web 2.0, exhibitionismus und voyeurismus

 

es kann einem passieren, dass man sich auf eine party unter freunden begibt, sich wunderbar amüsiert, tanzt, trinkt und flirtet. und drei tage später findet man sein bild unter flickr oder myspace wieder. man hat dieser veröffentlichung nicht zugestimmt. spricht man den freund an, der die bilder ins web 2.0 gestellt hat und bittet ihn, diese wieder zu löschen, ist er ganz erstaunt.

ein diskurs entspinnt sich, der sich darum dreht, ob man denn etwas zu verbergen habe oder weshalb man nicht bei den bildern dieser schönen party dabeisein wolle. andere aus dem freundeskreis sind empört darüber, warum man sich nicht mit ihnen abbilden lassen wolle. wenn man versuchtheit mit privatheit oder datenschutz zu argumentieren, wird man ungläubig angeschaut. und man stellt fest, es gibt kaum mehr verständnis für das eigene verhalten.

die vorstellung, was öffentlich zu machen ist und was nicht, hat sich in den letzten jahren enorm gewandelt. einher ging die entwicklung mit dem vertrieb der kamerahandys, die dazu animierten, alles, was einem nur über den weg läuft, festzuhalten. internetanbieter mit millionen kunden suggerieren, dass man seine private ecke im internet erhalten kann. dass dies eine seltsame vorstellung von privatheit ist, wird kaum thematisiert.

menschen stellen sich vermehrt mit all ihrem privaten umfeld zur schau, ob mit oder ohne zustimmung der anderen. dabei entsteht eine form von übergriffigkeit, die als solche gar nicht mehr wahrgenommen wird. machen doch alle, wieso sollte man dann selber vorsicht walten lassen. das ist noch die naive variante. ätzender wird das ganze, wenn angefangen wird, mit handykameras an stränden, in umkleideräumen und ähnlichen orten, bilder von anderen ohne deren wissen zu machen. diese fotos werden dann auf erotikseiten gestellt, die die abgebildeten wahrscheinlich nie aufsuchen. somit auch überhaupt nicht mitbekommen, dass sie abgebildet wurden.

oder wenn auf youtube jugendliche, aber auch erwachsene, filme stellen, die zeigen, wie sie andere menschen, geärgert, geschlagen oder bloßgestellt haben. ist ja alles nur ein großer scherz. in solchen momenten kommen gedanken auf, dass die distanz zu den gladiatorenkämpfen der römer nicht mehr sehr groß ist. eine riesige arena, in deren mitte menschen gestellt werden, die nicht wissen, weshalb sie dort stehen, und deren missgeschicke anderen zur unterhaltung dienen. hier verschwimmen die grenzen zwischen voyeurismus und machtspielen.

vorreiter für diese grenzüberschreitungen sind sicherlich tv-angebote wie früher „pleiten, pech und pannen“ oder heute „deutschland sucht den superstar“, hier vermischt sich die naivität, sich präsentieren zu wollen und die grenzüberschreitung, diese zur unterhaltung aller bloßzustellen. erschreckend daran ist nicht, dass es diese medialen übergriffe gibt, sondern, dass sie nicht mehr als solche wahrgenommen werden. sie sind für etliche menschen alltag.

 

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