Tagesarchiv: 1. August 2008

„dschungelwelt“ – ein blogtipp

selten, aber es gibt sie, die blogs mit wirklich langen texten. frederik weitz betreibt solch einen blog und setzt sich, was für diesen blog hier interessant ist, vor allen dingen mit dem kreativen schreiben auseinander. und mit der philosophie und der psychologie und der kommunikationstheorie und dem coaching und der psychoanalyse und, und, und…

ein gehaltvoller blog, der in beinahe jedem post schon beinahe einer kleinen hausarbeit nahe kommt. immer mit angabe der verwendeten bücher, der zitate und manchen links.

diskussionswürdig scheinen die beiträge fast jedesmal, da in dem blog versucht wird, sich den verschiedenen begrifflichkeiten und vorgehensweisen aus einem subjektiven blickwinkel anzunähern, der auch eindeutig geäußert wird. aus meiner sicht besteht vor allen dingen eine freude daran, sich unklaren begriffen, wie zum beispiel vor ein paar tagen der „empathie“ anzunähern und den versuch zu unternehmen, sie einzugrenzen. funktioniert nicht immer, ist aber spannend zu lesen. der blog ist zu finden unter: http://frederikweitz.blogspot.com . am schluss soll ein buch über das kreative schreiben entstehen. bin gespannt darauf.

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verlag (9) – zweitausendeins

1969 gegründet ist zweitausendeins erst einmal gar kein verlag. es ist ein buchversand. die idee, die dahinter steckt ist die resteverwertung. was inzwischen fast jeder buchladen vor seinem geschäft stehen hat, sind verbilligte bücher, die entweder kleine schäden haben oder kurz vor dem recycling stehen. zweitausendeins versucht dies in größerem maßstab.

doch es werden auch eigene bücher herausgegeben. zum einen konnte man sich über die jahre sehr preiswert klassiker bestellen, die in fetten paperback-bänden daherkommen. ob der gesammte tucholsky, kafka oder auch max weber, das gab und gibt es alles. und dann gibt es projekte, wie die digitalisierung vom wörterbuch der gebrüder grimm oder die verlegung von william s. borroughs.

daneben vertreibt man noch gern die bücher von rogner & bernhard oder von haffman. es gab immer eine eine interessante comicecke und vor allen dingen bücher von berhardt, henscheid und co.

die homepage ist zum einen online-shopping-portal für bücher, cds und dvds. daneben bloggen zwei autoren, die von zweitausendeins verlegt werden, und es kann der katalog „merkheft“ bestellt werden. mehr ist da nicht, aber es lohnt sich, denn beim durchforsten kann man so manches schnäppchen finden, z.b. den bildband der letzten documenta für wenig geld.

zu finden ist die seite unter: http://www.zweitausendeins.de/

kreativen schreiben und großstädte

in den großen städten sammeln sich auf der ganzen welt immer mehr menschen. viele verlassen das land, da sie ihre chancen nur noch in der großstadt vermuten. das ist oft genug ein trugschluss, und doch, die wanderung in die metropolen ist kaum zu stoppen.

dadurch leben, auch schon vor den wanderungen, menschen aller couleur in den citys. und die möglichkeiten der beobachtung sind vielfältig. allein eine fahrt mit einem nahrverkehrsmittel durch eine größere stadt kann einem die ganze bandbreite der bewohner nahebringen. man kommt in kontakt mit personen, die man, wenn man sich mit dem eigenen auto fortbewegt nicht sehen würde. zum beispiel berlin, 30 grad im schatten, viele sind in die sommerferien gefahren. man fährt mit der s-bahn.

umsteigen und man betritt einen wagon, in dem jemand steht, der ein beinahe vollständiges outfit in lack trägt. selber kurz vor dem hitzschlag fragt man sich, wie sich in dieser auch noch schwarzen montur überleben lässt. aber er macht einen lebhaften eindruck und erweckt nicht den anschein, dass er gleich umfallen könnte. dann auf dem weg zum tierpark ein vater mit seinem kleinen sohn. vati ist recht spät zu einem kind gekommen. und für heute ist ein ausflug in den tierpark geplant. der kleine junge ist aufgedreht und erzählt und fragt die ganze zeit. vati ist verschwitzt, hat keine lust mehr zu antworten und scheitert gerade an seiner rolle, die er wahrscheinlich nur in den ferien übernimmt. er weiß nicht mehr, wie er seinem aufgeweckten kind herr werden kann und läuft, kaum hält die u-bahn, beim aussteigen vorneweg, um ein wenig abstand zwischen sich und seinem weiterhin fragenden kind zu bringen. sein sohn will kontakt und fragt noch mehr und noch lauter.

so lassen sich bei einer fahrt dutzenden von geschichten finden. und manche gesichtsausdrücke oder gesten kann man fröhlich deuten. was mag ihr heute geschehen sein, dass sie so traurig aussieht? ob die zwei gerade streit miteinander hatten? in berlin empfiehlt es sich, sich einfach einmal in den s-bahnring zu setzen und eine stunde im kreis zu fahren. dann kennt man zwar noch nicht die stadt, man hat aber einen pool von geschichten, die nur auf ihre erzählung warten.