soziale netzwerke – virtuell oder real

die interaktivität des web 2.0 erleichtert es, soziale netzwerke zu bilden. sozial heisst in diesem zusammenhang, man bezeichnet sich als zusammengehörig. die konsequenz ist, dass sich immer mehr menschen untereinander verlinken. einer der vorreiter ist die plattform „myspace“, bei der sich menschen als freund markieren können.

generell stellt sich die frage, welche vorstellung von freundschaft gemeint ist. so hat laut lee brenner, der politikchef von myspace, im us-wahlkampf barack obama mehr als 300 000 freunde, wie er  in der süddeutschen zeitung vom 10ten april sagte. eine echte freundschaft ist das sicherlich nicht, sind die freunde doch sehr wechselhaft, je nach haltung des politikers und öffentlichen äußerungen. doch diese form der vernetzung wird als soziales netzwerk bezeichnet.

in diesen netzen herrschen klare verhaltenscodices, um zum beispiel das verbreiten von hassbotschaften zu verhindern. die gegenseitige kontrolle ist dabei recht streng und agiert schnell. was brenner als positiven aspekt darstellt, verschweigt aber die tatsache, dass am ende der besitzer der plattform an der löschtaste sitzt. so steht in den „terms of use“- in den geschäftsregeln, dass aufhetzen, beleidigung und verfolgung nicht toleriert werden. brenner im o-ton, „wir löschen nacktheit, gewalt und exzessive sprache“. das klingt nicht nach sozialem netzwerk, sondern nach moralischer kontrolle durch einzelne.

interessant erscheint mir, dass nacktheit mit gewalt gleichgesetzt wird. hier verschieben sich moralische werte im hintergrund, die nicht mehr im netzwerk diskutiert werden, sondern gelöscht werden. so bestimmen wenige einzelne menschen die netzwerke von millionen. ein großer unterschied zwischen virtuellen und realen netzwerken.

im realen netzwerk würde so etwas sicherlich diskutiert werden und eine gemeinsame linie gefunden. die krux liegt dabei sicherlich auch in der rechtsprechung, dass derjenige, der technischen raum zur verfügung stellt für das veröffentlichte haftet. die verantwortung liegt also erst in zweiter linie bei dem, der die botschaften verfasst. so verschiebt sich die verantwortung vom täter zum vermittler. eine seltsame entwicklung, deren letzte konsequenz diskussionswürdig ist. vor allen dingen, wenn die selbstkontrolle im netz angeblich so groß ist.

das soziale netz im web 2.0 kann schnell von denen dominiert werden, die den technischen vorsprung nutzen, und nicht von denen, die dominiert werden. denn laut brenner kommen nur die ins weiße haus, die ein smartes webkonzept vorweisen können. soziale netzwerke habe ich mir anders vorgestellt, politik übrigens auch.

 

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