kreatives schreiben und wortschöpfungen

das kreative schreiben spielt mit worten, teilweise auch mit lauten und stellt dabei nicht selten die ernsthaftigkeit der sprache in frage. so kann es während des schreibens dazu kommen, das worte geschöpft werden, die es im deutschen gar nicht gibt. da man sich aber nicht in einem germanistischen seminar befindet und auch nicht sprachwissenschaftlich tätig ist, darf dies geschehen.

sicherlich macht es sinn, einen möglichst fehlerfreien text am ende produziert zu haben. das ist schon deshalb hilfreich, da man nicht ins stocken gerät, wenn man ihn irgendwo vorträgt. aber auf der anderen seite, darf zum beispiel der begriff „gelbes federvieh“ für einen kanarienvogel im text auftauchen. dabei handelt es sich eigentlich noch um keine wortschöpfung, sondern um eine ungewöhnliche wortkombination. diese können einen sachverhalt, eine begebenheit teilweise leichter und schneller darstellen, als ein erklärender satz. so zeigt „gelbes federvieh“ eventuell auf, dass ein sehr distanziertes verhältnis zu diesem haustier besteht.

aber es kann noch weitergehen, in der lyrik häufiger als in prosa, wenn ganz eigenständige wörter geschöpft werden. wenn der knöterich „gartenzäunend“ um das rasengrundstück rankt, dann können sich leserInnen eventuell vorstellen, dass der knöterich eine gartenzaunartige funktion übernehmen könnte. oder dass er sich so verknotet, wie ein jägerzaun. das ist erlaubt, führt aber nicht immer dazu, dass der begriff so verstanden wird, wie er gemeint ist. doch es gehört zum kreativen schreiben, oder zum literarischen schreiben an sich, dass die intentionen des autors selten vollständig von leserInnen erfasst werden können. was aber den texten keinen abbruch tun muss.

wortschöpfungen können erst einmal eine anregung beim schreiben darstellen. was könnte eine „rasenverzweigung“, ein „müllherz“ oder eine „giraffenhose“ sein? hier lässt sich hemmungslos assoziieren und beschreiben.  und es lassen sich umstände ganz anders erfassen, als es vorher möglich war. und wenn der linientreue text sich verstandeskurbelnd in der hirnschale eingräbt, kann der abschnittsschluss wortgewaltig geraten.

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