schreibpädagogik und lernen

 

die pädagogik an sich, oder wie manche sagen, die erziehungswissenschaften, setzt sich viel mit der frage auseinander, wie man wissen am besten vermitteln kann, so dass es beim lernenden auch einen effekt erzielt. um dies zu überprüfen, werden dann gern erfolgskontrollen angewendet, also prüfungen durchgeführt, tests gemacht oder wissenschaftliche arbeiten verlangt.

seltsamerweise werden die lernenden selten gefragt, was sie sich denn von der lehrveranstaltung erwartet haben und ob ihre bedürfnisse befriedigt wurden.

die schreibpädagogik, so sie denn irgendwie eine richtung der pädagogik ist, hat meist den vorteil, dass sie menschen etwas vermittelt, die etwas vermittelt bekommen wollen. bei der schule kann davon nicht immer die rede sein. das hat den großen vorteil, dass ich schon einmal eines in einer schreibpädagogischen veranstaltung voraussetzen kann, die teilnehmerInnen wollen irgendetwas zum thema schreiben lernen. doch dann ist mit den gemeinsamkeiten schon oft schluss.

die modernen pädagogInnen, aber eigentlich schon generationen von pädagogInnen, haben sich gedanken gemacht, wie sie das vermitteln können, was sie selber für wichtig halten, was in lehrplänen steht oder was man als kanon bezeichnet. an diesem punkt knackt es meist schon bei den lernenden, denn sie können nicht beeinflussen, was ihnen letztendlich beigebracht wird. es wird oft auch angenommen, dass sie dies gar nicht sagen können. also greift man heute gern zur erlebnispädagogik, macht einen auf entertainment, um möglichst viel von dem, was die lernenden hinterher wissen sollten, unterhalten aufzubereiten.

es steckt dabei der gedanke dahinter, dass lernende zum lernen motiviert werden müssen. welch großer irrtum. die lernenden wollen meist etwas lernen, denn um es einmal kritisch psychologisch auszusprechen, sie wollen die verfügungsmöglichkeiten über ihre lebensbedingungen erweitern. soll heißen, sie möchten mehr mit dem, was sich leben nennt, für sich selber anfangen können. so kommen viele motivationsspielchen oder unterhaltenden einlagen eher negativ an (wie gesagt, ich schreibe hier nicht über die schule, da sich dort viele menschen gezwungenermaßen befinden, sie könnten sich die gestaltung ihres alltags auch anders vorstellen). doch die freiwillig lernenden fühlen sich nicht selten behandelt wie kleine kinder, wenn sie von erlebnispädagogischen einlagen eingelullt werden sollen. nur die, die nicht so genau wissen, weshalb sie diese lehrveranstaltung besuchen, freuen sich über die anregende abwechslung.

warum kommt so selten jemand auf die idee, die lernenden vorab zu fragen, was sie eigentlich lernen wollen. das kann man je nach veranstaltung tage oder wochen vorher machen und hat dann als lehrender auch eine vorstellung davon, auf was man sich vermehrt vorbereiten kann. und wird vor allen dingen feststellen, dass die menschen sehr motiviert sind, sich viele gedanken gemacht haben und die erfolgskontrolle zum gelernten sowieso für sich selber durchführen. denn lassen sich ihre handlungsmöglichkeiten nach dem lernen nicht erweitern, haben sie vielleicht das falsche gelernt.

übrigens lässt sich solch eine befragung vorab, gerade bei schreibpädagogischen veranstaltungen gut schriftlich vorher machen. und es wird keiner der lernenden übel nehmen, wenn man ihnen aufzeigt, wie denn der wissenkanon aussieht, und es ihre entscheidung ist, ob sie ihn kennenlernen wollen.

tja, menschen werden so  oft unterschätzt, vor allen dingen von der pädagogik. übrigens ist die aktivierung von ressourcen auch nichts anderes als eine motivationstechnik, in dem glauben zu wissen, dass es den lernenden gut tue. doch das kann ich nie wissen.

 

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