schreibaufgabe (3) – ergebnis

feuerwehrfrühling in berlin

 

kaum kitzeln die sonnenstrahlen die ersten blüten und blätter hervor ist in manchen hinterhöfen folgendes zu hören:

„hey, martin, einsaaaaaatz!!!!“ unterbrochen von der lautsprecherdurchsage „mahlzeit!!!“. das paradies für wahre männer hat wieder seine pforten geöffnet.

sie sehnte sich so nach seinen berührungen, den ganzen langen, kalten winter musste sie darben, kaum eine chance gestreichelt und gebadet zu werden. einsam stand sie im hof herum, und keine kräftige männerhand widmete sich ihr zärtlich. sie dürstete, als die tage länger wurden, nach ihm, nach ein wenig politur, nach neuen reifen, ein saugen mit dem lauten rüsseltier, einfach nach zuwendung.

und jetzt ist es wieder soweit, wie eine knospe nach der anderen aufplatzt, spuckt die feuerwache ihre beamten aus, die so lang darauf gewartet haben, der karosserie das zu geben, was sie immer von ihnen verlangte, damit sie glänzen und strahlen kann, in ihrem fünften frühling.

die stadt ist schmutzig, sie ist dreckig und hat kein verständnis für den glanz eines autos. ein wenig makeup, ein wenig politur, und kein mensch sieht mehr, wie sehr der winter das gefährt in mitleidenschaft gezogen hat.

wenn der saft in den bäumen steigt, dann wird der feuerwehrmann ungezügelt, nichts hält ihn mehr, am frühen morgen das gaspedal seiner liebsten einmal richtig durchzudrücken. der jäger geht auf die jagd, mit ps und quietschenden reifen. irgendwo muss sie doch sitzen, die feuerwehrfrau, die schon lange auf den ganzen kerl gewartet hat, der ein gespür für das feine tuning des motorrads oder die farbnuancen des autolacks übrig hat.

doch bevor sie sich mit seinem leiterwagen hoch- und runterfahren lässt, ist er in der großstadtwüste erst einmal auf sich allein gestellt. gut, er bekommt geld für das warten auf den einsatz, bei dem er zeigen kann, was in ihm steckt, aber was mit der zeit dazwischen anfangen? der acker ist nicht mehr zu bestellen, der kampf gegen raubritter und wilde tiere ist gewonnen. auf die jagd gehen wird in der großstadt schwierig, zeigen sich doch wildschweine und füchse nur des nachts. aber ein feuer lässt sich legen. ein feuer, das dem rohen fleisch den gar ausmacht.

so steigen wochenende für wochenende zwischen den häusern der metropole kleine rauchzeichen in die luft, die davon künden, hier versammeln sich männer um ihre feuerstellen, sie feiern das gemeinsame mahl, das sie aus von anderen männern erlegten tieren bereitet haben. sie tauschen sich aus über die besten strategien eine feuerwehrfrau zu jagen. sie vergleichen ihre karosserien und sprechen bewunderung für das gefährt des anderen aus. und sie bekommen anerkennung dafür. die anderen bewohner des häusermeers danken ihnen ihre unerschrockene männlichkeit mit einem ordentlichen salär. um noch größere karosserien erstehen zu können, um das wasser für die wöchentliche autowäsche entrichten zu können, um die feuerstellen weiter anheizen zu können und um die teure feuerkraft für ihre gefährte finanzieren zu können.

wie gut, dass die kalte zeit, als man sich in die unwirtliche hütte zurück ziehen musste vorüber ist. es wirkte so feige, sich in der höhle aufzuhalten und die öffentlichkeit nicht an der eigenen männlichkeit teilhaben lassen zu können. doch jetzt, jetzt wird alles nachgeholt, was so lange ruhen musste. es ist ein einziges streicheln, waschen, feuern und braten. und alle drumherum werden neben dem vogelgezwitscher gewahr: es ist wieder frühling geworden. die plätze werden besetzt von den männern, die nicht wissen wohin mit ihrer kraft. der rest hat zu weichen, zu ertragen, ist zu schwach um den kampf mit den widrigkeiten des lebens zu bestehen, kann wahrscheinlich noch nicht einmal ein feuer entfachen.

und dann der undank der frauen, der anderen männer, die sich gegen den gestank, den lärm, das balzen wehren. sollen sie doch einmal den feuerdrachen bekämpfen, sollen sie doch mal das rohe fleisch garen.

unterbrochen wird dieses idyll ab und zu durch ein piepen, das sich abseits des vogelgezwitschers bemerkbar macht. es mahnt zum einsatz. es mahnt, dass der harmonische ort hinter mauern, zäunen und sichtblenden verlassen werden muss. widerwillig bewegt der feuerwehrmann sich zu seinem großen roten gefährt, setzt sich hinein, gepanzert durch eine dicke schale, abgeschirmt, hinaus in die eklige welt, die ihn zur arbeit zwingt. ein glück, dass dies nur ab und zu geschieht. und wenn er wieder in seine festung zurückgekehrt ist, dann sitzt er bis tief in die nacht im hinterhofe und berichtet sich mit seinen kameraden, wie der letzte kampf gegen den feuerdrachen ausging. und er merkt, hier würden nur frauen und kinder stören. hier ist mann unter sich, und keiner kann diesen hort der frühlingsglückseligkeit stören.

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