biografisches schreiben und die wahrheit

anhand von autobiografien berühmter persönlichkeiten wird gerne darüber diskutiert, ob das, was sie schildern auch der wahrheit entspricht, oder ob sie den rückblick auf ihr leben beschönigen.

nun unterscheidet sich die autobiografie von bill clinton gravierend von meinen eigenen biografischen schilderungen. der buchvertrag von clinton verlangte schon im vorfeld eine millionenauflage. hier kann damit gerechnet werden, dass der leser gleich beim schreiben mitgedacht wird.

aber eigentlich bietet das biografische schreiben die möglichkeit die eigene lebensgeschichte für sich aufzuschlüsseln. eventuell auch zu papier zu bringen, und wenn man möchte, sie anderen zugänglich zu machen. wer glaubt es gebe dafür kriterien der wahrheit, muss leider enttäuscht werden. denn die betrachtung der eigenen biografie ist immer eine subjektive und unterliegt sicher der der weiterentwicklung des einzelnen.

so kann ich noch so sehr versuchen, mich in die damalige zeit meines lebens zurück zu versetzen, die beurteilung der damaligen situation wird garantiert aus meinen heutigen befindlichkeiten gespeist. eine gute form der annäherung an die vergangenheit sind tagebücher, wenn sie geführt wurden. sie bilden die früheren ereignisse authentischer ab. hier kann man nun lange diskutieren, ob dies der wahrheit näher kommt, als die heutige reflektierte variante. leugnet erstere doch meine weiterentwicklung.

warum soll ich nicht umgedacht haben, mich verändert haben und manche situation anders betrachten oder erinnern. auch diese veränderungen gehören zu meiner lebensgeschichte. interessant für die aufschlüsselung könnte es sein, auch meine veränderungen zu reflektieren. doch der dem diskurs hinderliche begriff „wahrheit“ spricht von einer endgültigkeit, die einem prozess nie inne sein kann. und es bringt mir nicht viel, wenn ich etwas schön schreibe, dass ich mir selbst aufschlüsseln möchte. oder ich habe gute gründe dafür, dann werde ich das schönschreiben wahrscheinlich nicht bemerken.

also kann nur empfohlen werden, sich einfach hinzusetzen, seine eigene lebensgeschichte zu reflektieren und dabei auch die bedingungen zu reflektieren, unter denen ich schreibe. denn dann muss auch bill clinton erkennen, dass er ganz viel weggelassen hat.

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