kreatives schreiben und beziehungen

 

achtung! kreatives schreiben kann ihre liebesbeziehung gefährden!

diese warnung müsste eigentlich auf jeder schreibgruppenankündigung stehen. ist es doch meist eine veränderung, die die menschen durchmachen, wenn sie sich schreibgruppen anschließen, die den partnerInnen schwer nachvollziehbar scheinen.

so haben sie neuerdings immer ein büchlein bei sich, das sie mitten in gesprächen oder bei museumsbesuchen zücken und sich notizen machen. wenn ihre lebensabschnittsgefährten dann fragen, was sie denn notieren, sind sie meist nicht sehr redselig. oder sie berichten davon, was gerade neben ihnen geschehen ist und ernten erstaunte blicke. „was ist denn daran so interessant?“ diese frage sollte ein alarmsignal für sie sein. ihr(e) partner(in) versteht nicht so ganz, was sie da eigentlich machen.

außerdem lernen sie schlagartig menschen kennen, die ihre interessen teilen. sie lesen auch bücher und können sich an schönen kurzgeschichten delektieren. der mensch an ihrer seite wird wahrscheinlich eifersüchtig, wie auf die beste freundin, den besten freund. also signalisiert man ihnen, lies doch mal eine deiner geschichten vor. na gut, sie machen das. oh, ganz gefährliches pflaster. menschen, die ihnen nahe stehen suchen sich gern in ihren geschichten. plötzlich bringt also in der geschichte einer seine partnerin um. „willst du das auch mit mir machen?“ nein, wie kommst du darauf? „na irgendwoher muss die idee doch kommen.“ jetzt sollten sie sich gut überlegen, ob sie erklären wollen, wie ihre ideen entstehen. auch hier besteht die möglichkeit, dass die antwort als nicht genügend angesehen wird.

sollten sie dann bewusst über ihre partnerInnen schreiben, fühlen sie sich sicherlich nicht richtig getroffen. „ach, bin ich so (hier können sie jedes adjektiv einsetzen, das in ihrer beziehung von bedeutung sein kann)?“ wahlweise kann die frage auch gleich als vorwurf formuliert werden: „ach, du findest mich…“. lesen sie die geschichte aber nicht vor, bevor sie veröffentlicht wird und ihre partnerInnen finden sich im buchladen wieder, kann dies sogar die beziehung beenden.

und dann sollten sie sich überlegen, ob sie wirklich jeden tag morgenseiten schreiben müssen. er / sie möchte nach dem aufwachen kuscheln, sie aber greifen zum stift, nehmen wieder ihr büchlein und notieren erst einmal die ersten gedanken des tages. ein definitiver liebestöter.

ganz abgesehen von den nebenwirkungen des schreibens. sie werden sich ihrer selbst immer bewusster und vielleicht dabei auch der probleme ihrer beziehung. sie entwickeln ein selbstbewusstsein, das dem menschen an ihrer seite angst einjagt. und sie überwinden stück für stück den inneren zensor. die abgründe in ihren texten wollten ihre partnerInnen nie kennenlernen.

die beste alternative, um ihre beziehung nicht zu gefährden, besteht nicht darin, den stift nie wieder anzufassen. nein, überreden sie ihre lebensabschnittsgefährten, doch auch zu schreiben. aber seien sie vorsichtig, nicht gekränkt zu sein, wenn sie seinen / ihre texte lesen. dann kann eigentlich nichts schiefgehen 😀

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5 Antworten zu “kreatives schreiben und beziehungen

  1. Na, ganz so schlimm ist es ja wohl nicht. Wenn man schon seine kreative Ader lebt, wird man ja nicht mit einem Menschen zusammen sein, der gar keine Ahnung hat von Kreativität, oder?
    Außerdem kann man sich bei den Morgenseiten ja immer noch einen definitiven Morgenmuffel suchen oder jemanden, der um diese Zeit schon joggt. Dann klappts auch mit der Beziehung und kuscheln kann man später.

  2. manchmal sollen sich ja gegensätze anziehen. man stelle sich nur vor, beide sind kreativ und wollen sich immer gegenseitig ihre texte vorlesen oder ihre bilder zeigen 😯 . da kommt man ja auch nicht weiter. wahrscheinlich muss der einzelfall betrachtet werden, klappen wird es schon irgendwie. ideal ist natürlich, wenn die frühstückzubereitung vom unkreativen übernommen wird und die gutenachtgeschichte vom kreativen 😀 .

  3. So wie es in dem Artikel beschrieben ist kann es manchmal laufen. Ich mußte ein paar mal schmunzeln. Bei aller Begeisterung meines Partners für meine kreative Ader im Schreiben und Erfinden ist es doch manchmal stimmungshemmend, wenn man merkt, dass die Partnerin gedanklich ganz woanders unterwegs ist und nur ans Verschriftlichen denkt. Ich denke, wir sprechen hier von einem Schreibenden bzw. einer Schreibenden, die ständig im Schreibflow ist und überall irgendwelche Eindrücke per Schreibtechniken fixiert, nur um die Idee auszuleben, die einem da grade schriftlich im Kopf rumschwirrt. Schließlich findet man sich ständig befreit, wenn man überall rausschreibt, was einen grade bewegt. Von daher ist das Schreiben schon fast wie eine Sucht, ein Drang rauszuschreiben anstatt rauszuschreien 🙂

    Eigentlich bin ich ganz froh, dass ich manchmal durch meinen Partner darauf hingewiesen werde, dass es noch eine andere Welt gibt in der ich lebe außer in den Worten und Zeilen.
    Bei allem inneren Wachstum und Selbstfindung durch das Schreiben sollte man das Ausprobieren der Veränderung nicht vergessen. Heißt: darauf achten, ob man so handelt, wie man denkt bzw. schreibt. Aber auch die Tugend des schriftlichen Ruhens kosten. Heißt: sich auch einfach mal einlassen auf das was im nächsten Moment schonwieder weg ist. Eine Idee zum Schreiben auch mal sausen lassen und stattdessen weiterleben ohne Schrift.
    Das ist schwer aber partnerschaftsfreundlich:-)

  4. stell dir vor, es wäre keine sucht und alle schreien es raus. ob das die beziehungen verbessern würde? aber ich bin schockiert: „das schreiben auch mal sausen lassen und stattdessen weiterleben ohne schrift“. was ist passiert, sollte dieser tipp nicht auch geschrieben sein? etwa in der beziehung wieder miteinander reden 🙄 ? ob das überhaupt noch geht nach all der schreibpädagogik? tja, zur not kann man auch die dialoge mit dem partner zusammen schreiben und sich später vielleicht von anderen vortragen lassen. das ist zumindest schwer kommunikativ!

  5. Mit der Aussage: „das Schreiben auch mal sausen lassen und stattdessen weiter leben ohne Schrift“ meine ich doch nur, dass man auch mal locker werden muss. Ich möchte von einem Partner, der nicht gerne schreibt, nicht verlangen, dass er mit mir schriftlich in den Dialog geht. Warum auch, wenn der Dialog mündlich bestens klappt?
    Aus Erfahrung weiß ich, dass es mich manchmal schier verrückt macht so viele Ideen unter Tag zu haben und sie nicht alle aufgeschrieben zu haben. Das kann ganz schöne Anspannung verursachen und macht mich persönlich nicht wirklich froh. Von daher die Tugend des schriftlichen Ruhens. Wie die Schwaben zu sagen pflegen: Laufe lasse 🙂

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