Tagesarchiv: 29. März 2008

schreiblesezentrum in freiburg

gerd bräuer wird manchen schreibpädagogen ein begriff sein. er ist mit der schreibpädagogischen szene freiburgs eng verbunden. und er bietet in zusammenarbeit mit anderen stellen die ausbildung zu schreibberaterInnen an. mehr informationen zu seinen tätigkeiten, kooperationspartnern und links zu vielen verschiedenen projekten kann man hier finden: http://www.schreiblesezentrum.de/ 

internet, zugang und möglichkeiten

es wird gerne von der zukunft des internet geschwärmt, von den vielen möglichkeiten, die man dadurch hat und von den vernetzungen die das „netz“ bietet. dabei wird gern übersehen, dass ein teil der bevölkerung überhaupt keinen zugang zum internet hat und auch nicht haben wird oder will.

einen überblick über die nutzerzahlen gibt der (n)onliner-atlas 2007, veröffentlicht von infratest und der initiative d 21. zu finden unter http://www.initiatived21.de/N-ONLINER-Atlas.309.0.html . so waren laut befragung 2007 ungefähr 60 prozent der bevölkerung ab 14 jahren online, aber auch 34 prozent offline. und wie nicht anders zu erwarten, unterscheidet sich die internetnutzung ja nach altersgruppe enorm. ab dem alter von 40 jahren nimmt die zahl der offliner rapide zu. das bedeutet aber für die älteren der gesellschaft, dass sie von teilen des informationsflusses abgekoppelt sind. es bedeutet aber auch, dass von den jugendlichen (14- bis 19-jährige) ungefähr 89 prozent onliner sind. oft können ihre eltern mit den technischen kenntnissen nicht mithalten.

für die schreibpädagogik könnte dies aber abseits der erwachsenenbildung bedeuten, gar nicht mehr um die nutzung des internets drumherum zu kommen. wer jugendliche und junge erwachsene mit der schreibpädagogik erreichen möchte, der muss sich dem internet zuwenden. und er muss sich gedanken machen, wie er dies bewerkstelligen möchte.

„verteidigung des privaten“ – ein buchtipp

vielleicht ist die situation bekannt? man sitzt in öffentlichen verkehrsmitteln, hält ein buch in händen und versucht dies zu lesen. an der nächsten haltestelle setzt sich ein mensch neben einen, das handy am ohr und brüllt: „nein glaub ich nicht!! krebs hat sie? was denn für einen krebs?…“. ab diesem moment kann man das buch weglegen, da einen interessiert, was es denn nun wirklich für eine krebssorte ist und um wen es geht. doch man wird es nie erfahren. gleichzeitig drang aber der mensch in die eigene privatsphäre ein. würde man ihn darauf ansprechen, würde er diesen vorgang von sich weisen und zu verstehen geben, dass man ja nicht zuhören müsse.der autor wolfgang sofsky, soziologe, zeigt in seinem buch „verteidigung des privaten – eine streitschrift“ die vielen aspekte unseres alltags auf, in denen die privatheit immer stärker zurückgedrängt wird. und er unternimmt, mal erfolgreich, mal etwas weniger erfolgreich, den versuch die gründe für diese entwicklung aufzuschlüsseln. interessant erscheint mir das buch, da es die vielen verschiedenen aspekte miteinander verknüpft zu einer großen frage, warum lassen wir uns das eigentlich gefallen? wenn man das buch ausgelesen hat, möchte man gerne seine privatheit sofort mehr schützen. Erschienen beim Verlag C.H. Beck, München, 2007, ISBN 978-3-406-56298-3. 

was ist noch privat?

so ein blog ist ja eine gratwanderung. es wird kaum einen blog geben, bei dem die leserInnen nicht mitgedacht werden. aber es gibt auch kaum einen blog, bei dem nicht eine menge persönliches mit einfließt. damit wird aber manches private öffentlich. am anfang der blogosphäre gingen viele davon aus, es gibt ja eine netikette und wenn sich alle daran halten, dann kann man auch eine ganze menge von sich preis geben. die konsequenz waren viele verletzte blogger und bloggerinnen, die irgendwann ihren blog auflösten, da sie angenervt waren von den kommentaren anderer. ich lese gerade, den zwar schon etwas älteren, aber weiterhin interessanten artikel „diaristen im internet. vom schriftlichen umgang mit teilöffentlichkeiten.“ von anneke wolf, erschienen in kommunikation@gesellschaft, Jg.3, 2002, beitrag 6. darin wird die schwierigkeit geschildert für den eigenen blog öffentlichkeit zu schaffen, also dafür zu sorgen, dass der blog wahrgenommen wird, auf der anderen seite damit aber auch dem druck der netzöffentlichkeit ausgesetzt zu sein, die nicht eben zimperlich ist. so wird hinter dem privaten im blog, bei jemandem, der sich selbst schützt, immer noch ein weiteres privates sein, das er nicht preisgibt. denn ein online-tagebuch wird auch von den schreibenden sehr schnell nicht mehr gleichgesetzt mit dem handschriftlichen tagebuch.

generell ist aber festzustellen, habe mich in letzter zeit einmal in der blogosphäre umgeschaut, dass die bereitschaft sein leben vor anderen auszubreiten weiter wächst. das betrifft nicht nur die blogs, sondern auch dating-chats, fernsehsendungen, öffentliches telefonieren mit dem handy oder auch internet-communities (studivz oder xing). interessant erscheint mir, dass die kritik daran meist auf die einzelnen personen heruntergebrochen wird. ihnen wird exhibitionismus vorgeworfen, einsamkeit unterstellt, sie werden problematisiert. im gegenzug werden von den web 2.0-usern die  problematisiert, die nicht bereit sind, privates preiszugeben, als jemand, der etwas zu verstecken habe. Weiterlesen