schreibpädagogik und kreativitätsforschung

 

woraus entsteht denn nun kreativität? eine frage, die vor allen dingen neurologen und psychologen keine ruhe lässt. gleichzeitig antworten, die oft ideologisch überfrachtet sind. ähnlich den ergebnissen der „glücksforschung“. denn beiden forschungszweigen steht eines voran: die frage danach was denn „kreativität“ oder „glück“ sei.

es muss also erst eine definition erstellt werden was einen kreativen menschen ausmacht oder ab wann eine handlung kreativ ist. ist der kauf eines fertiggebundenen blumenstraußes und seine platzierung in der wohnung kreativ? ich würde sagen, ja! ganz den vorstellungen joseph beuys folgend, dass jeder mensch ein künstler ist.

lässt man nämlich einmal die erwartungen an die hohe kunst fahren, die häufig mitgedacht wird bei der frage nach der kreativität, dann entpuppen sich schlichte neukombinationen von alltäglichem als eine idee, die vorher noch niemand hatte. das kann im schreiben passieren, bei den immer verschiedenen texten und geschichten. das kann aber auch in allen anderen bereichen des lebens geschehen. und einher damit geht das gefühl, etwas selbst geschaffen zu haben. da interessiert es gar nicht mehr, welche hirnregion in diesem moment stimuliert wird oder was der beweggrund dafür war. da interessiert es eher, auch wenn der prozess, etwas neues zu schaffen emotional ein nicht so schöner war, das gute gefühl, da ist etwas von mir. beliebt ist die vernichtende selbstkritik, gesellschaftlich häufig vermittelt, durch den gedanken, dass kunst und kreativität hoch sein müssen. und so beschleichen die schaffenden immer wieder gedanken, die ihnen sagen, das geht aber noch höher, das kann ja jeder oder die frage wofür das überhaupt? wie wäre es mit antworten wie: „einfach nur für den eigenen ausdruck!“, „weil es gerade entstand.“ oder „für wen, wenn nicht für mich?“. sind die gedanken einmal an diesen punkten angelangt, dann ist die gefahr einer blockade geringer, denn die bewertung der anderen ist nicht unwichtig, aber sie wird beträchtlich kleiner.

womit ich wieder bei der kreativitätsforschung wäre. sie muss im vorfeld eine bewertung vornehmen, um über einen maßstab zu verfügen, denn sie erheben und messen kann. und in solchen momenten wird sich gern am „genie“-begriff orientiert. was wiederum den, der seine gekauften blumen in der wohnung arrangiert alt aussehen lässt. daraus ergibt sich nur ein schluss: lieber eine wohnung, die sich angenehm anfühlt, als eine ohne blumen.

2 Antworten zu “schreibpädagogik und kreativitätsforschung

  1. Kreativität ist nun mal ein scheußlich undefinierter Begriff. Ich verwende ihn nicht mehr. Letztes Endes ist die Kreativitätsforschung – zumindest die banalere – immer noch von dem heimlichen Mythos beseelt, die Zukunft beherrschen zu können, manipulieren zu können, indem man sich selbst auswertet (im kapitalistischen Sinne gelesen). Ich habe vor ein paar Wochen mal eine kleine Auswertung dazu versucht: http://frederikweitz.blogspot.com/2008/06/kreativitt.html

  2. kreativität wird wahrscheinlich nie objektiv gefasst werden können, da immer subjektive vorstellungen in den den begriff eingehen werden. ähnlich ist es bei begrifflichkeiten wie „glück“, „liebe“ oder „schönheit“. die versuche diese begriffe wissenschaftlich zu definieren sind entweder zum scheitern verurteilt oder verfolgen das ziel, definitionsmacht über subjektive vorstellungen zu erlangen. eines der skurrilsten gebiete ist die sogenannte glücksforschung. vielleicht lebt es sich mit „scheußlich undefinierten“ begriffen viel schöner und glücklicher, dann kann ich doch jeden befragen, was er darunter versteht.

    war heute auf deinem blog, wow, sehr interessant. und danke für die blumen zum szenischen schreiben, obwohl dies nur am rande diesen blog streift. las etliche interessante beiträge und werde mich nach der abgabe meiner masterarbeit ein wenig kommentierend einschalten. übrigens „zu intellektuell“ kann es gar nicht geben (s.o.) 🙂 und ein link auf diesem blog ist dir gewiss, bald.

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