Monatsarchiv: April 2008

schreibidee (11)

beobachtungen gelingen oft treffender, wenn sie distanzierter geschildert werden. der mensch hat den hang, seinem fiffi, seiner mieze oder auch der schlange im wohnzimmer, menschliche eigenschaften anzudichten. so verfasste der schriftsteller wolfdietrich schnurre das buch „die aufzeichnungen des pudels ali“, ein tagebuch, in dem der pudel seine freunschaft zu einer katze schildert.

um sich selbst oder seine umwelt detailierter zu betrachten, kann es hilfreich sein, sich einmal in ein tier zu versetzen (natürlich in ein vermenschlichtes), das das schildert was es sieht und erlebt.

für schreibgruppen könnte somit die aufgabe darin bestehen, sich entweder ein reales haustier oder ein fiktives vorzustellen. nun sind die gedanken des haustiers über eine bestimmte erlebte situation zu schildern. was dachte fiffi beim letzten ehekrach? was überlegte der hamster, als er das kopulieren paar im bett nebenan nachts beobachtete? was dachten die fische im aquarium über helmut kohl? zu welchen schlüssen kommt die katze der clintons?

interessanter für die schreibenden wird die aufgabe sicherlich, wenn es sich um tiere in ihrer nähe handelt. es kann auch die ameise auf dem balkon sein, die stechmücke im wohnzimmer oder der nachtfalter in der küche. durch die kleinen hausfreunde können situationen aus einer anderen perspektive beschrieben werden, kombiniert mit der (menschlich zugeschriebenen) eigenheit des tieres. aufschlussreiche erkenntnisse können nicht ausgeschlossen werden.

schnickschnack (09)

mal wieder was fürs auge. ein blog. ein mensch, der sich mit allen formen der dreidimensionalen darstellung und animation im internet auseinandersetzt, hat einen blog erstellt, der eine vielfalt an faszinierenden einblicken bietet. vor allen dingen den flash-animationen hat sich der autor des blogs verschrieben, also letztendlich kleine filme, die beim besuch einer homepage abgespielt werden können. diese filme können manchmal durch das drüberfahren mit der maus verändert und beeinflusst werden.

so zeigt sich dem betrachter ein potpourrie an farben und formen, an wabern und fließen, blubbern und schweben. kann eine anregung für schriftliches sein, kann aber auch einfach nur schön und witzig sein. und wen die technischen hintergründe interessieren, der findet im blog viele weitere informationen. aber auch viele links zu anderen spezialisten der darstellung und des grafikdesign. hier sei noch einmal bemerkt, je virtueller die welt wird, um so visueller wird sie. also sich lieber überraschen lassen, als es zu ignorieren. zukünftige kunden werden sich auch am layout orientieren ;-(

die seite von mr. doob ist hier zu finden: http://mrdoob.com/blog/

handschrift – wozu noch?

virtuelle welten verändern das schreibverhalten. es wird getippt, nicht auf dem lottoschein, auf der tastatur. das geht bei gewisser übung schneller und wird zum beispiel als „unicode (utf-8)“ von jedem computer verstanden. ja durch die schrift können ganze abläufe programmiert werden.

wie viele zeitungen (tages- oder wochen-) hat auch die süddeutsche in den letzten jahren ableger produziert. so gibt es inzwischen sz-wissen, die monatliche wissenschaftszeitung. die neuste ausgabe widmet sich der handschrift. leider sind nur leseproben der jeweiligen ausgabe im internet einsehbar. so gibt es einen selbstdiskurs über handschrift vs. maschinenschrift hier (http://www.sueddeutsche.de/wissen/special/921/43878/index.html/wissen/artikel/681/168195/article.html) zu lesen. der längere  dazugehörige artikel über die (be)deutungen von handschriften kann nur dem gekauften exemplar entnommen werden. hierbei geht es vor allen dingen um mögliche rückschlüsse auf die psychische verfasstheit der schreibenden aufgrund ihrer handschrift. vielleicht ist es doch ganz gut, dass die handschrift immer mehr verschwindet?

ein weiterer artikel des hefts beschäftigt sich mit der verwundbarkeit des cyberspace. er greift die durchtrennung eines überseekabels vor zweieinhalb monaten durch einen anker auf. dieser unfall hatte zur folge, dass mehrere golfstaaten kaum mehr zugang ins internet hatten. denn technik ist anfällig, und wie können ausfälle umgangen werden. die frage stellt sich, je mehr bedeutung die virtuellen welten für den alltag bekommen.

die sprache der berliner verkehrsbetriebe

technische abläufe zu beschreiben ist nicht einfache. noch schwerer fällt vielen einen wortschatz für dienstleistungen zu finden. wenn das ganze dann auch noch visuell aufbereitet wird, dann kann schon gehörige verwirrung entstehen. meister im fach der verwirrung und technisierten sprache sind die berliner verkehrsbetriebe (bvg), zwei unübertroffene beispiele für eine sprache, die kein mensch versteht und die übersetzer auf den u-bahnhöfen benötigt.

zum einen die ankündigung der auswirkungen des momentanen streiks von verdi in den werkstätten der bvg: Um das rollende Material zu schonen, fahren U-Bahnen und Straßenbahnen seit heute in kürzeren Behängungen. Damit kann es in Spitzenzeiten zwar etwas voller in den Zügen werden, wir können aber sicherstellen, dass das vorhandene Wagenmaterial möglichst lange einsatzfähig bleibt.

da sind wir aber froh, dass der streik keine nachteiligen auswirkungen auf das laufende material, nämlich die fahrgäste hat. und hüpfendes material spielte in der bvg ja nie eine rolle 😀

und dann wird gebaut. wie eigentlich die ganze zeit, muss das konstante material, nämlich das gleis, immer wieder überholt werden. das führt zu beeinträchtigungen im personennahverkehr, die hier (der link ist nicht mehr aktuell) zu betrachten sind: wann fährt noch einmal was, wohin? die zeichnungen auf den u-bahnhöfen bieten eine noch kryptischere darstellung, die leider nicht auf der homepage zu finden ist. so werden auch in den kommenden wochen touristengruppen durch berlin u-bahnhöfe irren. 😮

lesen, lesen, lesen…

heute wäre beinahe vor lauter lesen, der welttag des buches verpasst worden. erst zum frühstück die zeitung gelesen, dann auf dem weg zur arbeit im nahverkehr ein buch gelesen, oder im auto ein hörbuch gehört. bei der arbeit die ganzen mails gelesen, geschäftsbriefe oder fachlektüre. auf dem weg nach hause wieder das gleiche, bücher gelesen oder gehört. zuhause ein wenig fern gesehen, die privaten mails erledigt, dann zu einer zeitschrift gegriffen und ein paar artikel gelesen. im bett das buch vom nachttisch genommen, noch ein paar seiten gelesen.

wozu da noch einen „welttag des buches“. nun hier wird es erklärt: http://www.welttag-des-buches.de/de/135793. könnte ja sein, dass manche leserInnen dieses blogs jemanden kennen, der zu wenig liest. ich wäre ja für einen welttag des vorlesens. aber für die erfinder der welttage ist dies wohl das gleiche. nun denn, aus solidarität könnte man ja jetzt noch schnell einen zwischenstopp in der buchhandlung einlegen. und dann endlich schreiben, schreiben, schreiben…

das ende der schublade – ein buchtipp

gestern wurde hier der vorteil des grundrauschens im internet für die suche von informationen geschildert. welche konsequenzen die unübersichtlichkeit für unsere vorstellungen von ordnung hat und wie sich daraus neues wissen gewinnen lässt, kann in dem buch „das ende der schublade – die macht der neuen digitalen unordnung“ nachgelesen werden.

geschrieben wurde das buch von david weinberger, der in harvard forscht, für woody allen schreibt und in zeitschriften wie „wired“ veröffentlicht.

im buch betrachtet er die ordnungssysteme unserer heutigen bibliotheken oder anderer sortierfolgen (wie zum beispiel bei den chemischen elementen das periodensystem). er zeigt ihre vorzüge auf, als sie erfunden wurden. schildert aber gleichzeitig ihre beschränktheit bei der heutigen informationsflut. die folge muss sein, dass wir neu ordnen müssen, um in dem chaos fündig zu werden. wie das aussehen kann und wieweit es unser leben verändern wird, das schildert weinberger in dem buch.

interessante betrachtungen, wenn man sich mit der zukunft des internet beschäftigt und mit der frage wieweit moderne medien unsere gesellschaft verändern werden. erschienen ist das buch 2008 beim carl hanser verlag in münchen. ISBN 978-3-446-41221-7.

david weinberger betreibt eine eigene website, die hier zu finden ist: http://www.evident.com/ . und von dieser seite aus ist sein sehr interessanter blog zum internet und allem drumherum unter dieser adresse zu finden: http://www.hyperorg.com/blogger/ oder folgender blog: http://www.everythingismiscellaneous.com/ – passend zum buch.

kreatives schreiben und wortschöpfungen

sprache scheint dann am lebendigsten, wenn sie worte wählt, die up-to-date sind, wenn sie den zeitgeist in sich aufnimmt. das heißt nicht, dass der klassiker nicht mehr zu verstehen ist, doch gedanklich muss der aktuelle bezug hergestellt werden. dies unterstützt entweder die regie durch ihre inszenierung oder das eigene gedächtnis.

im kreativen schreiben kann es aber noch einen schritt weitergehen, durch die neukombination von bekanntem, von slang oder originalsprache ergeben sich neue worte. sprache ist dann lebendig, wenn sie sich ständig weiterentwickelt, das spiel mit den worten nicht scheut. doch was tun, wenn mir kein neues wort einfällt, der treffende ausdruck sich verflüchtigt hat?

auch hier bietet das internet abhilfe. die universitäre seite „wortwarte“ listet seit dem jahr 2000 neologismen der deutschen sprache auf. so kann der kreativ schreibende auf begriffe, wie:

Bumpernut, die

Fantastrilliarde, die

Goldfarming, das

Losership, das

Mobilsurfstation, die

Mobilweb, das

Powerleveller, der

Schlummergenerator, der

Spekulationsvehikel, das

Vaterschaftsanfechtungsverfahren, das

Vaterschaftsfeststellungsverfahren, das

Videoatlas, der

zurückgreifen. (die begriffe sind übrigens allein von letztem samstag.) er findet sogar den zusammenhang, in dem dieser begriff, dieses wort verwendet wurde.

und der katalog der wortschöpfungen bietet eine riesige spielwiese für schreibanregungen an. was will man mehr? zu finden ist die wortwarte unter: http://www.sfs.uni-tuebingen.de/~lothar/nw/

der bildungsserver – ein pädagogischer knotenpunkt

die pädagogik, und in diesem zusammenhang aktuell die medienpädagogik ist darauf angewiesen ein wissen über die neuesten gesellschaftlichen veränderungen zu haben. denn wie sollte sonst eine angemessene pädagogik entwickelt werden, wenn es diese überhaupt gibt. doch wie kann jeder tätige pädagoge, möglichst unkompliziert an aktuelle entwicklungen und ideen gelangen? er kann nicht jedesmal in die nächste großstadt fahren und die bibliotheken durchforsten. ebensowenig kann er sich jede neuerscheinung auf dem pädagogischen buchmarkt anschaffen.

eine große hilfe stellt in diesem zusammenhang der deutsche bildungsserver dar, der es ermöglicht verschiedene datenbanken, die pädagogische Inhalte anbieten, zu durchforsten. dabei kann man sowohl auf wissenschaftliche diskurse, auf weitere internetressourcen als auch auf buchtipps oder unterrichtsplanungen stoßen. das erleichtert die ausarbeitung einer lehrveranstaltung oder einer fortbildung ungemein. es erleichtert aber auch die suche nach informationen für wissenschaftliche arbeiten.

gut, die schreibpädagogik, als randform der pädagogik bietet nicht allzuviele datensätze, doch immerhin eine ganze menge links und unterrichtskonzepte. also selbst zu diesem thema wird man im bildungsserver fündig. dieser ist wiederum zu finden unter: http://www.bildungsserver.de/

die blogger sind die bibliothekare des web 2.0

jeden tag kommen im internet so viele daten hinzu, dass eine vollständige katalogisierung unmöglich erscheint. sicher, daten werden gespeichert, aber dies verteilt auf der ganzen welt. doch es dauert manchmal nur ein paar stunden und suchmaschinen wie „google“ finden die daten in der gesamten internetspäre wieder. wie ist so etwas möglich? Weiterlesen

der virtuelle zettelkasten von beat döbeli honegger

die virtuelle welt ordnet unser wissen neu. dabei gibt es vorreiter, die seit jahren schon dabei sind, wissen zu vernetzen und anderen zugänglich zu machen. einer der unübersehbaren vorreiter ist beat döbeli honegger.

wer seine homepage besucht findet viel und sollte sich auf das spiel einlassen in die wissenwelt einzutauchen. denn die seite vereint durch links, querverweise und eine vielzahl von cluster „eine literaturliste, ein begriffslexikon, eine personenlexikon, einen fragenkatalog, aussagen, thesen und empfehlungen, eine zitatsammlung und eine linksammlung“, schreibt der macher. und es stimmt.

auf dieser seite kann man stunden verbringen zum thema kommunikation, internet, philosophie und allen damit verbundenen wissenschaften. etliche texte können heruntergeladen werden, auszüge aus büchern gelesen werden und das web durch weitere links entdeckt werden. zu finden ist die beats biblionetz unter: http://beat.doebe.li/bibliothek/

schreibidee (10)

ein blick auf die aktuelle mode zeigt, die großen muster mit kräftigen farben sind wieder im trend. die welt wird bunter und die 70er lassen grüßen. ein schöner anlass für diese schreibaufgabe.

das verfassen farbiger texte kann eine interessante anregung sein. entweder wählen die schreibgruppenteilnehmerInnen ihre lieblingsfarbe aus oder sie ziehen kärtchen auf denen eine farbe notiert ist. anhand der farben werden geschichten, gedichte oder andere texte verfasst. so entstehen fliederfarbene, sonnengelbe, kotzgrüne oder blutrote texte, die anschließend auch in den entsprechenden farben gestaltet werden können.

erweitert könnte die idee noch durch farbmischungen werden. so werden erst einmal zwei texte von jeder teilnehmerin zu den grundfarben blau, gelb und rot verfasst. anschließend wird eine farbe weitergegeben. und aus den zwei texten, den die schreibgruppenteilnehmerInnen dann in den händen halten, wird ein text gemacht. so können violette, orangene oder grüne texte entstehen, aber auch doppelt blaue, gelbe und rote. ganze farbpaletten können herangezogen werden. bei lindgrün würde zum beispiel ein text mit viel gelb, und weniger blau entstehen. also eine bunte schreibangelegenheit. und wer will kann sich noch gedanken zu den großen mustern machen. doch jede schreibgruppe wird sowieso ihr eigenes muster entwickeln.

spritz – ein zeitschriftentipp

viele zeitschriften stellen sich im internet vor. aber selten trifft eine seit jahren die entwicklung so vortrefflich, wie die zeitschrift „spritz – sprache im technischen zeitalter„.

es ist nicht zu leugnen, unsere sprache verändert sich beständig. was sich als erstes ändert ist nicht klar, ob die sprache oder die technischen kommunikationsmittel. schon bevor die e-mail ihren siegeszug antrat, gab es fax, davor telefax, das telegramm (von der wortwahl der sms nicht fremd) oder das telefon.

doch nicht allein damit beschäftigt sich „spritz“. generell geht es um „aneignung von wirklichkeit ist aneignung von sprache“ zum beispiel in der moderne. heute dann postmoderne und post-post-moderne und ihre literatur. dabei bietet jede ausgabe verschiedene schwerpunkte. die texte sind zum großteil leider nicht verfügbar, da die zeitschrift zu bestellen ist. aber etliche texte, vor allen dingen aus der rubrik „auf tritt die poesie“ sind verfügbar. es lohnt sich, einen blick drauf zu werfen. und wer interesse gefunden hat, kann sich die zeitschrift zukommen lassen.

die homepage ist zu finden unter: http://www.spritz.de/index.php

erinnerung an die schreibaufgabe (2)

bis 20ten april besteht noch die möglichkeit einen text, gespickt mit s-t-r-wörtern an mich zu senden. genaueres zur aufgabe findet sich hier: https://schreibschrift.wordpress.com/2008/04/06/schreibaufgabe-2/ . wie das mit den schreibaufgaben im weiteren abläuft und wie man mich erreicht, findet sich auf dieser seite: https://schreibschrift.wordpress.com/schreibaufgaben/ . nur mut, wer lust am schreiben hat. die letztendliche entscheidung, ob euer text öffentlich gemacht werden soll, trefft ihr. freue mich auf eure texte.

handgeschriebene bücher

im mittelalter, vor der erfindung des buchdrucks, waren es vor allen dingen die klöster, die es sich zur aufgabe gemacht haben, bücher zu kopieren, zu vervielfältigen und mit anderen kirchlichen einrichtungen auszutauschen. die erfindung des buchdrucks wurde dann als große gefahr für leib und leben des einfachen bürgers angesehen. konnten sich aufgeschrieben gedanken doch sehr viel schneller verbreiten.

heute kommt eigentlich niemand mehr auf die idee, bücher von hand zu schreiben, zu vervielfältigen. ist es doch am computer möglich die datei, die abgespeichert wurde per mail an alle, die man erreichen möchte, zu versenden. oder den laserdrucker die restliche arbeit übernehmen zu lassen. tagebücher, entwürfe von büchern, assoziationen, die werden oft noch handschriftlich verfasst.

joanne k. rowling hat mehrere bücher nach „harry potter“ von hand geschrieben. die können im internet betrachtet werden. die idee an sich ist eine gegenbewegung zu dem verfielfältigen alles geschriebenen. doch eins sei zu bedenken, wenn man das verfasste weiterreichen möchte: die handschrift sollte leserlich sein. und das fällt sicherlich manchen von uns nicht ganz leicht. und wer schreibt schon in der ersten version druckreif. weitere informationen über die bücher sind hier zu finden: http://www.amazon.co.uk/gp/feature.html/ref=pe_10618691_txt_3/?docId=1000137983

schreibtechnik (3)

in den fluss des schreibens zu kommen, kann das schwierigste an manchen tagen sein. freewriting erscheint unvorstellbar, da die ideen fehlen, über die man schreiben könnte. in solchen momenten kann ein zaghafter hinweis auf den möglichen beginn einer geschichte, eines gedichts, als sehr hilfreich empfunden werden. wenn da nur der satz steht: „und als er sich nach ihr umdrehte, war sie plötzlich verschwunden, aber das gelbe auto stand immer noch da.“

so oder ähnlich können hilfreiche startsätze lauten, die es einem für einen kurzen zeitraum ermöglichen an das geschriebene anzuknüpfen. das ist auch das ziel der schreibtechnik, die hier vorgestellt werden soll. um wieder in das schreiben zu finden, kann es hilfreich sein, die ersten sätze der romane, die im eigenen bücherregal stehen, zu notieren, und an ihnen weiterzuschreiben. oder den fernseher einschalten und den nächstbesten satz, der in einem spielfilm gesprochen wird, zum schreiben eines dialogs heranziehen.

auch eine halbe kurzgeschichte, legen sie einfach den anfang auf den kopierer, lesen sie sich die erste hälfte durch und schreiben sie weiter, kann ein einstieg sein. wenn sie mit der geschichte fertig sind, ist ein vergleich mit dem werk möglich.

dieser vorschlag bedeutet noch nicht zu einer eigenen geschichte zu gelangen, er fördert aber die möglichkeit, sich im schreiben zu üben und auf einfache art und weise die schreibblockade zu überwinden. das sind auf alle fälle zwei schritte, die oft nötiger sind, als erwünscht. also, vollenden sie alles, was ihnen unter die augen kommt, zeitungsartikel, werbesprüche, postwurfsendungen, geschäftsbriefe, lexikoneinträge oder doktorarbeiten.

„erinnerungsbücher“ für sogenannte „aids-waisen“

in der neuen ausgabe von „geo“ erscheint eine reportage über das schreiben von erinnerungsbüchern (memory-books) von hiv-positiven eltern für ihre kinder in afrika (http://www.geo.de). mit diesen büchern versuchen die eltern ihren kindern die geschichte der eigenen familie, eine erinnerung an ihre eltern und traditionen zu vermitteln.

die bücher werden sehr verschieden gestaltet, auch die inhalte sind unterschiedlich und individuell. das schreiben der erinnerungsbücher wird von verschiedenen hilfsorganisationen organisiert und schreibgruppen werden dazu angeleitet. wie bei uns auch, werden in afrika familiengeschichten und traditionen eigentlich mündlich überliefert, oft nicht niedergeschrieben. da die eltern leider oft sterben, während die kinder noch sehr klein sind, gehen dies überlieferungen ganzer generationen verloren. um wenigstens ein paar erinnerungen zu erhalten, werden diese bücher geschrieben.

es ist sicher eine möglichkeit für die eltern sich auch noch einmal mit ihrer erkrankung auseinanderzusetzen. auf der anderen seite ist diese form des verfassens der lebensgeschichte auch der entsetzlichen tatsache geschuldet, dass die medizinische versorgung der hiv-positiven in afrika weiterhin schlecht ist. die welt schaut zu, wie ganze generationen eines kontinents verschwinden.

mehr informationen zu den memory-books und ein reader zum anleiten einer erinnerungsbücher-schreibgruppe findet sich hier (in englisch): http://www.healthlink.org.uk/projects/hiv/imp.html

schreibpädagogik und lernen

pädagogik taucht als begriff auf, wenn es ums lernen, lehren oder etwas beibringen geht. oft hat pädagogik heute einen nicht so angenehmen beigeschmack und löst bei vielen menschen, die schule und ausbildung hinter sich haben, einen fluchtreflex aus. auch der begriff an den hochschulen, „erziehungswissenschaft“ ist nicht positiver besetzt. wer möchte noch im alter erzogen werden. dabei basieren die reaktionen auf einer fehlannahme vieler pädagogen.
Weiterlesen

lettre international – ein zeitschriftentipp

es gibt einen trend, der sich inzwischen in allen medien breit macht. die verdichtung. damit ist nicht die lyrische form gemeint, die aus einem längeren text einen intensiven vers entstehen lässt. bei den aktuellen verdichtungen handelt es sich eher um verkürzungen.

in zeitungen, in radiosendungen oder im fernsehen gibt es meist nur kurze beiträge. der nutzer habe ein recht auf kurze, knappe information in der schnelllebigen zeit heute lautet meist die begründung dafür. dabei wird verschwiegen, dass die produktion kurzer beiträge im journalismus eine preiswertere ist. das unangenehme an dieser häppchenkultur scheint der schnellen kommunikation geschuldet zu sein.

auf der anderen seite bemerken die sender aber, dass sie hohe einschaltquoten mit dokumentationen erreichen, dass die zeitungen, die eine ausführliche berichterstattung anbieten, hohe auflagen erreichen können.
eine zeitschrift, die sich für ihre themen zeit lässt, besser geschrieben, raum nimmt, ist lettre international. allein ihr format deutet darauf hin. jeder kioskbesitzer muss an ihr verzweifeln, hat sie doch die gleiche größe, wie die neuen kompakten tageszeitungen, das tabloid-format. im gegensatz dazu füllt sie ihre seiten aber zweispaltig mit eng gesetzten texten, die sich über drei bis acht seiten erstrecken können.

bestimmend sind essays, ausführliche reportagen oder gedankenspiele. unterbrochen von malerei, natürlich auch werbung und manches mal gedichten. jede ausgabe versammelt journalisten, schriftsteller und autoren aus den verschiedensten ländern der welt. viel text kostet auch ein wenig mehr. doch ein blick in diese zeitschrift, die dem trend zuwider läuft, lohnt sich allemal. mehr information findet sich hier: http://www.lettre.de/

schreibidee (9)

fünf oder vier sinne im raum. in jedem raum, an jedem ort, egal wo die schreibgruppe sich befindet, dort sind schreibanreize zu finden. sie müssen nur notiert werden.
bei dieser schreibidee sollten die teilnehmerInnen durch den raum laufen (durch das haus, über den platz, durch die wohnung…) und eindrücke sammeln. die eindrücke orientieren sich an den sinnen.

zu jedem sinn werden zwei begriffe notiert. also, was kann die schreibgruppe an diesem ort hören, sehen, fühlen (ertasten) und riechen. bis jetzt fehlt der fünfte sinn, da nicht an jedem ort etwas zu schmecken ist. hier besteht spielraum. entweder dürfen die begriffe auf zehn insgesamt aufgestockt werden. oder die teilnehmerInnen fantasieren, welche geschmacklichen sensationen zu dem raum passen könnten. oder sie überlegen, was sie in diesem moment gern essen würden.

diese übung lässt sich also in jedem raum durchführen. sind am schluss zehn begriffe, worte oder beschreibungen zusammen gekommen, ist daraus eine geschichte, ein gedicht, ein haiku zu verfassen. eine wahrlich raumgreifende schreibidee 😛

wissenschaftliche online-zeitungen

neben informativen blogs, homepages von wissenschaftlichen instituten oder einzelnen wissenschaftlerInnen und einer großen bandbreite von lexika bietet das internet noch eine weitere reichhaltige informationsquelle. die online-zeitungen.

sie werden meist von einem institut, einem verbund von wissenschaftlern oder einer autorengruppe herausgegeben. sie bieten gebündelt wissenschaftliche artikel zu einem schwerpunktthema. dabei bewegen sie sich auf dem niveau des aktuellen wissenschaftlichen stand.

so gibt es eine schöne sammlung von sozial-, geistes- und erziehungswissenschaftlichen zeitungen, die sich schwerpunktmäßig auch mit dem internet und computern beschäftigen. die sammlung mit vielen links ist zu finden unter: http://wiki.pruefung.net/Wiki/OnlineZeitschriften

leider sind diese formen des fachlichen austauschs immer noch üblich. würde sich doch eine viel größere vernetzung des wissenschaftlichen arbeitens erreichen lassen. hier spaltet sich, vor allen dingen in deutschland, noch die gesellschaft, in die gruppe derer, die viel über das internet kommunizieren und die, die sich nicht auf den neuesten technischen stand bringen wollen, da sie vorbehalte hegen. im laufe der zeit könnte dies zu einem generationsproblem in der wissenschaftlichen welt werden, wird bei der jüngeren generation die bereitschaft, sich artikel in der bibliothek zu kopieren, abnehmen.