weblogs und interaktivität

nach der diskussion mit bianca hier noch ein paar gedanken zu den möglichkeiten der interaktivität in weblogs. generell ist die struktur der blogs auf interaktivität ausgerichtet, beinahe auf unbeschränkte vernetzung und verknüpfung. doch dies basiert hauptsächlich auf verweise und kurze kommentare. die eigentliche interaktion zwischen subjekten kommt eher selten vor. unter interaktion verstehe ich eine für gewisse zeit ununterbrochene kommunikation, die auch zu einem realen (mit hilfe der virtualität zustande kommenden) sozialen kontakt führt. das lässt den weblog hinter manche andere kommunikationsform zurücktreten.

aber dafür ergeben sich andere möglichkeiten der kommunikation. wer seinen blog benutzt, um ein soziales netz zu knüpfen, kann sich über bilder, podcasts, filme oder musikhitlisten den anderen vorstellen. die bandbreiten der selbstdarstellung sind enorm und nicht sonderlich aufwendig, wenn die technik der erstellung beherrscht wird. über links und pings werden favoriten gekennzeichnet, statements tauchen in den posts auf und ein chat ist integrierbar. aber, auch dies ein unterschied zur gesicht-zu-gesicht-kommunikation, es müssen von bloggerInnen erst einmal vorleistungen erbracht werden, ohne gewissheit, dass das thema, die haltung oder die eigene person noch jemand anderen interessiert. dies führt gerne dazu, dass menschen für sich werben, wie professionelle werbeagenturen.

doch wie es in der werbung oft der fall ist, es werden nur die schönen seiten des lebens präsentiert. auch bei realen sozialen kontakten spielt das werben oft eine rolle, jedoch der kommunikationspartner kann weitere eindrücke, auch nonverbale sammeln. dies kann er im blog nur über die kommentarfunktion oder per e-mail. sollten wirkliche kontakte entstanden sein, findet meist der rückzug auf andere kommunikationsformen statt.

so scheinen weblogs in den augen vieler nur der ersten kontaktaufnahme zu dienen und nicht der ernsthaften sozialen vernetzung.

ganz andere chancen bieten die blogs aber auf der informations- und bildungsebene, da sie hier menschen mit ähnlichen interessen zusammenführen, die sich über andere kommunikationsformen schwerer gefunden hätten. hier übernimmt der blog die funktion einer anzeige mit anschließendem briefkontakt oder chiffre-verkehr. hier ist ein schneller austausch von informationen und daten auf beinahe gleichberechtigter ebene möglich. dieses potential der blogs für professionelle interaktionen wird erst langsam erkannt und birgt natürlich das problem in sich, wieweit die themen öffentlichkeitstauglich sind.

doch inzwischen lassen sich über passwörter auch nebenräume oder ganze blogs schaffen, die nur einem engen kreis den zugang ermöglichen. auf diesen ebenen ist beinahe jede form der interaktion denkbar, da inzwischen die multimedialität viele hilfsmittel parat hält. aber letztendlich bleibt die alleinige macht über den blog beim administrator. hat er keine lust mehr, kann er die kommunikation vollständig abbrechen.

13 Antworten zu “weblogs und interaktivität

  1. Deine Erklärungen erklären nun wirklich fast alles. Da kann ich ja fast nix mehr zu sagen.
    Was mir bisher gar nicht so bewußt war: dass man sich durch weblogs so darstellen kann, wie man möchte. Klar, eigentlich logisch. Man gibt nur das von sich preis, was man auch wirklich wichtig von sich findet. Das kann natürlich auch dazu führen, dass jemand sich eine Identität bastelt, die erlogen ist aber irgendwie sei es demjenigen dann zu gönnen, so lange er nicht anderen damit schadet.
    Ich finde das eigentlich eine flotte Sache, angesichts der verzweifelten Suche nach einem „Ich“ im Internet und des Verblassen des Subjekts insgesamt in der heutigen Zeit. Sich eine eigene Seite zu erstellen und sogar Musik dazu zu nutzen, sich irgendwie zu definieren und die besondere Seite von sich zu zeigen, das sehe ich als rafinierte Möglichkeit, doch etwas Besonderes aus sich zu machen und der Macht zu entfliehen u.a. den ursprünglichen Personaldaten und der Vergangenheit, die man ab und zu in Rechnung gestellt bekommt…
    Also, wenn ich das jetzt hoffentlich richtig verstanden habe, so ermöglicht „weblog“ eine neue Identität – ganz so, als würde man in eine neue Stadt ziehen und sich dort ein neues Leben aufbauen und den Leuten dort nur das von sich erzählen, was man wichtig findet und über sich bekannt geben will, eventuell könnte man auch unter einem neuen Namen auftreten… So ist es doch auch im weblog?

    Ich verstehe unter „Interaktion“ direkte Gespräche und direktes Reagieren aufeinander aber auch das gegenseitige Reagieren überhaupt. Wenn ich also einen Kommentar schreibe und Du Dich darauf meldest – wenn auch zeitverzögert – dann hat meiner Ansicht nach eine Interaktion stattgefunden.

    Chatten ist – bis dato – gar nichts für mich. Da kann ich wirklich auch zum Hörer greifen. Finde ich so komisch, dass Studentenbekannte mir erzählen, dass sie sich innerhalb ihrer WG Nachrichten schicken, anstatt einfach mal anzuklopfen. Darüber weiß ich echt nicht was ich denken soll. Vielleicht sollte ich überhaupt mal chatten, damit ich begreife, was daran so toll ist. Auf Anhieb kommt mir das sehr unlogisch vor aber es hat bestimmt einen besonderen Grund.

  2. da! ein bild. und wenn du deinen ersten beitrag geschrieben hast, wirst du auch als autorin sichtbar 😉

    aber noch eine kurze anmerkung zu deinem kommentar. eine sache würde mich noch interessieren an den blogs. wieweit, selbst bei der entwicklung einer neuen identität, die vielen virtuellen leserInnen mitgedacht werden? ich weiß es nicht, ob es möglich ist, sie im vorfeld auszuklammern. werde mal weiter darüber nachdenken.

  3. Bis Du weiter gedacht hast, schreibe ich mal, wie ich das weiterdenke bzw. welchen Gedankenstoß Du bei mir diesbezüglich ausgelöst hast:
    Bei der Erstellung einer neuen Identität im weblog können die virtuellen LeserInnen nicht komplett mitgedacht werden. Beim Einbeziehen einiger Werbemanagementtricks, die ja in der Regel auch psychologisch durchdacht sind, können sicher die Leserinnen in etwa mitgedacht werden.
    Das Interessante – und zur eigenen Entwicklung unterstützende – ist meiner Meinung nach beim Erstellen einer web-Identität, dass sie (die Identität) sich genauer herauskristallisiert, indem sich Leser dazuschalten und kommentieren. Eine Reflexion dieser entstandenen Identität würde mir Anzeichen geben, was ich noch an meiner weblog-Identität ausbessern will und welche ungewußten Anziehungspunkte mein selbstkreiertes weblog hat.

    Das klingt für mich grade so, als hätte ich die Kurve zur – fast schon internet-lebensbezogenen – Verbindung von Interaktion und weblogs hinbekommen?

  4. interessant bei den entwickelten identitäten finde ich, ähnlich wie bei allen selbst verfassten texten, dass sie nie frei von einem selber sind. so gibt es ja bei „second life“ die möglichkeit avatare zu kreieren die abseits meiner eigenen person agieren. und doch, immer wenn berichte über die nutzerInnen und ihre avatare kommen stellt sich heraus, wie weit sie an ihnen selbst und ihren bedürfnissen orientiert sind. so kann eine auseinandersetzung über meine eigene identität mit anderen zu einem regelrechten „selbsterfahrungstripp“ werden. aber, und hier sehe ich eine gefahr, auch meine eigene person so sehr in frage stellen, dass es einzelne in regelrechte krisen stürzt. zudem weiß ich nie genau, wieweit die mir begegnenden personen real sind. es scheint ein ernstes spiel zu sein.

  5. Was Du da schreibst klingt allerdings nach einem ernsten Spiel.
    Mir fällt auf, dass ich web-technisch kaum Ahnung habe. Was da stattfindet übersteigt meine Vorstellungskraft. Ich finde es teilweise total krank, was man sich alles über web antut. Das geht mir nicht in den Verstand.

    Kleiner Vorschlag: Wie wäre es mit sowas wie einem Glossar in Deiner webside?
    Warum? Ich verstehe ganz oft nicht, was bestimmte Begriffe bedeuten wie z.B. „avatare“ und viele Worte mehr. Dieses Nicht-Verstehen hindert mich am Mitreden, weil ich nicht weiß, ob bestimmte Begriffe eigentlich schon erklärt haben, was ich grade zeilenweise versuche annäherungsweise zu erklären.
    Außerdem würde ich gerne verstehen, was Du erklärst, weil Deine Texte so interessant sind und in gewisser Weise Aufklärung betreiben.

    Aber vielleicht geht es ja nur mir so mit den Begriffen?

  6. nun, ein glossar wäre schön, doch noch eine sache mehr. langfristig sicher eine überlegung. und ich möchte niemanden am mitreden hindern. also „avatare“ nennt man die virtuellen fantasiefiguren, die sich menschen bei „second life“, einer plattform, die das leben in einer fantasiewelt nachspielt, entwerfen.
    ansonsten kann ich nur die seite von wikipedia empfehlen, die zu jedem begriff garantiert eine eintrag hat. denn ich befinde mich da in der zwickmühle, alles zu umschreiben, was möglich wäre, aber die texte, die für einen blog schon recht lang sind, noch länger werden zu lassen. mal sehen, das gröbste ist in den letzten texten aufgetaucht, viel mehr spielt glaube ich keine rolle.

    „krank“ finde ich das nicht. es ist nur eine andere ausdrucksform für sehnsüchte. da denke ich, diese gesellschaft basiert auf vielen defiziten und jede(r) sucht sich so seinen weg damit klar zu kommen oder auch ein stückweit auszubrechen. eine möglichkeit sind rollenspiele oder ein alternatives leben in „second life“ zu spielen. interessant ist nur, dass es nicht lang gedauert hat, bis auch „second life“ vom markt entdeckt wurde und viele versuchten ihre produkte dort zu plazieren, virtuelle häuser, klamotten und anderen schnickschnack zu verkaufen. also das eventuell fantasievolle zweite leben, eigentlich nur das reale nachspielte. das erinnert mich sehr an meine kinderzeit, als ich immer gerne büro spielte, also teile des berufs meines vaters nachspielte. weshalb nicht auch dieses im netz ?!?

  7. Also, ich merke deutlich, dass ich toooooooootal webfremd bin.

    Warum ich es nicht so toll finde das Leben im web laufen zu lassen und Sehnsüchte im web ihren freien Lauf zu lassen?

    Ich habe einen gewissen Glauben an das was Leben sein kann:
    Ich weiß und möchte es behaupten, dass es – in egal in welcher Situation – immer mehrere Möglichkeiten gibt, in denen man aktiv kreativ sein Leben gestalten kann. Ich möchte mich einfach nicht damit abfinden, dass man alles, was man im realen Leben nicht erleben kann ausschließlich ins web gibt anstatt im Gehirnskasten mal einen kreativen Prozess entstehen zu lassen und den Hintern aus dem Sessel zu heben und einfach mal anzupacken und aktiv zu werden.
    Ich sträube mich dagegen, das web als eine zweite Wirklichkeit zuzulassen, weil ich der Überzeugung bin, dass das reale Leben auch einen Grund hat, der uns zum Handeln auffordert und uns nicht flüchten lassen sollte in eine andere Welt – außer ab und zu in die Welt der Bücher;-)
    Wenn man alles im web durchleben kann, dann gibt es auch wenig Gründe sich im realen Leben Möglichkeiten auszdenken.

    Ich passe auf jeden Fall nicht ins web, das spüre ich an dieser Stelle. Naja, vielleicht sollte ich mir auch einfach mal „second life“ angucken, damit ich weiß, wie das wirken kann. Eigentlich bin ich auch unwissend auf dem Gebiet.

  8. vorsicht, vorsicht, wieso sollte es nicht aktiv sein, sich dem web zu zu wenden.
    bianca, du lässt den eindruck entstehen, wer ins web mit seinen sehnsüchten geht, sei passiv, fliehe vor etwas. es erscheint aber genauso als alternative, wie tagebuch schreiben, wie du schon schreibst, bücher lesen, sehnsüchtige bilder zu malen, pusselige gedichte zu schreiben usw..
    etliche user beschreiben das web als hilfe, möglichkeiten zu denken, zu leben, wenn auch virtuell, und sich selber mehr bewusst zu werden. es ist glaube ich ein trugschluss, dass dies nur die face-to-face-kommunikation kann. und aktiv müssen die webuser genauso werden. allein das aneignen der technischen möglichkeiten ist kein geringer aufwand. aber dann werden sogar eigene fernsehsendungen erstellt (podcasts) oder bildpräsentationen kreiert. das web kann auch nur eine erweiterung des alltags darstellen.

  9. o.K. das könnte so ankommen, dass die Leute, die „nur“ ins web gehen, um ihren Sehnsüchten zu folgen, von mir als rein „passiv“ gesehen werden. Ist aber natürlich totaler Quatsch, weil auch im Web massig – wie Du schon sagtest – kreative Prozesse stattfinden.

    Kurz und gut: ich bin nix fürs web. Ich halte eine Identität durch eine Maschine (das sollte man nicht vergessen) erstellt nicht für besonders lebensnah, ich mein so ganz und gar. Siehste ja schon an meinem Ikon, dass ich eine totale naturnahe Tussi (im Einklang mit der Natur und so) bin. Bei mir kommen so web Möglichkeiten nicht so gut an. Da bin ich schon zu festgefahren und habe mich zu einem anderen Leben entschlossen.

    Mich schockt schlichtweg die Tatsache, dass man sich virtuell ein zweites Leben meistert. Das findet bei mir keinen Anklang und ich finde es auch schade.

  10. bist du dir sicher, dass du nicht in der „matrix“ lebst ? 😮

  11. Das kommt darauf an, was man unter Leben und leben versteht.
    Natürlich könnte es sein, dass ich in der „matrix“ lebe. 😉 Ich möchte die Matrix aber nicht mit meiner Aktivität „füttern“ oder gibt es etwa Argumente dafür?

  12. ja klar, denn du kannst die matrix genauso verändern wie die reale welt, nur dass sie ein simulation ist und du den stecker an deinem hinterkopf nicht spürst. nur nicht mit den aktivitäten geizen, wir wissen ja gar nicht, dass wir in der matrix leben 😕

  13. das finde ich interessant: Webradios (in USA bereits 33 Mio HörerInnen) und Community-Portale verstehen sich prächtig. keine raufereien, nichts. lt. medienforschungsunternehmen Arbitron http://www.arbitron.com und Edison Media Research http://www.edisonresearch.com besteht zwischen Online-Radios und sozialen netzwerken (web 2.0) eine starke verbindung. die unterschiedlichen Angebote teilen ihre nutzer miteinander. anscheinend sind ein viertel der US-amerikanischen bevölkerung über zwölf jahren in Besitz eines eigenen profils bei Web-2.0-Communities wie MySpace oder Facebook. mit einem knappen drittel (63 Prozent) liegt der anteil jener online-radiohörerInnen, die gleichzeitig zumindest ein soziales netzwerk nutzen, überdurchschnittlich hoch. schöne aussichten, christof und bianca! soviel netzwerk und synergie und power-user würde ich mir zumindest im realen leben wünschen.

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