biografisches schreiben und feinde

 

manche menschen behaupten, dass man die am wenigsten mag, die einem am ähnlichsten sind. ob das stimmt, kann nur jeder für sich selbst entscheiden. doch bei der betrachtung der eigenen lebensgeschichte kann zumindest davon ausgegangen werden, dass nicht nur partnerInnen, freunde und familie einfluss auf die biografie hatten und haben. sondern man kann auch davon ausgehen, dass die menschen, die man nicht mochte, die einen ärgerten oder einem steine in den weg gelegt haben, nicht geringen anteil am eigenen leben hatten.

deshalb macht es beim blick auf die eigene biografie sinn, sich einen zeitlang den eigenen feinden zu widmen. manche werden jetzt sagen, ich hatte keine feinde. nun, dann nenne man sie nicht feinde, sondern nicht-freunde oder menschen, die ich nicht mochte, denen ich aber nicht aus dem weg gehen konnte. häufig finden sich solche ungeliebten gestalten in der familie oder in schule, bei der arbeit und im mietshaus.

in der rückschau ist vor allen dingen die frage interessant, welche eigenen handlungen von diesen menschen ausgelöst wurden. so kann einen ein unliebsamer konkurrent zu ungeahnten anstrengungen reizen, die die eigene karriere förderten. oder ein mensch löst einen ortswechsel aus, den man im nachhinein sehr begrüsst. es können aber auch unangenehme erinnerungen bleiben, gewalterfahrungen existieren. in solchen momenten kann das biografische schreiben, wie an anderer stelle in diesem blog schon erwähnt auch durch das nochmalige erleben der situation einen therapeutischen effekt haben.

vielleicht versteht man heute gar nicht mehr, weshalb man die person damals überhaupt nicht gemocht hat. oder man fragt sich, was einen an dem anderen menschen so aufgeregt hat? weshalb zieht man immer den gleichen menschentyp an, den man gar nicht mag? all diese fragen und überlegungen können bei der aufschlüsselung der eigenen biografie sehr hilfreich sein. 

so lohnt es sich einfach eine liste mit den menschen zu erstellen, die einem im laufe des lebens begegneten und etwas in einem auslösten. und dann kann man schauen, wer löste negatives und wer positives aus. zu einzelnen menschen kann man dann ein cluster erstellen oder einen kurzen freewriting-text verfassen, um sich den damaligen gefühlen ein wenig anzunähern. und die ergebnisse können vielleicht später in die eigene biografie einfließen.

 

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