biografisches schreiben und kunstfreiheit

 

stellen sie sich vor, sie gehen in einen buchladen, stöbern ein wenig durch die regale und entdecken, dass eine ihrer besten freundinnen ein buch geschrieben hat. sie kaufen sich das buch natürlich sofort und fangen an zuhause zu lesen. nach zwanzig seiten stellen sie fest, dass sich das buch um ihre freundschaft dreht. sie lesen über sich selbst unter anderem namen und müssen lesen, dass das eine mal sex, den sie miteinander hatten, für ihre beste freundin fürchterlich war. wie würden sie reagieren?

der text, der da geschrieben wurde, hat viele biografische anteile. er ist aus der sicht ihrer besten freundin geschrieben. sie sehen die situation ganz anders. müssen aber bis ins kleinste detail sich selbst beschrieben wiederfinden. bei öffentlich gemachten lebensgeschichten und autobiografien kann dies immer wieder passieren. protagonisten fühlen sich falsch beschrieben. nun können sie klagen, denn ihre sorge ist groß, dass viele ihrer anderen freunde über sie dinge erfahren werden, die sie nie erfahren sollten. auch wenn ihr name nicht öffentlich auftaucht, spielt es eine rolle, wie weit man rückschlüsse auf sie ziehen kann.

sollten denn nun schreibende bei der aufarbeitung ihrer biografie auf details verzichten, nur weil sie für andere unangenehm sein könnten? wie weit ist ein text zu verfremden, um ihn veröffentlichen zu können und nicht die persönlichkeitsrechte anderer zu verletzen? wo ist es kunstfreiheit und ab wann verleumdung oder üble nachrede? diese fragen beschäftigen gerichte immer wieder. das dilemma ist wahrscheinlich nie vollständig zu lösen. bei der veröffentlichung eines biografischen textes müssen sich die autorInnen wohl fragen, wann sie die grenzen einer anderen person überschreiten, oder ob sie ein kapitel, ein detail weglassen sollen. da kann es müssig sein, darüber zu diskutieren ob biografisch geschriebenes ehrlich ist oder der wahrheit entspricht, denn die wahrheit sollte gar nicht veröffentlicht werden.

interessant wird diese frage meist nur dann, wenn es sich bei den protagonisten um berühmte persönlichkeiten handelt. oder wenn im biografischen text ungerechtigkeiten angeprangert werden sollen. doch biografisches schreiben kann in solchen momenten auch privates an die öffentlichkeit zerren, auch wenn es sich nur um die öffentlichkeit einer schreibgruppe handelt. bei gewissen formen der verfremdung, und biografische berichte sind oft schon durch die jahre der erinnerung verändert, ist die autobiografie zumindest durch die kunstfreiheit geschützt, aber letztendlich lässt sich die frage nicht klären. es kann ja eventuell genügen, dass sie bestimmte erlebnisse für sich aufschreiben, sie aber nicht der öffentlichkeit zugänglich machen? oder zumindest ihre besten freunde von ihrem vorhaben unterrichten und deren einverständnis einholen. geht es aber um konflikte, kann es sein, dass sie sich selbst fragen müssen, wie weit sie gehen wollen.

 

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