biografisches oder kreatives schreiben in gefängnissen

 

etliche knäste in deutschland organisieren für ihre gefangenen soziale trainings. diese sollen dazu dienen, sich nach der entlassung in der gesellschaft wieder zurechtzufinden. außerdem gibt es in vielen gefängnissen auch tataufarbeitungsgruppen.

warum dies nicht einmal schreibend versuchen. generell sind diese gruppen nicht ganz einfach, da sie, wie die knastsituation erwarten lässt, von manchen häftlingen unter berechtigten strategischen gesichtspunkten besucht werden. denn der besuch einer solchen gruppe wird bei einer beurteilung positiv vermerkt, was den schritt in den offenen vollzug beschleunigen kann.

auf der anderen seite lässt es sich, wie viele aus den schreibgruppen wissen, schwer verhindern, dass persönliche anteile in texte einfließen. so bietet das schreiben die möglichkeit einer selbstbetrachtung oder zumindest teilweisen aufschlüsselung der eigenen situation.

zudem ist zu beachten, dass in den knästen mehrheitlich männer sitzen und von den männern wiederum viele einen migrationshintergrund aufweisen. man sollte sich vorher überlegen, in welcher zusammensetzung man eine schreibgruppe durchführen möchte. denn sonst wird man nach der eigenen konzeption von sehr unterschiedlichen interessen überrascht. auch hier sind die aufgaben auf die zusammensetzung der teilnehmerInnen abzustimmen. es macht sinn, gewahr zu sein, dass menschen in der schreibgruppe sitzen, die vielleicht das gefängnis nie wieder verlassen dürfen. da kann schreiben zum einen eine ablenkung sein, es kann aber genausogut den frust über den knastalltag zu thematisieren.

denn schon bevor man eine schreibgruppe durchführt, wird in den knästen relativ viel geschrieben. manche gefängnisse haben sogar ihre eigene zeitung. so könnte man das kreative oder biografische schreiben eventuell in kooperation mit der zeitung organisieren. so, dass auch nach der gruppe die möglichkeit besteht eigene texte in der zeitung zu veröffentlichen . mit texten aus der tataufarbeitung ist vorsichtiger umzugehen, da dort die teilnehmerInnen sicherlich sehr bedacht sein werden, nichts zu formulieren, das später gegen sie verwendet werden kann. denn dann steht es schwarz auf weiß da, wie man zu seiner eigenen tat steht. aber insgesamt bietet sich das schreiben in den knästen genauso gut an, wie in anderen institutionen.

einer der größten knäste in deutschland, die justizvollzugsanstalt tegel in berlin, hat eine eigene zeitung, den „lichtblick„, der wiederum eine eigene homepage hier hat: http://lichtblick-zeitung.de/index.html

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