biografie im internet (2)

es seien noch ein paar anmerkungen zu den biografien im netz gemacht. tagebücher als blogs bergen meiner ansicht nach zwei gefahren in sich, die nicht unterschätzt werden sollten. die eine besteht darin, dass die binäre abfassung von tagebüchern nur so lang existent ist, so lang sie nicht gelöscht wird. also sollte sie parallel ausgedruckt werden, was die wenigsten blogger machen, wenn man später einmal rückschau halten möchte. hier verpufft viel gesellschaftliches wissen. und gleichzeitig häuft sich enorm viel gesellschaftliches wissen an, das zu lebzeiten der bloggerInnen eigentlich privates sein sollte. 

das heißt, menschen machen sich ungehemmt öffentlich. setzen sich aber damit der gefahr aus, dass ihre eigene erlebte biografie durch diskussionen oder kommentare entwertet oder ihnen entrissen wird. der öffentliche diskurs über die eigenen gefühle und erlebnisse stellt oft die ganze person in frage. und dies teilweise durch anonyme leserInnen. parallelen zur veröffentlichung von privatem in tv-talkshows sind gegeben.

auf der anderen seite gibt es wenige zeitzeugnisse im blog oder web 2.0. also wenige authentische berichte über ein lang andauerndes leben, mit all seinen höhen und tiefen. dies böte aber für jüngere generationen eine orientierung, wie ein leben gestaltet werden kann und wie vielleicht nicht. sicher, es ist immer heikel das eigene leben zu veröffentlichen. aber man muss es ja nicht zur debatte stellen. im zusammenhang mit dem dritten reich und der shoah gibt es inzwischen manche zeitzeugenberichte, die auch im internet zu finden sind.

aber abseits davon gibt es auch einen alltag, der zeigen könnte, dass „probleme“ oder schwierigkeiten, von denen viele menschen denken, sie würden nur sie treffen, schon immer von anderen ähnlich erlebt wurden. das hat zum einen einen selbsthilfeaspekt, zum anderen aber auch den effekt, ein gespür für die existierende vielfalt zu bekommen. biographisches schreiben kann hier hilfestellung leisten. zum einen beim finden der eigenen lebensgeschichte, aber auch beim vorsichtigen veröffentlichen dieser. denn das web 2.0 bietet dafür eine tolle basis.

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