Tagesarchiv: 9. April 2008

internet und rasterfahndung

war die empörung groß, als an die öffentlichkeit gelangte, dass lidl kleine kameras an seinen kassen installierte. der kunde sorgte sich darum, dass seine geheimdaten ausspioniert werden könnten, nämlich die pin seiner ec-karte.

doch die welle des entsetzens zeugt nur von einem, der naivität des verbrauchers. werden doch seine daten schon längst erfasst, so zum beispiel ist es ein leichtes ein raster über die einkäufe des kunden xy zu erstellen, der immer mit der einen ec-karte bezahlt. nicht die pin ist interessant, sondern die verbrauchergewohnheiten. oder glauben sie immer noch, dass die kunden-, kredit- und ec-karten ihnen nur das leben leichter machen wollen. Weiterlesen

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schreibidee (7)

 

worüber schreiben, wenn nicht über den stoff aus dem das leben besteht? was mich zu der idee bringt, ein schreibwochenende unter dem thema „stoff“ zu organisieren. ist doch stoff in seiner bedeutung vielfältig. Weiterlesen

10te buchnacht in der oranienstrasse

die vielen bücher, die geschrieben sind, wollen auch gelesen werden. da aber alle menschen unter der modeerscheinung „stress“ leiden, sich zwar immer mehr bücher kaufen, diese aber nicht unbedingt lesen, haben findige leute das vorlesen wieder entdeckt. so boomt der hörbuchverkauf, der es ermöglicht neben anderen tätigkeiten ganze epen zu konsumieren.

und für die, die erst kurz vor dem einschlafen nachts zum buch greifen, gerade mal zwei seiten schaffen um dann wegzuschlummern, bietet kreuzberg eine alternative. doch achtung, dazu ist das haus zu verlassen. am samstag, den 12ten april findet eine lesenacht in der oranienstrasse statt. hier sind zwei fliegen mit einer klappe zu schlagen. nicht selber lesen zu müssen und texte kurz vor dem einschlafen goutieren zu können.

mehr informationen zum programm sind unter folgender adresse zu finden: http://www.lange-buchnacht.de/

schreibtechnik (2)

eigentlich handelt es sich beim clustern nicht um eine technik des schreibens, sondern um eine assoziationstechnik, die die grundlage für einen text legen kann. eine vorreiterin des clusterns, zumindest was texte darüber angeht, ist gabriele l. rico. sie hat 1983 ihr werk verfasst „garantiert schreiben lernen“, inzwischen ein klassiker. sie bemüht sich sehr die neurologie als begründung für ihre technik heranzuziehen. assoziieren fällt durch die bedienung diverser hirnabschnitte leichter. das clustern soll diese hirnaktivierungen unterstützen.

ehrlich gesagt interessiert mich das in diesem moment nicht sehr groß, interessanter finde ich, dass die technik funktioniert. aber nur, wenn man es schafft, sich das freie assoziieren zu erlauben. soll heißen, wer erst einmal eine durchstrukturierte antwort erwartet, kann sehr enttäuscht werden.

hier das clustern neu zu erfinden oder zu beschreiben wäre müssig, haben dies doch schon so viele im internet gemacht. deshalb möchte ich hier nur auf ein paar nützliche links verweisen.

  • als erste hilft mit einer kurzen knappen beschreibung, wie immer, wikipedia. ein paar nette links sind auch dabei. den link zu wikipedia findest du auf der rechten seite.
  • von dieser seite habe ich auch die beschreibung von rüdiger heins, die zu finden ist unter: http://www.berlinerzimmer.de/heins/heins_cluster.htm
  • eine weitere beschreibung liefert ruth pink in kurzen knappen worten hier: http://upload-magazin.de/?p=749

es ist zu sehen, auch wenn man clustern googelt, dass sehr viele menschen eine beschreibung liefern. jedesmal wird dann diskutiert, ob dies das gleiche wie mindmapping sei. nein, ist es nicht, da es assoziationsketten zulässt und strukturierung keine rolle spielt. beim mindmap ist aber gerade die strukturierung gewünscht. ein teilnehmer ein schreibgruppe zeigte mir auf, dass man das clustern auch für entscheidungsfindungen verwenden kann. nun denn, sei es eine hilfe, in die eine oder die andere richtung.

biografisches schreiben und die wahrheit

anhand von autobiografien berühmter persönlichkeiten wird gerne darüber diskutiert, ob das, was sie schildern auch der wahrheit entspricht, oder ob sie den rückblick auf ihr leben beschönigen.

nun unterscheidet sich die autobiografie von bill clinton gravierend von meinen eigenen biografischen schilderungen. der buchvertrag von clinton verlangte schon im vorfeld eine millionenauflage. hier kann damit gerechnet werden, dass der leser gleich beim schreiben mitgedacht wird.

aber eigentlich bietet das biografische schreiben die möglichkeit die eigene lebensgeschichte für sich aufzuschlüsseln. eventuell auch zu papier zu bringen, und wenn man möchte, sie anderen zugänglich zu machen. wer glaubt es gebe dafür kriterien der wahrheit, muss leider enttäuscht werden. denn die betrachtung der eigenen biografie ist immer eine subjektive und unterliegt sicher der der weiterentwicklung des einzelnen.

so kann ich noch so sehr versuchen, mich in die damalige zeit meines lebens zurück zu versetzen, die beurteilung der damaligen situation wird garantiert aus meinen heutigen befindlichkeiten gespeist. eine gute form der annäherung an die vergangenheit sind tagebücher, wenn sie geführt wurden. sie bilden die früheren ereignisse authentischer ab. hier kann man nun lange diskutieren, ob dies der wahrheit näher kommt, als die heutige reflektierte variante. leugnet erstere doch meine weiterentwicklung.

warum soll ich nicht umgedacht haben, mich verändert haben und manche situation anders betrachten oder erinnern. auch diese veränderungen gehören zu meiner lebensgeschichte. interessant für die aufschlüsselung könnte es sein, auch meine veränderungen zu reflektieren. doch der dem diskurs hinderliche begriff „wahrheit“ spricht von einer endgültigkeit, die einem prozess nie inne sein kann. und es bringt mir nicht viel, wenn ich etwas schön schreibe, dass ich mir selbst aufschlüsseln möchte. oder ich habe gute gründe dafür, dann werde ich das schönschreiben wahrscheinlich nicht bemerken.

also kann nur empfohlen werden, sich einfach hinzusetzen, seine eigene lebensgeschichte zu reflektieren und dabei auch die bedingungen zu reflektieren, unter denen ich schreibe. denn dann muss auch bill clinton erkennen, dass er ganz viel weggelassen hat.