kreatives schreiben und dialekt

 

auch wenn der autor dieser zeilen nicht viel von diesem identitätsgerede und vom heimatgedöns hält, so hat er doch eine vorliebe für regional gebundene sprache. texte, die versuchen den dialekt mit einzubeziehen bekommen schnell eine sehr menschliche komponente. denn wer spricht schon schriftsprache, hochdeutsch und drückt sich immer gewählt aus. niemand vollständig. und auch wenn mancher dialekt eher den eindruck macht, dass es sich um einen sprachfehler handle, kommt er meist sehr lebhaft daher.

so ist es zu wünschen, dass beim kreativen schreiben ein wenig öfter das „dialektische“ einzug hält. leider ist die gesprochene sprache teilweise schwer zu verschriftlichen. vieles müsste in lautsprache geschrieben werden. so erhielte das sächsische unglaublich viele „g“s, „d“s und „b“s. oder das schwäbische mit seinen „sch“s und vor allen dingen stark variierenden „ä“s, „a“s und „å“s.

das schöne an vielen dialekten ist aber neben der aussprache, den wortschöpfungen und der veränderten grammatik, vor allen dingen die lebhaftigkeit und direktheit im umgang miteinander. man kann es schon beinahe als deftig bezeichnen, was „dess gebabbel von der strahss“ so bietet. und es könnte dem geschriebenen in schreibgruppen manchmal einen teil seiner schwere nehmen. nicht dass dies immer wünschenswert ist, doch der austausch über die heimatlichen gepflogenheiten der sprache verwandelt manches kreative schreiben schon beinahe in ein biografisches schreiben. erinnern sie sich noch an die serie „heimat“ von edgar reitz, die in dem dörfchen schabbach auf dem hunsrück spielte. ohne den dialekt hätte sie nie so glaubwürdig gewirkt, wie es dann war.

denn so eindeutig, wie es uns die rechtschreibreform und manche diskussionen machen wollen, ist das gerede nicht. sicher, es braucht die konventionen der sprache, wie sollten wir uns sonst miteinander verständigen, aber es braucht auch ein wenig eigenwilligkeit, um nicht alles bürokratisch erscheinen zu lassen. obwohl die sprache der bürokraten auch ein dialekt sein kann, den nur der versteht, der in öffentlichen institutionen arbeitet.

 

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