web 2.0 und sucht

 

es geistert immer wieder durch die medien, auch durch das internet, dass kinder und jugendliche zu viel vor dem computer sitzen und neben den videospielen, generell internetsüchtig werden. doch auch erwachsene soll diese abhängigkeit inzwischen erfasst haben. anzeichen dieser sucht sind müdigkeit, unkonzentriertheit und soziale vereinsamung. und das muss behandelt werden.

schaut man genau hin, dann verbringen die meisten menschen auch heute noch viel mehr zeit vor dem fernseher. doch das wird nicht mehr thematisiert. hier war vor jahrzehnten die warnung, dass es aufgabe von erwachsenen sein, darüber zu wachen, wie oft ihre kinder fernsehen schauen. meinereiner wiederum erinnert sich an jahre in der jugend, als sich meine eltern sorgen machten, ob ich nicht ein wenig sonderbar würde, vielleicht bin ich es ja auch, weil ich mich tage um tage auf mein sofa legte und bücher las. dies auch nachts. ich war sicherlich an etlichen tagen übermüdet, unkonzentriert und konnte von dem spannenden buch nicht lassen.

was ist mit menschen, die tag für tag sich ausschließlich mit fussball beschäftigen, ihre gedanken nur um das eine thema kreisen und sie auch mit anderen menschen nichts anderes kommunizieren, außer dem abschneiden der mannschaft. solch eine zeit wird in ein paar wochen wieder der fall sein. und des ist sicherlich nicht davon die rede, dass es sich um lauter süchtige handelt, die sich einer behandlung unterziehen sollten.

man kann von allem süchtig werden. so auch von dem internet. doch die thematisierung findet immer nur unter dem label statt, dass das internet oder das web 2.0 das süchtigmachende sei. meiner ansicht nach ein großer trugschluss. meist hat bei den menschen der soziale rückzug vorher stattgefunden und eine der möglichkeiten sich zu beschäftigen, besteht im internet oder im gebrauch anderer medien. sicherlich, das internet kann eine sogwirkung haben, es bietet mir sowohl sozialen austausch, wenn auch nur virtuell. es bietet mir spiel und es bietet mir die möglichkeit eine andere identität anzunehmen, als ich sie vorher hatte. inzwischen rückt man ein wenig davon ab, zu behaupten, damit löse man sich aus allen sozialen zusammenhängen, die existierten und versinke in einer imaginären welt. zeigt sich doch, dass das internet auch dazu dienen kann, überhaupt soziale kompetenzen zu erlernen, denen man im alltag noch nicht ausgesetzt war. so ist es nicht zu leugnen, wie viel im netz kommuniziert wird. so kann auch das einnehmen einer neuen rolle mir die vor- und nachteile der anderen rolle vermitteln.

das alles soll nicht heißen, dass man sich nicht um die menschen kümmern solle, die das gefühl haben, sie würden nichts anderes mehr machen, als vor dem bildschirm zu sitzen, doch man sollte vorsichtig sein mit der tatsache, gleich eine sucht zu diagnostizieren und man sollte vor allen dingen den blickwinkel verändern, denn das internet ist nur ein werkzeug, zum stoff wird es durch andere voraussetzungen.

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s