biografisches schreiben und politische bewegungen

 

es sei erlaubt noch einmal einen blick auf das jubiläum der 68er zu werfen. zur zeit quellen aus allen ecken und winkeln betrachtungen zu den studentenrevolten in den verschiedenen ländern. da wird analysiert, bewertet und es werden schlussfolgerungen gezogen. wie war das damals? was hat es bewirkt? doch selten wird berichtet, wie es von einzelnen erlebt wurde, was sie dazu gebracht hat, an der bewegung teilzunehmen. die berichte erscheinen häufig distanziert und teilweise sogar sediert.

dies ist auch bei anderen rückbesinnungen auf das bisher erlebte in anderen politischen zusammenhängen der fall. manch einer belächelt seinen früheren idealismus, der andere hat seine nische gefunden und äußert von dort aus, wie schlimm doch alles geworden ist und weitere haben politische karriere gemacht und lassen inzwischen ihre biografien schreiben.

einig sind sich viele im rückblick auf ihre lebensgeschichte, dass ihr engagement ihr gesamtes leben verändert hat. heute wird dieses engagement oft genug kanalisiert ins „bürgerschaftliche engagement“ und verstaatlicht. da wünscht sich die leicht aufbegehrende, mit bierflaschen in der hand über straßen marodierende, jüngere generation, dass mehr klartext gesprochen wird. die versuche, auch bei der rückbetrachtung des gewesenen ausgewogen über den eigenen lebensweg zu berichten, hinterlassen bei vielen jungen menschen den eindruck, alles war schon einmal da. es hat ein wenig verändert, aber so richtig was gebracht hat es nicht.

doch wie sollen jüngere da noch eigene positionen finden, wenn nicht in der abgrenzung und neuformulierung eigener thesen von den positionen älterer. dazu müssten sich aber die älteren in ihren biografien und lebensgeschichten klarer positionieren. das fällt vielen schwer. ein zeitzeugenprogramm mit biografischem schreiben über die bürgerrechtsbewegungen verschiedener generationen könnte eine interessante alternative zu den organisierten politdiskursen und rhetorikwettbewerben für jugendliche und junge erwachsene sein. denn nur so gewinnt man ein interesse an der bewahrung der demokratischen rechte zurück. ich wünsche mir die emotionale ausformulierung von engagierten lebensgeschichten und etwas weniger zurückhaltung.

 

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