tagebuch oder literatur?

schriftstellerInnen haben oft tagebuch geschrieben. und waren sie verstorben wurden die täglichen eintragungen oft veröffentlicht. ebenso die briefwechsel. um die schreibenden noch ein wenig transparenter zu machen, die entstehung ihrer werke nachvollziehen zu können. das web 2.0 eröffnet da neue möglichkeiten, auch für die schreibenden. das tagebuch in beinahe-echtzeit ins netz zu stellen. doch schaut man sich manches exemplar an, beschleicht einen das gefühl, der leser, die leserin wurden mehr mitgedacht als in einem tagebuch üblich. hier ist ein blick in die persönliche schreibwerkstatt möglich, sozusagen in das karteikästlein der ideen, entwürfe und ereignisse, die ein größeres vorbereiten könnten.das tut den blogs keinen abbruch, ist aber nicht mehr das ungebändigte tagebuch, das verfasst wurde um seiner selbstwillen. sicher es gab auch schon immer schriftstellerInnen, deren tagebücher bei einem das gefühl hinterließen, sie erhofften sich nach ihrem tode eine veröffentlichung. viele machten aber den eindruck, dass das persönliche ohne mitgedachte leser verfasst wurden. sie schilderten die ganz alltäglichen sorgen, ängste und freuden der literaten . und zeigten gleichzeitig, menschen wie du und ich, die nebenher schriftstellerInnen waren, sie nahmen etwas von der ehrfurcht. die blog-tagebücher sind aktueller, aber auch künstlerischer. zwei beispiele seien hier aufgezeigt:da gibt es das tagebuch der else buschheuer, das in auszügen auch schon als buch erschienen ist. Unter http://www.else-buschheuer.de/tagebuch.phpund dann das werk von rainald goetz, einer der ersten schriftsteller, der das internet für sich und seine tätigkeit nutzte, ein pionier der html-literatur. Unter http://www.vanityfair.de/extras/rainaldgoetz/ . einer der wenigen, der sponsoren für seine veröffentlichungen gefunden hat.

Werbeanzeigen

4 Antworten zu “tagebuch oder literatur?

  1. Das finde ich interessant: „blog-tagebücher sind aktueller, aber auch künstlerischer“
    Wie kommst Du darauf, dass blog-tagebücher künstlerischer sind? Der Umkehrschluss wäre ja dann, dass traditionelle Tagebücher weniger künstlerisch als web-tagebücher sind, oder? Das bezweifel ich.
    Die Beispiele von buschheuer und vanityfair habe ich mir flüchtig angeschaut. Ich behaupte, dass es auch Tagebücher gibt, die unabhängig vom web 2.0 ebenso gestaltet sind und derartige Schreibtechniken benutzen, um sich auszudrücken.

    Die Besonderheit der web Tagebücher ist mir noch nicht deutlich. Eine spielerische Frage: Wie würdest Du mich überzeugen, ein web-tagebuch zu führen? Welche Argumente stehen für das Pro der web-tagebücher?

  2. nun, ich kenne nur tagebücher, die in büchern veröffentlicht wurden, von bekannten persönlichkeiten. wenn ich mir die anschaue, dann setzen sie sich viel mehr mit dem realen alltag auseinander als die von buschheuer und goetz. sie sind in der sprache schlichter, da es einfach um keine öffentlichkeitswirkung geht.

    ich will dich gar nicht davon überzeugen ein web-tagebuch zu führen. ich halte das nicht für besser, sondern nur vom stil her unterschiedlich, da die öffentlichkeit sehr viel mehr mitgedacht wird, als in den handschriftlichen tagebücher die zuhauf geführt aber nie veröffentlicht werden.

    ein gravierender unterschied ist für mich auf alle fälle die tatsache, dass die webtagebücher sofort veröffentlicht werden, im gegensatz zu anderen tagebüchern, wenn sie nicht als kolumne in zeitungen abgedruckt werden, die jahrzehnte später das licht der welt erblicken.

  3. Meine Erweiterung der allgemeinen Tagebuchsicht:
    ich habe schon einige herrlich gestaltete Tagebücher von FreundInnen zu sehen bekommen, ausgeschmückt mit Kunstwerken, Versen, Aquarellen, gepressten Blätter von einem Spaziergang und eigenen Skizzen u.v.m.

    Die veröffentlichen Tagebücher von namhaften Künstlern und Autoren sind teilweise bestimmt auch ursprünglich mit anderen Notizen und Zeichnungen versehen, die aber in dem veröffentlichten Tagebuch nicht miteinbezogen sind. Manchmal werden die Tagebuchartigen Zeichnungen und Graphiken extra publiziert – wahrscheinlich wegen der Druckaufwendung. So findet man z.B. von Hermann Hesse massig Aquarelle, die man unmittelbar mit seinen Büchern und Texten in Verbindung setzen kann. Auch eine Art Tagebuch diese Verbindung von Roman und Bildern aus dem eigenen Leben…
    Aber sicherlich sind wir dann nicht mehr bei dem Tagebuch, das Du meinst?
    Huch, vom Thema abgekommen. Sollte mal einen Artikel schreiben, was? 😉

  4. ich habe wollte damit nicht sagen, dass handgeschrieben tagebücher nicht künstlerisch sein können. überhaupt nicht. mir geht es in diesem zusammenhang eher um den schreibstil, der verwendet wird. ich glaube, da ein blog öffentlich ist, dass die autorInnen mehr wert auf die außenwirkung legen, also sich bemühen literarisches abzuliefern, im gegensatz zu selbstanalyse im „normalen“ tagebuch, bei dem die wortwahl meist eine untergeordnete rolle spielt und es wichtiger erscheint einen ausdruck für seine gefühle zu finde.

    aber klar solltest du einen artikel schreiben 😛

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s