schreibpädagogik und der eigene anspruch

 

in einer sehr leistungsorientierten welt, ist das spielerische in der kreativität schwer zu vermitteln. so haben viele teilnehmerInnen von schreibgruppen häufig den anspruch, ganz außergewöhnliche texte produzieren zu wollen. aber genau diese vorstellung ist oft eine ursache von schreibblockaden. man macht ja so eine gruppe nicht zum spaß, sondern man möchte etwas lernen.

selbst die freizeitgestaltung unterliegt einem leistungsorientierten urteil. das faszinierende beim schreiben ist aber, dass die interessantesten texte dann entstehen, wenn man es schafft, den eigenen anspruch vor der tür zu lassen. man muss nicht gefallen, man muss sich nicht an sprachliche regeln halten, man muss nicht den literatur-nobelpreis erhalten. man kann einfach das ausdrücken, was gerade so durch den kopf witscht. das für ist manche teilnehmerInnen schwerer als gedacht. da muss noch nicht einmal ein innerer zensor vorhanden sein. es ist ein grundgedanke, der eng gekoppelt ist an kreatives schaffen. da eine ökonomisch und naturwissenschaftlich orientierte gesellschaft, kunst, kultur und selbstausdruck gern als „gedöns“ abtut, muss ständig bewiesen werden, dass es etwas ganz außergewöhnliches ist, was man da macht.

daneben wird meist zu wenig gelobt und zu viel kritisiert. das ist nicht nur in der arbeitswelt so, auch in der freizeit muss der skifahrer aber mindestens die rote abfahrt locker mit ein paar schwüngen nehmen, der schwimmer sollte schon eine gehörige anzahl an bahnen schaffen, die blumensträusse bringen es unter einem futuristischen ikebana-gesteck nicht und die wohnung sollte dem designladen in der nächsten großstadt ähneln. wer sich auf das glatteis einer lustvollen kreativität begibt, muss beweisen, dass er nicht seine zeit verplempert.

also wird an textchen gefeilt und geschliffen, bis sie endlich ein gewisses niveau erreicht haben. oder man ziert sich, sie anderen vorzutragen. gern wird der text im vorfeld schon einmal abgetan als, den habe ich nur mal so schnell hingeschrieben, dabei hat man für die zehn zeilen fünf stunden gebraucht. das ist jetzt überspitzt dargestellt, doch auch in schreibgruppen herrscht gern die konkurrenz. sind die anderen besser als ich? dabei verliert man schnell den eigenen ausdruck aus den augen. das ist, was man mit seinem schreiben doch eigentlich machen wollte, sich selbst ausdrücken. aber halte ich es aus, wenn jemand daran im feedback kritik übt? doch warum sich in seiner freizeit auch noch mit solchen gedanken beschäftigen. denn das schreiben ist erst einmal für mich!

Werbeanzeigen

Eine Antwort zu “schreibpädagogik und der eigene anspruch

  1. Danke! Diesen Text fand ich, als ich gerade verzweifelt auf der Suche nach einer Antwort war. Immer wieder scheitert man an seinem eigenen Anspruch, der dann manchmal nicht mal der Anspruch der anderen ist. Doch wie wird man ihn los, oder wie wird man realistisch oder wie wird es einem einfach egal. Wie schafft man es, einfach zufrieden mit sich zu sein und mit dem was man tut. Der eigene Anspruch sollte näher beim eigenen Glück als bei der anderen Meinung stehen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s