kreatives schreiben und subjektivität

 

hier an diesem ort wurde schon konstatiert, dass das biografische schreiben und eigentlich das schreiben an sich ohne subjektiven anteil nicht funktionieren kann. doch sieht das beim kreativen schreiben auch so aus?

kreatives schreiben ohne subjektivität wäre wie atmen ohne luft. subjektive erfahrungen bilden bei der ideenfindung und deren ausformulierung immer die grundlage. natürlich können autorInnen bis zu einem gewissen punkt in den hintergrund treten und den protagonisten ihrer geschichten viel raum geben. doch auch die entwicklung der figuren ist nicht zu trennen von der eigenen weltsicht. ich kann diese weltsicht immer erweitern, also dazulernen und umdenken, aber ich bin als mensch jedesmal beteiligt.

nicht selten wird der versuch unternommen, sich vom geschriebenen zu distanzieren, um auch die kritik daran auf distanz zu halten. das wird scheitern. was nicht scheitern muss, ist die vorstellung zu entwickeln, dass kritik an meinen texten und ideen nicht gleichbedeutend ist mit einer kritik an meiner person. sicherlich, wenn ich mich gesellschaftspolitisch äußere und ein menschenbild verbreite, das viel kritik auslöst, wäre es an der zeit, sich gedanken zu machen, dass die eigene subjektive haltung anlass zur kritik gibt. dann hat es mit meiner person zu tun. wenn aber meine kreativität zu debatte steht, dann geht es nur darum, dieses mal eben nicht so einen tolle idee gehabt zu haben.

beliebt in der heutigen zeit, ist das deuten. wer so oder so einen text schreibt, der muss auch so oder so sein. das würde aber allen kriminalautorInnen oder horrorgeschichtenschreiberInnen eine schwarze seele andichten und ihre kreativität in frage stellen.

ebenso problematisch scheint die gesellschaftliche eigenschaft, gerne menschen, die sich öffentlich äußern, abzusprechen, dass sie umdenken können. einmal etwas gesagt, ist die schublade geöffnet, wird geschlossen und kann kaum mehr verlassen werden. das ist der versuch von außen das scheinbare chaos der vielfalt in den griff zu bekommen. ich erinnere mich in diesem moment immer gern an einen meiner dozenten der psychologie, der betonte, dass er als freies subjekt morgen die gegenteilige position zu der heute geäußerten einnehmen könne, denn er können umdenken und dazulernen. auch wenn es vielen schwer fällt dies zu akzeptieren, ist es eigentlich ein schöner ausdruck der fähigkeit des menschen, nicht mehr trieben zu unterliegen, sondern reflektieren zu können. so ist es meine subjektive freiheit alles was in meinem kopf rumschwirrt beim kreativen schreiben voll auszuschöpfen. eigentlich eine tolle sache!

 

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