politisches schreiben

 

heute ist einer dieser tage, die eine politische bedeutung haben. als „tag der arbeit“, soll er an die erkämpfung der rechte der arbeitnehmer erinnern. dass dies inzwischen ein wenig altbacken wirkt, da sich auf der einen seite arbeitnehmer wieder kapitalistischen goldgräberstimmungen gegenüber sehen und auf der anderen seite die gewerkschaften meist kein interesse mehr an polarisierungen haben, aus angst die mitglieder könnten ihnen weglaufen. mancher arbeitnehmer glaubt sogar, ohne organisation und vertretung besser dazustehen. das hat sich in etlichen berufszweigen inzwischen gerächt.

abseits davon bebten manche europäischen gesellschaften vor exakt 40 jahren. vor allen dingen der mai 1968 spielte in frankreich eine große rolle, bis zum generalstreik und neuwahlen, die in den augen vieler leider nicht das ergebnis erbrachten, das sie sich erwünschten.

also der richtige zeitpunkt, sich einmal gedanken über das politische schreiben zu machen. gibt es denn überhaupt politische literatur? wahrscheinlich gibt es politische texte und bücher (manifeste, politologisches, pamphlete und flugblätter) und bedingt politische poesie.

denn eigentlich ist jede veröffentlichung politisch, denn sie beinhaltet eine aussage. diese kann lauten, eigentlich ist alles ein kitschiger liebesroman oder auch, alle menschen sind unterdrückt und unterdrücken sich gegenseitig. aber eine unpolitische literatur ist eigentlich nicht vorstellbar. basieren doch die meisten romane und erzählungen auf gemachten beobachtungen, selbst-erfahrungen oder überlieferungen. sie alle bilden ein soziales gefüge ab, ob real oder fiktion.

so wird es schwer sein, auch bei fiktionen, keinen aussagegehalt zu finden. wahrscheinlich sollte anders gefragt werden: gibt es einen literatur, die offensichtlich politisch ist? manches biografische werk bezieht klare position. auch mancher roman entfernt sich heute wieder mehr von der postmodernen beliebigkeit, die ja alles gelten ließ und teilweise ihre gnadenlose langeweile, wenn dann alles so unpointiert nebeneinander steht, beschrieb.

der sozialneid wächst. zum einen findet der schlagabtausch auf der boulevardesken ebene statt, wenn alle sich über die heuschrecken und steuerhinterzieher echauffieren und gleichzeitig versuchen, auch ihre schäfchen ins trockene zu bekommen. zum anderen wird wieder der analytische weg gewählt, wenn thematisiert werden darf, dass der kapitalismus und die globalisierung nicht jedem auf der welt lebenden menschen zuträglich sind. mag der ostblock verschwunden sein, die lebenssituation vieler menschen sieht weiterhin katastrophal aus und der klimawandel drückt nur aus, was der mensch seiner umwelt, wenn er sie aus seinen quartalszahlen rausrechnet, antut. und damit sich selbst.

weiterhin lästig gebärdet sich die aufforderung umdenken zu müssen, aber den schritt, das dahinter existierende system möglichst nicht zu kritisieren.

und hier tut sich die literatur auch weiterhin schwer. sie richtet den fokus gern auf persönliche schicksale, auf verstrickungen und verwerfungen. doch ein neuer brecht ist weit und breit nicht in sicht. das denken von utopien erweist sich weiterhin nicht als chic, diese aufgabe wird den naturwissenschaften überlassen. ist man sich doch einig, dass literatur nicht allzuviel ausrichten kann. seltsam, dass man im gleichen moment so viel darüber diskutiert, was geschriebene blogs ausrichten können. liegt die zukunft der welt im journalismus, egal ob von professionellen oder von laien verfasst? der politischen literatur wäre mehr mut zu wünschen.

 

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