schreiben und handeln

eigentlich sollte an dieser stelle ein post zu philosophischem schreiben stehen. doch dann kann es einem als blogger zwischenzeitlich passieren, dass sich post in form einer postkarte im briefkasten befindet, auf der ein statement zu finden ist, das zum nachdenken und widerspruch anregt.

als einstieg sei ein zitat von der postkarte erlaubt: „schreiben ist handeln, nicht als-ob, sondern dasein, bekenntnis, mut.“

ja, das kann schreiben, auch, neben anderem. denn wie bei jedem handeln, ist die handlung oft nicht so eindeutig, wie sie scheinen mag. der gedanke dahinter muss nicht immer offengelegt werden, kann vielleicht auch nicht offengelegt werden, da er nicht bewusst ist. handlungen vollziehe ich, wenn ich eine situation verändern möchte, wenn ich meine position verändern möchte. doch ich kann mich in solchen momenten strategisch verhalten, da ich weiß, dass ich mehr erreiche und sanktionen entgehe, wenn ich nicht vollständig so handle, wie ich gern möchte. ich handle also als-ob. wieso sollte dies beim schreiben nicht auch so sein?

allein der innere zensor sorgt oft genug beim schreiben für eine bremse. wenn ich nur für mich selber schreibe, ist der zensor ein wenig kleiner, doch kaum begibt sich jemand schreibend an die öffentlichkeit, überlegt er sich sehr gut, wieweit der text „dasein, bekenntnis, mut“ ist.

vieles wird auch lieber nicht geschrieben, habe ich doch bei handlungen immer die möglichkeit zwischen „ja“ und „nein“. denn als mensch besitze ich die fähigkeit manche reaktionen auf meine handlungen zu antizipieren. so kann ich manches fantasieren, aber nie umsetzen, also als-ob-denken. und bringe ich den gedanken zu papier, bleibt er als-ob, auch wenn das schreiben an sich eine handlung ist.

warum dann die gedanken zu papier bringen, wenn keine handlung daraus resultiert? um meine gedanken anderen mitzuteilen. ob sie sie dann teilen, kann ich im voraus nicht wissen. sie können sich jederzeit von meinen gedanken abwenden und der meinung sein, dass ich unrecht habe. sie können meinen verschriftlichten gedanken aber auch ihre eigenen schriftlich entgegensetzen. ein diskurs auf papier. dann nähert sich das ganze eher einer handlung an.

manchmal kann es aber auch nur spass machen, gedanken zu papier zu bringen, die weder dasein, noch bekenntnis, noch mut sind (siehe science fiction oder krimi). denn geschriebenes darf auch nur unterhalten. natürlich steckt in jedem text auch ein anteil des autors, der autorin, nur wie groß der ist, ist von außen nicht zu sagen.

und schreiben ist auch plagiat, der versuch einen ausdruck, eine form des schreibens nachzuahmen. doch dies kann ein schritt in die richtung sein, schreibend zu handeln oder handelnd zu schreiben. aber in dem moment ist es einfach nur als-ob. denn schreiben bleibt meiner ansicht nach auch ein spiel, mit worten und gedanken. und die freiheit der kunst besteht darin, zwischenzeitlich sinnlos zu spielen, entstehen daraus doch oft die interessantesten gedanken, texte und handlungen.

danke für die gedankliche anregung.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s