biografisches schreiben und sozialer status

 

ein heikles thema ist die frage, unter welchen lebensbedingungen bin ich aufgewachsen? platt geschrieben, hatten meine eltern geld oder war es sehr knapp zuhause? über so etwas wird in deutschland ungern berichtet. entweder werden understatements abgegeben, die alles vermögen und jede unterstützung herunterspielen oder es wird über die maßen aufgetrumpft, weit von der realität entfernt.

beim biografischen schreiben geht es sicherlich nicht darum, seine steuererklärungen offen zu legen. doch es spielt für die eigene lebensgeschichte und eventuell das spätere eigene verhalten eine rolle, ob ich alle nur denkbaren möglichkeiten für meine entwicklung geboten bekam, da geld keine rolle spielte oder ob ich gegenüber den anderen jedesmal im hintertreffen war, da mich meine eltern so gut wie nicht unterstützen konnten und ich mir alles selber erarbeiten musste.

außerdem kann die betrachtung des sozialen status der familie oder von einem selber auch einen einblick in die verschiedenen lebenssituationen in deutschland geben. es zeichnen sich die entwicklungen in der gesellschaft und in der politik dadurch ab. ein wichtiger aspekt für die eigene biografie. denn an kaum einer anderen stelle ist man so direkt mit den auswirkungen der politik in seinem leben konfrontiert, wie beim einkommen und der versorgung.

zum sozialen status gehört natürlich noch viel mehr. in welchen kreisen habe ich mich bewegt und bewege ich mich? wollte ich überhaupt sozusagen „gesellschaftlich aufsteigen“ oder karriere machen? und wenn ja, klappte das auch? nicht wenige menschen scheitern an ihren erwartungen. haben nie das erreicht, was sie erreichen wollten. doch diese geschichten sind meist unbekannt, darüber wird ungern berichtet. aber es sind die geschichten, die sehr real sind. sie können das bild vom märchen, man müsse sich nur genug anstrengen und dann kann man es auch zu etwas bringen, zerstören. wenn auch nicht für den schreibenden unbedingt ein angenehmes thema, aber für viele lesenden ein interessantes zeitzeugnis.

das reflektieren über die eigene lebensgeschichte und die stellung in der gesellschaft bietet auch die möglichkeit zu gedanken der eigentlichen eigenen werte. befinden sie sich für einen selbst im status, gibt es ganz andere werte, die einem wichtig sind und sind diese nicht auch ausdruck eines sozialen status? die betrachtung der eigenen position kann mit großer wahrscheinlichkeit für einen selber aber auch für viele andere fragen beantworten.

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