schreibtechnik (16)

 

manchmal ist es nicht leicht, sich einem stoff, zu dem man eigentlich eine geschichte schreiben möchte, anzunähern. die idee ist eigentlich grob vorhanden, aber es ist unklar, aus welcher perspektive man schreiben möchte, oder wie das verhältnis zu den eigenen protagonisten ist. da sich eine geschichte sowieso nicht durchplanen lässt (oder zumindest selten), kann sich das verhältnis zu den protagonisten sowieso ändern.

wie kann nun eine annäherung aussehen? sie kann sich langsam entwickeln, indem man einfach in die geschichte einsteigt. man kann aber manchen gedanken auch schon vorweg nehmen, indem man seinen protagonisten einen brief oder eine mail schreibt. dabei geht es nicht darum, eine assoziationskette herzustellen, sondern es geht darum, einen bezug zu einer person, einem ding oder einer fantasiefigur zu finden. man kann sich vorher überlegen, ob man einen bösen, einen lieben oder einen geschäftsbrief schreiben möchte (es gibt noch viele andere varianten, die man sich überlegen kann), setze sich dann am besten mit wirklichem briefpapier oder öffne im computer eine briefvorlage und schreibe dann. so wie man anderen menschen auch briefe schreibt. in diesem moment beginnt man immer, sich die person vorzustellen, der man persönliches mitteilt, mit der man sich im konflikt befindet oder die einen berührt. es gibt viele möglichkeiten brief oder mail zu gestalten, man sollte sie nur ernst nehmen. es hilft nicht viel, wenn ich mir beim schreiben immer wieder sage, es handle sich ja sowieso nur um eine fantasiefigur, deshalb muss ich den brief oder die mail nicht so ernst nehmen. nein, es handelt sich um ein wichtiges wesen, dem man nicht emotionslos gegenübersteht. eher das gegenteil ist der fall, sie soll einen selbst und später die leserInnen auf alle fälle berühren. deshalb darf sie nicht auf die leichte schulter genommen werden. durch solche briefe können für die weitere geschichte noch manche zusätzliche ideen auftauchen. ich kann in auseinandersetzung mit meiner geschichte aus einer ganz anderen perspektive treten. normalerweise steht man immer in auseinandersetzung mit seinen texten, aber eben eher aus der sicht des schaffenden und mächtigen. briefe vermitteln mehr die möglichkeit auf mein gegenüber einzugehen. übrigens kann ich mich auch von einem protagonisten trennen. und ich kann, sollte es mit dem schreiben nicht so klappen, einen brief an meinen inneren zensor schreiben, um mit ihm erst einmal in auseinandersetzung zu treten. das klingt jetzt alles sicherlich ein wenig künstlich, kann für den einstieg in eine eigene geschichte aber ganz hilfreich sein.

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