schreibpädagogik und psychologisches – ein zweites mal

die schreibpädagogik versucht dazu anzuregen, mit hilfe verschiedener techniken, die kreative und biografische ader des eigenen schreibens freizulegen. das ist ein schöner vorsatz, der mal mehr, mal weniger umgesetzt werden kann. aber das ist ja das individuelle am schreiben. aber mancher zeitgenosse möchte sich damit nicht zufrieden geben und begibt sich auf die suche seiner tiefsten tiefen.

ein phänomen, dem man öfter begegnen kann. also da muss doch noch etwas in mir schlummern, das nur geborgen werden muss, dann wird mir klar, wie ich ticke. leider bietet eben diese haltung eine wunderbare angriffsfläche für so manche heilsversprechen. ob sie nun in der esoterik, in einem glauben oder in einem kreativen ausdruck ihre form finden. und so sucht der mensch mit hilfe diverser schreibtechniken nach seinem inneren schatzkästlein. das so verborgen ist, dass es sich sogar vor ihm verbirgt.

nur manchmal ist da gar nicht mehr. das ist keine abwertung, da das vorhandene meist sehr reichhaltig ist. es ist eher das problem, dass die schreibende person sich selber so sehr abwertet, dass sie immer mehr, immer außergewöhnlicheres von sich erwartet. doch damit stellt sie sich ein bein. denn sie wird ihren eigenen ansprüchen nie genügen. die psychologisch interessantere frage wäre, weshalb genügt sie sich nie selbst? wo hat sie das gelernt? die schreibpädagogische konsequenz wäre, zu vermitteln, dass niemand von außen, diese extremen erwartungen an die person hat. und dass nicht bei jedem schreibprozess sich das deckelchen des inneren schatzkästleins öffnen muss. sondern dass einfach ein schlichter text entstehen darf.

diese verschränkung von schreibpädagogik und psychologie lässt sich nicht von anfang an verhindern. woher sollten schreibgruppenleiterInnen denn wissen, weshalb ihre teilnehmer schreiben. aber im laufe der zeit, wenn selbstreflexive aufgaben zum eigenen schreibprozess eingesetzt werden, könnte sich die problematik zeigen. einzuschreiten ist meiner ansicht nach nur, wenn sich die betroffene person von einer schreibblockade zur anderen hangelt. dann könnte es hilfreich sein, vorzuschlagen, ob eine schreibgruppe die richtige lösung sei, seine eigene person zu entschlüsseln oder ob es dafür nicht professionellere hilfe gibt.

aber sehr wichtig: die letzte entscheidung liegt immer bei den teilnehmerInnen! wenn sie sich weiter ergründen wollen, dann sei ihnen das zugestanden, denn wie sie sich wirklich fühlen, kann kein mensch von außen beurteilen. nur das schatzkästlein, das wird sich auch im laufe der zeit nicht zeigen. aber auch das kann eine lernerfahrung sein.

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