Tagesarchiv: 2. August 2008

kreatives schreiben und anerkennung

 

bei der reflexion des eigenen schreibens kann wahrscheinlich niemand leugnen, dass es schön ist, wenn man von anderen menschen die rückmeldung bekommt, dass ihnen der text gefällt. alle menschen möchten anerkennung für das, was sie geschaffen haben. es ist widersprüchlich, wenn menschen äußern, es sei ihnen gleichgültig, was andere über ihre werke denken. schon die aussage antizipiert die anderen. ich kann versuchen, mich allen formen der anerkennung zu verweigern. doch auch empörung und kritik können eine form von anerkennung bedeuten.

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biografisches schreiben und tradition

 

egal wo man aufwächst, man ist umgeben von traditionen, die sich die jeweilige kultur geschaffen hat. haben die traditionen doch meist etwas bindendes für das gemeinsame gefüge. betrachte ich meine eigene lebensgeschichte kann es von bedeutung sein, wieweit ich diese traditionen geschätzt oder mich ihnen verweigert habe. auch dieser aspekt hat meine eigene biografie beeinflusst.

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schreibpädagogik und gesellschaftstheorie

 

warum schreiben menschen so viel? da sich alle langweilen? oder vielleicht, weil es immer wichtiger wird sich auszudrücken und dies nach außen zu tragen? mensch muss heute zeigen, dass er auch öffentlich bestehen kann. je mehr wir uns von einer industriellen gesellschaftform abwenden und zu einer dienstleistungs-gesellschaft werden, um so stärker sind die kompetenzen der einzelnen gefragt.

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10 Jahre Deutsches Tagebucharchiv (DTA)

Vor zehn Jahren wurde das Deutsche Tagebucharchiv (DTA) im alten Emmendinger Rathaus gegründet. Gründerin ist die damalige Emmendinger Stadträtin Frauke von Troschke.

Öffnungszeiten für Besucher: Montag – Freitag 10 – 12 Uhr,

                                         Dienstag und Mittwoch 15 – 17 Uhr.

Führungen und Recherchen erfolgen nach Vereinbarung.

Aufrecht erhalten durch 90 ehrenamtliche MitarbeiterInnen des DTA.

 

In hellblauen Kartons und Aktenschränken stapeln sich 4100 Dokumente auf 236 000 Seiten (Stand 13. Januar 2007). Die Einsendungen an Tagebüchern, Briefwechseln, Haus- und Hofbüchern nimmt mit steigendem Bekanntheitgrad des DTA ständig zu (6 000 Dokumente bereits eineinhalb Jahre später am 02.August 2008). Es mangelt mittlerweile an Platz. Frau von Troschke erklärt die Abgabe der privaten Aufzeichnungen als ein „positives Sendungsbewußtsein“ im Sinne einer Art des „Spuren hinterlassen“, auch wenn es nur eine kleine und nur von wenigen wahrgenommene Spur ist. Ein Stück Unsterblichkeit sammelt das DTA und registriert mittlerweile 1600 Autoren.

Interessant ist, dass die meisten Schriftstücke von Männern verfasst wurden. Interpretation dieser Tatsache liegt vermutlich in dem unterschiedlichen zeitlichen Budget z.B. dass Männer schlichtweg mehr Zeit zum Schreiben haben/hatten, während die Frauen Beruf, Kinder und Haushalt bewerkstellig(t)en. Weitere These thematischer Natur ist aber auch, dass Männer eher politische Strömungen schriftlich fixieren und diskutieren und Frauen sich für ihre „ausschweifenden Beschäftigung mit sich selbst und der menschlichen Minidramen im Bekanntenkreis“ (Füßler 2007) schämen und von daher ihre Memoiren nicht im DTA einreichen.

In einem Interview mit der Badischen Zeitung erklärt Frauke von Troschke das Interesse für Tagebücher und Briefwechsel etc. mit der besonderen Geschichtlichkeit, die diese Werke vermitteln. Es geht ihr um die Zeitgeschichte. Hierzu sind weniger die Namen der TagebücherschreiberInnen wichtig, sondern das besondere Erleben in der jeweiligen Lebenszeit. Es können vielfach Schlüsse aus den Aufzeichnungen gezogen werden für die Wissenschaft, Geschichte, Psychologie, die Soziologie usw. So gibt es zum Beispiel aus Cambrige eine Doktorantin, die das Deutsche Tagebucharchiv nutzt um über deutsche Familien in der Nachkriegszeit zu forschen. Eine Doktorarbeit theologischer Thematik beschäftigt sich mit „Hoffnung in schweren Zeiten“ und vor kurzem ist eine Arbeit erschienen mit dem Thema „Apotheken in nationalsozialistischer Zeit“. Die Tagebücher und Zeitdokumente sind für die Gründerin des Archivs das „pralle Leben“. Ihr Engagement ist für sie auch eine Art politische Arbeit, da sie allen Menschen ermöglicht ihre Stimme abzugeben, ohne gleich berühmt werden zu müssen.

Noch sehr viel mehr gäbe es zu diesem einzigartigen Archiv in Deutschland (ursprünglich stammt die Idee aus Italien von dem Gründer Saverio Tutino) zu berichten aber glücklicher Weise gibt es auch eine web für weitere Informationen und Kontakte www.tagebucharchiv.de    

 

Quellen:

Füßler, Claudia (13. Januar 2007): Liebes Tagebuch… Schaukasten der Seele, stummer Partner und voller prallem Leben – ein Streifzug durch den Kosmos Tagebuch. In: Badische Zeitung, 13. Januar 2007, S. 10–11.

Ossenberg, Heidi (02. August 2008): „Jeder hat das Recht, gehört zu werden“. BZ-Interview mit der Gründerin des Tagebucharchivs Emmendingen, Frauke von Troschke, zum Start der BZ-Sommerserie. In: Badische Zeitung, Ausgabe 179, 02. August 2008, S. 14. Online verfügbar unter www.badische-zeitung.de