biografisches schreiben und traumata

in den letzten jahren, ja inzwischen schon jahrzehnten, bekamen das aufarbeiten der eigenen lebensgeschichte, das biografische schreiben eine große bedeutung. das hatte ursächlich mit der deutschen geschichte zu tun.

die generation derjenigen, die den krieg als kinder und jugendliche erlebt haben, wurden im laufe der jahre verrentet und kamen zur ruhe. waren sie doch sehr daran beteiligt, den wiederaufbau zu bewerkstelligen und die wirtschaft auf vordermann zu bringen. es war für viele keine zeit da, darüber nachzudenken, was eigentlich im krieg geschehen war, was ihre eltern oder sie selbst im nationalsozialismus gemacht hatten, wofür sie sich eingesetzt hatten und vor allen dingen, was sie selber in dieser zeit erlebt hatten. und das war oft genug traumatisch.

das gemeine an traumata ist, sie machen sich gerne dann bemerkbar, wenn man zur ruhe kommt. also führte die verrentung bei der kriegskindergeneration zu zweierlei reaktionen. die einen, die nicht zu ruhe kommen und weiter arbeiten, agieren und organisieren. und die anderen, die feststellten, dass es ihnen nicht so gut geht, wenn sie zur ruhe kommen. doch da diese generation meist gelernt hat, nicht groß darüber nachzudenken, wenn es ihr nicht so gut geht, brauchte es mancher anstösse durch beraterInnen oder therapeutInnen, sich einmal mit seiner vergangenheit auseinanderzusetzen.

und hier bietet das biografische schreiben eine gute möglichkeit, sich mit der vergangenheit auseinanderzusetzen. hat schreiben doch häufig den effekt, dass während des schreibprozesses manche weiteren erinnerungen geweckt werden. das war für viele teilnehmerInnen quälend, doch um erlebtes wirklich zu verarbeiten, ist es manchmal notwendig, sich an alles zu erinnern und es ansatzweise in gedanken noch einmal zu durchleben. so bildeten sich gruppen, die gemeinsam in ihren erinnerungen nach erlebtem suchten. manche menschen arbeiteten lieber alleine zuhause ihre lebensgeschichte auf. allen gemeinsam ist, dass sie plötzlich eine erklärung dafür fanden, weshalb es ihnen so schlecht geht, obwohl sie nun zeit hätten, es sich gut gehen zu lassen. und es hat zur konsequenz, dass immer mehr schriftliche zeugnisse entstanden, aus der zeit im krieg, die anderen zur verfügung gestellt wurden, eine menge zeitzeugenberichte.

so wie der kriegskindergeneration kann auch anderen traumatisierten menschen das schreiben eine stütze sein.

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