biografisches schreiben und selbstwert

 

viele menschen zweifeln lieber an sich selber und ihrem verhalten, denn an den anderen oder den bedingungen. das ist erst einmal nicht negativ, da es auch eine grundlage des sozialverhaltens darstellt. hinterfragbarkeit ist eine der wichtigsten voraussetzungen für lernprozesse.

beim verfassen der eigenen lebensgeschichte oder biografie sollte diese vorstellung aber einmal in den hintergrund treten. denn ich schreibe meine eigene biografie und ich kann sie auch nur beurteilen. natürlich können andere nachfragen, wenn sie mehr details über erlebnisse oder erfahrungen bekommen möchten. doch man sollte aufpassen, seine eigene lebensgeschichte nicht zu diskutieren. ich kann meine biografie immer erweitern, wenn mir noch zusätzliches auffällt. ich kann aber nicht hinter meine subjektiven erfahrungen zurücktreten. das macht auch keinen sinn, da ich dann meine vergangenheit in frage stellen würde.

so habe ich in diesem moment die wertungshoheit. wenn ich in einer bestimmten situation angst empfunden habe, sollte ich mir diese nicht absprechen lassen. es hilft auch in der gegenwart einem menschen, der angst vor einer sache nicht, wenn ein anderer mensch sagt, du brauchst keine angst davor zu haben. so bringt es auch nichts, wenn mir jemand zu meiner biografie sagt, du hattest doch keine angst in der situation, du warst nur erschrocken. in diesem moment, der nur ein beispiel von vielen ist, ist mein erleben subjektiv und für mich real.

gern wird von schreibenden und reflektierenden ein gewisses selbstwertgefühl schnell als egoismus abgelehnt. und sie stellen dann lieber ihre eigene lebensgeschichte in frage, als sich „selbst zu behaupten“. denn die intensive beschäftigung mit sich selbst ist bei uns schnell problematisch bewertet, gehört es doch zum guten ton, nicht zu sehr von sich überzeugt zu sein, oder es zumindest nicht zu zeigen. doch bei der biografie kann und sollte dies nicht in frage gestellt werden. auch der versuch, sein leben mit den erlebenissen und gefühlen anderer abzugleichen, kann zwar eine weiterentwicklung bewirken, sollte aber nicht das vorher erlebte in frage stellen.

hier scheint es notwendig, ein selbstwertgefühl für sich zu entwickeln, dass es ermöglicht, vorgeschlagenen veränderungen der eigenen biografie  zu widerstehen. das ist nicht immer ganz leicht, da ein beharren auf der eigenen sichtweise zu konflikten führen kann, zum beispiel wenn sich jemand anderes falsch verstanden fühlt. aber so war oder ist das eigene empfinden gewesen. was nicht heißen soll, dass man andere in seiner lebensgeschichte hemmungslos deute. da kann es hilfreich sein, sich daran zu erinnern, wie ungern man von anderen bewertet und erklärt wird. aber die lebensgeschichte gehört einem selber und bleibt immer eine eigene. und wie geschrieben, andere dürfen sich dafür gern interessieren.

 

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