biografisches schreiben und entschleunigung

 

nach dem schreibwochenende im letzten post bietet sich jetzt noch die biografie-klausur an. wer sich seiner lebensgeschichte stellen möchte, kommt gar nicht darum herum, dies häppchenweise zu machen. denn hier ist meist recherche vonnöten. muss doch erst einmal geschaut werden, was man noch an zeitzeugnissen finden kann. oder vielleicht noch einmal seine heimat besuchen, um ein gefühl für die vergangenheit zu bekommen.

und sollte einem nicht das lebensende im nacken sitzen, dann darf sich solche biografische schreibarbeit ruhig über einen langen zeitraum hinziehen. doch das wird nicht so gern gesehen. macht man doch biografisches schreiben, um sich anschließend möglichst hinsetzen zu können und in einem rutsch die eigene biografie zu verfassen. oder eben sich nach einigen interviews die eigene lebensgeschichte zu papier bringen zu lassen.

jetzt hat das leben so lang gedauert und dann möchte man es möglichst schnell zu papier bringen. auch hier sollte entschleunigt werden. vielleicht erst einmal in aller ruhe einen zettelkasten anlegen, in dem man die erlebnisse, an die man sich noch sehr genau erinnert, ablegt. dann eine liste, wen man noch alles zur vergangenheit sprechen kann. vielleicht noch einmal filme anschauen, die einen berührt haben, bücher abermals lesen, fotoalben durchstöbern oder einfach zwischendurch die biografie ruhen lassen.

die große stärke der entschleunigten arbeit an der lebensgeschichte liegt darin, dass sich verschüttete erinnerungen langsam wieder ihren weg bahnen dürfen. denn sie lassen sich nicht erzwingen. sie brauchen zeit, sich entfalten zu können. und plötzlich erinnert man sich an alte freunde, die verschütt gegangen sind oder an hobbys, die man wegen der zeitknappheit aufgegeben hat. selbst wenn andere an der eigenen biografie interessiert sind, müssen sie eben warten. und dann besteht vielleicht zwischendurch die möglichkeit sich in klausur zu begeben. ohne störungen alles mal wieder revue passieren zu lassen. vielleicht sollte man dafür wegfahren und die wichtigsten andenken mitnehmen. oder das telefon ausstöpseln, alle termine absagen und es sich gut gehen lassen. denn es kann schön sein in erinnerungen zu schwelgen, auch wenn zwischendurch die unschönen genauso ihren platz finden.

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