web 2.0 und ehrlichkeit

 

menschen agieren im web 2.0 ihrer meinung nach ehrlicher. dabei schreiben sie nur schonungsloser. es gibt aber ehrlichkeit, die verletzen kann. das zu realisieren ist notwendig, um auch im netz eine gewisse zurückhaltung zu pflegen.

als ich mir vor ein paar tagen ein paar foren für menschen mit psychischen störungen betrachtete, fiel mir auf, dass es zwar einem teil der menschen gut tat, andere zu treffen, die ähnliche probleme haben und, und nicht das gefühl zu haben allein auf der welt zu sein. auf der anderen seite führte es in etlichen gegenseitigen beratungen schnell zu gegenseitigen verletzungen, die noch nicht einmal gewollt waren, sondern die sich aus einer schonungslosen ehrlichkeit ergaben. genau dies kann aber jedem menschen den boden unter den füßen wegziehen. beim face-to-face-gespräch gibt man signale, dass es genug ist. im web ist erst einmal kein stoppen, da man nur den vollständigen text zu sehen bekommt, wenn er schon geschrieben ist, also alles gesagt ist. man kann nicht mehr unterbrechen.

als zweites sehe ich aber vor allen dingen noch ein anderes problem. die formen der social software gaukeln vor, man befände sich in einem verständnisvollen umfeld, man habe es mit bekannten zu tun. doch es sind keine bekannten. man erfährt die menschen einzig aus dem geschriebenen, das viel vertuschen und verdecken kann. das ist natürlich auch im alltag möglich, aber es ist schwerer, da menschen im zusammentreffen ein gespür haben, wann etwas seltsam erscheint.

so befördert social software eine schnelle vertrautheit, die sich auch als fehler herausstellen kann. irgendwo schrieb jemand: „ich dachte, ich kann hier ehrlich sein.“ das war wahrscheinlich noch nicht einmal falsch gedacht und doch hätte man in anderen situationen erst einmal abgeschätzt, ob mein gegenüber wirklich alles hören will. oder man hätte nachgefragt, ob die andere person ehrliches erfahren will. und man hätte nachgefragt, ob mein gegenüber, das auch so sieht.

das soll nicht heißen, dass die leugnung von tatsachen eine sinnvolle verhaltensweise ist. und doch brauchen wir alle unsere formen von verdrängung, denn sonst könnten wir soziales zusammenleben nicht aushalten. alles würde uns berühren und uns in der geballten form zu nahe gehen. social software erschwert das abgrenzen, selbst wenn ich es mir fest vornehme. und führt meiner ansicht nach dadurch zu einer menge ungewollter verletzungen.

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