schreibpädagogik und interaktivität

eine auszeichnung des internets, oder besser geschrieben, des web 2.0, ist die interaktivität. das bedeutet, zwei oder mehr personen können zu einem thema in interaktion treten. dies beschränkt sich meist auf schriftliche interaktionen, verbale sind nur in videokonferenzen oder chatrooms möglich. zu körperlicher interaktion kann es überhaupt nicht kommen, der traum vom cybersex ist bis heute einer geblieben.also ähnelt das internet doch sehr einer großen schreibgruppe. keine homepage mehr ohne kommentarfunktion, kein blog mehr ohne die möglichkeit sich daran zu beteiligen. ich finde es aber interessant, dass diese form der kommunikation von der schreibpädagogik so wenig genutzt wird.ist sie doch selber nur zu einem gewissen teil interaktiv. und in einer form, die je nach freiheiten der schreibgruppe, variieren kann. teils gibt der anleiter die übungen vor, sie werden ausgeführt und sich dann gegenseitig vorgestellt, aber es findet kein feedback statt. oder der anleiter entwickelt mit der gruppe zusammen die aufgabenstellung, zu was geschrieben wird. oder es findet nach der vorstellung der entstandenen texte eine feedbackrunde statt. oder es gibt ein schriftliches feedback. oder die gruppe entwickelt die schreibanregung selber. oder, oder …aber wahrscheinlich machen folgende details schreibgruppen interessanter als das web 2.0:

  •  die gespräche in den pausen
  • das gemeinsame schreiben
  • körpergeruch und blicke
  • die verschiedenen schreiborte

also alles nonverbale und auch nicht schriftliche interaktionen. eher interaktionen, die im hintergrund ablaufen und nicht immer bewusst wahrgenommen werden, obwohl jeder für sich selber schreibt. es scheint mir interessant, dies genauer zu betrachten.

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8 Antworten zu “schreibpädagogik und interaktivität

  1. Vielleicht müssen „wir“ mal überlegen und definieren, wo genau das „pädagogische“ im Schreiben liegt. Abgeleitet von der „Pädagogik“ = Theorie und Praxis der Erziehung und Bildung; Erziegungswissenschaft und „päd“ gr. pais, paidós „Kind, Knabe“.
    Was ich auf jeden Fall im Schreibpädagogischen sehe ist der Aspekt der Bildung!
    Entwicklung durch Bildung erfährt man ganz unmittelbar, wenn man die Technik des Schreibens als reflexive Praxis versteht und nutzt (siehe auch Gerd Bräuer: „Schreiben als reflexive Praxis: Tagebuch, Arbeitsjournal, Portfolio“, 2000, Filibach Verlag). Durch diese Technik kommt man in die Verlegenheit aber auch in den Genuss sich ständig ein neues Bild von sich und seinem Denken zu machen bzw. sein Denken weiter zu entwickeln.
    Aber was ist denn noch an dem Schreiben pädagogisch und verdient seinen Namen der Schreib“Pädagogik“? Ist es tatsächlich ein Teil der Erziehungswissenschaft? Und wenn ja, warum und wie?

  2. an dem schreiben an sich, ist erst einmal nur pädagogisch, dass es mit lernen zu tun hat, also eine form der selbst“erfahrung“. doch selbsterfahrungen machen wir von morgens bis abends und lernen also dazu. die schreibpädagogik selber, verfolgt konzepte, das schreiben nahe zu bringen, also nicht zu schreiben, das lernen die meisten in der schule, sondern verschiedene formen des umgangs mit dem schreiben zu lernen. zum beispiel techniken, schreibblockaden zu überwinden. so wie die sexualpädagogik auch nicht mit dem sex gleichzusetzen ist. die schreibpädagogik vermittelt wissen und erfahrungen um das schreiben, die ich nicht unbedingt neu machen muss, sondern, wenn ich will, lernen kann. wahrscheinlich müssten „wir“ erst einmal einen blick darauf werfen, was wir unter „lernen“ verstehen, denn daran orientieren sich oft die pädagogischen theorien. Also wie? 😉

  3. O.K. lassen wir das mit der Schreibpädagogik-Begriffsdefinition. Es geht ja in der Pädagogik nicht nur um das Lernen. Pädagogik entwickelte sich u.a. aus der Frage: „Was braucht der Mensch?“ und hierzu muss man sich Fragen „Was ist der Mensch?“ (in diesem Fall auch im web 2.0)aber das geht sicher zu weit.

    Warum sind also Schreibgruppen interessanter als das web 2.0 zum Schreiben? Gebe ich jetzt mal ganz diszipliniert auf die Einstiegsfrage des Artikels Antwort. Mir stellte sich dabei wirklich sofort die Frage der Pädagogik und des Menschen überhaupt in der Schreibpädagogik. Wenn ich begreife wo der Mensch in der Schreibpädagogik zu finden ist, dann klärt sich vielleicht auch die Frage nach dem Menschen im web 2.0. Wo ist das web 2.0 tatsächlich menschlich (siehe Verbindung Mensch – Maschine), insbesondere zwischenmenschlich. Nimmt sich der Mensch im web wahr? Wie nimmt er sich wahr?

    Die Details in Schreibgruppen, die eher hintergründig wichtig sind – wie Du im Artikel erklärst – bleiben natürlich im web aus. Insbesondere das Schreiben an unterschiedlichen Orten mit unterschiedlichen Stimmungen. Webmäßig hat man auch nicht immer den Austausch, den man sich wünscht. Außerhalb kann man sich eher spezielle Leute aussuchen, die einem etwas, zu den eigenen Texten sagen. Man hat die Möglichkeit sich seine Feedback-Vertrauensperson suchen.
    Was ich in Frage stelle, ist, ob man tatsächlich nur für sich selbst schreibt oder ob es nicht genügend Menschen gibt, die das Können und das Mittel der Schrift aus weitgreifenderen Gründen brauchen, um verstanden zu werden, ja, durchaus auch um Aufmerksamkeit zu bekommen oder Antworten auf Fragen zu bekommen.

  4. hallo bianca,

    da komme ich zu meinem lieblingsthema, wir haben ja immer gründe für unsere handlungen, also auch für unser schreiben. nur die gründe lassen sich selten verallgemeinern oder erdeuten. sicher gehört da auch dazu, aufmerksamkeit zu bekommen oder fragen beantwortet zu bekommen.
    im tagebuch kann es vorkommen, dass ich nicht unbedingt an die leserInnen denke. aber was ganz klar ist, im web ist schreiben, ohne an die anderen zu denken, so gut wie unmöglich. wenn ich an die anderen nicht denken wollte, sollte ich nicht unbedingt ins web gehen.
    vor kurzem habe ich gelesen, und dem stimme ich zu, das web suggeriert auch ein stück macht. ich gehe für lau an die öffentlichkeit und „präsentiere“ anderen meine gedanken. das kann ich sonst nur, wenn ein buch von mir veröffentlicht wird, ich irgendwo redakteur bin oder in der speaker´s corner bin. das web macht es also einfacher eine öffentlichkeit zu finden, muss aber auch gefunden werden, denn in der masse geht vieles auch leicht unter.
    und hier kommt der blog als gute möglichkeit ins spiel, denn die, die ein interesse daran haben, können sich beteiligen.
    also, ich habe das gefühl, den wunsch, wichtiges mitteilen zu wollen, schnappe mir einen blog, gebe diverse tags ein, und andere finden mich über diesen weg oder andere suchmaschinen. sind sie interessiert, bleiben sie. sind sie es nicht, gehen sie wieder. fangen sie an zu kommentieren, kann kontakt hergestellt werden.
    in schreibgruppen kann sicher leichter kontakt hergestellt werden, ohne, dass ich vorleistungen erbringen muss, bei büchern kann kaum kontakt hergestellt werden. vielleicht liegt der blog zwischen schreibgruppen und büchern, was zumindest das schreiben angeht?

    gruß christof

    p.s.: schön mit dir hier „öffentlich“ zu diskutieren.

  5. Ja ber das weiß ich doch, dass ich hier öffentlich bin und ich ich genieße das auch. Das es hier auch um eine Mikrophysik der Macht geht, ist mir auch klar und dass ich mit jedem Wörtchen, welches ich „zu treuen Händen“ ins Internet gebe ein Stück Internet bin, dass ist mir auch schon immer klar.

    Ich dachte in dem impulsgebenden Artikel (oben) geht es insbesondere um eine Bewußtseinsmachung, Stück für Stück zu diskutieren, was nun den feinstofflichen Unterschied zwischen Schreibgruppen und web ausmacht.

  6. ich hatte meinen eigenen artikel erst einmal aus den augen verloren, und bin noch einmal verstärkt auf deine fragestellungen eingegangen. zudem bin ich mir selber noch nicht sicher, ob ich das weiter so sehe, wie ich es oben geschrieben habe. denn schreibgruppen können etwas förderndes aber auch etwas behinderndes haben.
    für manch einen kann die direkte erwartung, einen text zu formulieren und zur diskussion zu stellen, hemmend wirken. also stellt sich die frage, ob schreibgruppen für manche interessanter sind und für andere das web 2.0 interessanter ist. und in dem zusammenhang spielt es sicherlich eine rolle, welche erfahrungen ich mit schreiben bisher gemacht habe. aufsatz schreiben in der schule kann ja ganz schön ätzend sein, aber im netz kann ich schreiben was ich will, wäre zum beispiel eine begründung.
    also vielleicht sollte ich meine these einfach wieder fallen lassen und mehr differenzieren. ich glaube, in die gründe für mein schreiben fließen auch die feinstofflichen aspekte hinein.
    zuhause habe ich es zum beispiel kuscheliger und kann mir zeit lassen meinen text zu verfassen, im gegensatz zur schreibgruppe usw. usw.
    lass uns ruhig weiter diskutieren, auch wenn es mal abdriftet 🙂
    und ich weiß, dass du das weisst, habe nur laut schriftlich gedacht. auch so ein phänomen im blog.

    p.s.: wenn du ein bildchen zu deinen kommentaren willst, musst du es selber „uploaden“.

  7. Lieber Christof, liebe Bianca,

    eigentlich habe ich nach dem verschollenen, nee, vergriffenen Buch von Gerd Bräuer gesucht – und plötzlich befinde ich mich auch im blog obwohl ich das erstens nicht wollte und zweitens auch gar nicht weiß wie ich hineingeraten bin (!!!) Also wozu Schreibgruppen?! Weil in Schreibgruppen einem auf die einfachste Art deutlich wird, dass jeder seinen ganz besonderen Zugang zum Schreiben hat, dass ein Impuls enorm unterschiedliche Texte freisetzt, dass keiner glauben soll nur er/sie habe das Schreiben gepachtet, weil schreibgruppen in der Regel gut auszuhalten sind, was man weiss gott nicht von jeder Gruppe sagen kann, weil gemeinsames Schreiben an einem Text einem klar machen kann, dass das Ganze mehr ist als die Summe aller Teile und so weiter. Und jetzt schick ich das hier ab oder was? Heide, gerade auf dem Weg zum Master

  8. liebe heide,

    zu welchem master? master bräuer 😀 schön dich hier zu treffen, alle wege führen inzwischen auf den blog 😦 auch die über die schreibgruppen, die zumindest meistens angenehme sind. ob dies immer so ist, da bin ich mir nicht so sicher. aber die vielfalt schätze ich auch sehr. viel spaß weiter auf dem weg mit ein paar abzweigen.
    gruß christof

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