen Schlag zurück, also sozusagen ein blauesWebauge.

    Im Bekanntkreis fällt mir auf, dass ich über web meistens mails bekomme mit Informationen, die sich entsprechende Bekannte ansonsten nicht trauen, direkt persönlich an mich zu richten. Insofern bietet das web eine gewisse Offenheit für die Leute, die sonst aus Stande sind, sich so offen auszudrücken – obwohl ich, ehrlich gesagt, auf solche Kommentare dann verzichten kann und gar nicht erst antworte. Das ist vielleicht nicht nett von mir 🙂

    Die verbale Schlägerei sehe ich im web fast wie ein Spiel, in dem man einen gewissen Kick bekommt und sich verbal hochschaukelt, so lange, bis einer von beiden nicht mehr kann.

    Die größte Lachplatte ist für mich diesbezüglich u.a. das wikipedia-Löschkommando. Die Wikipedianer haben eine „Fach“sprache drauf, die zum Himmel schreit. Dort wurde ich zum ersten Mal bezüglich web-Klopperei ernüchtert.

  2. hallo bianca,

    ich glaube eine web-empathie lässt sich gar nicht herstellen, das liegt nicht am willen der nutzerInnen des webs, sondern am medium selbst. es funktioniert ausschließlich schriftlich und visuell, jedenfalls beim einfachen bloggen, einzige emotionalität kann das emoticon, also das smiley, sein oder eben die schriftsprache. und um seiner aussage nachdruck zu verleihen, wie es beim direkten gespräch der tonfall macht, muss hier die wortwahl herhalten. online-chat-konferenzen bieten da mehr spielraum. doch empathie, meiner ansicht nach sowieso ein schwieriger begriff, den kaum jemand genau erklären kann, beinhaltet viele unausgesprochene aspekte, wie zum beispiel ein blick, eine körperhaltung oder andere reaktionen. dies müssen bloggerinnen, wie auch wir, in worte fassen. und wer nicht gleich romane schreiben möchte, um eine stimmung herzustellen, wählt dann gerne das direkte wort. für ein spiel ist das aber zu ernsthaft.

  3. O.K., dann nenne ich es nicht Empathie sondern schlichtweg Verantwortung. Verantwortung zu tragen für das was man sagt oder tut, muss im Web kaum jemand und nimmt es auch nicht in sein Denken mit auf. Den Anschein habe ich jedenfalls oft, wenn ich so web Schlägereien mitbekomme.

    Ich selbst war auch schon davon betroffen, leider mit Post auf meine private e-mail Adresse. Ich habe dann den Anbieter gewechselt, weil derjenige, der sich da mit mir auf niveaulosestes Art und Weise streiten wollte, einfach keine Ruhe gab und ich mich „privat“ (das hätte ich nie gedacht, dass web soooo privat für mich werden könnte) belästigt fühle.

    Daher auch meine Äußerung mit dem Spiel: diese Vermutung kommt von mir, nachdem ich bei wikipedia so einige Regeln entdeckte, die nach einem bestimmten Spielschema verlaufen. Die Begriffe sind dort bestimmten Bewertungen unterworfen. Unfassbar!
    Naja, und diese Privatattacke, fand ich auch „verspielt“, weil alle Waffen aufgefahren wurden, bis ich dann eben den Anbieter wechselte und eine neue e-mail Adresse hatte.

    Dass man gewisse Emotionen über web vermitteln können muss sehe ich nicht ganz so. Wenn es emotional wird greife ich lieber zum Hörer und ich weiß ehrlich nicht, warum es oftmals so schriftlich weiter geht und sich immer mehr verfranzen muss. Ich vermute dahinter einen gewissen angenehmen „kick“ und – wie weiter oben schon gesagt – ein gewisse Unfähigkeit. O.K. manche Leute können sich schriftlich besser ausdrücken als mündlich, das sehe ich ein…
    Die emotion-icons finde ich ganz hilfreich aber irgendwie sehe ich mich da auch in einem bestimmten Schema von „Ausdruck“.

  4. so unangenehm die erfahrung ist, gestalkt zu werden, so ist das stalking doch in jeder kommunikationsform möglich, also auch im internet. privat wird es glaube ich ab dem moment, ab dem ich direkt gemeint bin, also nur ich, eben post für dich in deinem virtuellen briefkasten. ich vermute mal, wäre die post im realen briefkasten gelandet, hätte es sich nicht viel besser angefühlt. im internet kann man sich noch ein wenig besser verstecken, obwohl das auch nicht mehr so leicht geht. doch die emotionalität lässt sich oft gar nicht anders ausdrücken, als schriftlich, da man die person, die einen text oder einen kommentar verfasst ja gar nicht kennt. ich glaube nicht, dass es sich bei manchen verbalen verirrungen um verantwortungslosigkeit handelt. es fehlen eventuell nur die richtigen worte ?

  5. Die Schnelligkeit, die das web bietet führt oft zu viel mehr unüberlegten Worten und Taten, als das beim Schreiben und Abschicken eines Briefes der Fall ist. Schon allein die Briefmarke besorgen und den Brief einwerfen bzw. abgeben beansprucht mehr Momente, in denen man sich den Inhalt des Briefes (die Worte) nochmal überdenken kann.
    Die richtigen Worte fehlen so oder so fast immer, ob mündlich oder schriftlich, das ist mir klar. Beim Schriftlichen hat man aber effektiv länger Zeit, die richtigen Worte zu finden und man hat auch gleichzeitig mehr Möglichkeiten sich Gemeinheiten auszudenken – ganz anders als im persönlichen Gespräch, da geht es ja oftmals nur um tausendstel Minute, die man Zeit zum Kontern hat.

  6. zumindest setzt das web zeitlich mehr unter druck als der brief. es taktet anders. hat auch mit den technischen möglichkeiten des konsums von geschriebenem im web zu tun. ich kann mich einfach wegklicken. so fällt zum beispiel beim betreiben des blogs auf, dass die besucher, auch wenn es scheint, dass sie neu hier landen, selten ins archiv schauen, sondern auf die top-beiträge, die auf der rechten seite aufgelistet sind. die werden eher angeklickt.
    möchte ich also, dass alles gelesen wird, sich menschen zeit nehmen, müsste ich wahrscheinlich die seitenleisten entfernen und den blog kein archiv anlegen lassen. das würde aber eine riesenkette text geben.
    diesem verhalten oder rhythmus passe ich natürlich auch mein schreiben an. möglichst schnell auf kommentare zu reagieren, aktuelle informationen zu finden, das web ist vergänglicher. dadurch wird die kommunikation knapper und die sprache verändert sich (siehe chat). ob es durch den zeitdruck aggressiver (oder direkter) wird, ist meiner ansicht nach eine spannende frage. oder führt die weite des web nur dazu, dass sich menschen mir gegenüber zu wort melden, mit denen ich im alltag wahrscheinlich gar nicht viel zu tun hätte, da unsere haltungen so verschieden wären?

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