schreibaufgabe (11)

dieses mal wird gewürfelt. nein, nicht um die inhalte der schreibaufgabe. es wird ein würfel gefüllt, mit leben und mit geschichten.

also, stellen sie sich einen kahlen raum vor. zehn mal zehn mal zehn meter. das heisst, ein recht großer raum mit hoher decke. der kann in einem haus, unter der erde, im weltall oder sonstwo sein. wichtig ist, er ist erst einmal leer. ob er nun betonwände, holzwände oder gemauert ist, bleibt ihnen überlassen.

doch das wichtigste ist, sie können ihn füllen. entweder nur mit menschen oder mit ambiente. sie können sich beim „beschreiben“, also in ihrer geschichte einzig um die einrichtung gedanken machen und eine ausführliche bildbeschreibung abgeben. sie können aber auch türen in die wände schlagen und menschen auftreten lassen, die sich in diesem raum wiederfinden. nur eines sollte dabei beachtet werden, das außen des raumes, des würfels soll in dem text keine rolle spielen, also möglichst nur kurz erwähnt werden. textsorte und aufmachung der geschichte bleiben ihnen überlassen. doch die geschichte sollte nicht länger als 800 wörter sein. und dann kann gewürfelt werden, welcher text am raumgreifendsten daherkommt.

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2 Antworten zu “schreibaufgabe (11)

  1. Auflösung

    Ich finde mich in einem Raum wieder, der mir sehr ungewöhnlich vorkommt und von dem ich sicher bin, dass ich ihn vorher noch nie betreten und auch noch nie von außen in ihn hineingeschaut habe.

    Das Ungewöhnliche und mich leicht Verunsichernde an diesem Raum ist aber dies: Er ist, nicht wie ein gewöhnlicher Raum, irgendwie unregelmäßig oder, oder wenigstens sind seine Wände irgendwie von unterschiedlicher Ausdehnung. Nein, in diesem Raum, von dem ich im übrigen gar nicht weiß, wie ich überhaupt in ihn hineingeraten konnte, scheinen alle Wände die gleichen Seitenlängen zu besitzen, sodaß ich wohl annehmen muß, ich befinde mich in einem Cubus. Noch dazu sind die Wände dieses Raumes von völlig gleichmäßiger, mittelgrauer Farbe. Der Eindruck, dass ich mich in einem Raum befinde, entsteht in mir überhaupt nur erst dadurch, dass sich der Ton dieser grauen Farbe an den Kanten, die durch das Aneinanderstossen von Wänden, Boden und Decke gebildet werden zwar nur unmerklich aber von Wand zu Wand doch immer leicht verändert beziehungsweise bewirkt diese Tonänderung bei mir überhaupt erst den Eindruck, es handele sich bei dem was ich sehe, um, im rechten Winkel, aneinanderstoßende Wände. Natürlich will ich nicht die Schwerkraft unterschlagen. Auch sie, und ich spüre ihre Wirkung deutlich da ich jetzt paar Schritte in den Raum hinein unternehme, bestärkt mich in der Annahme, dass es sich bei dem in dem ich mich befinde tatsächlich um einen Raum handelt.

    „Erschrecken sie nicht.“, spricht mich eine Stimme von hinter mir, aus der Richtung, aus der ich eben die paar Schritte in den Raum unternommen habe, an.

    Ich fahre aber doch ein wenig zusammen, denn ich war sicher, völlig allein gewesen zu sein. Ich drehe mich hastig um und sehe, in die Ecke gelehnt, einen vielleicht dreißigjährigen Mann, der einen eleganten dunklen Anzug aus leicht glänzendem Stoff trägt, dazu ein weißes Oberhemd und elegante, schwarze Schuhe. Sein Spielbein kreuzt das Standbein und ruht auf der Spitze seines Schuhes. Die Arme verschränkt er vor der Brust den Kopf hält er leicht geneigt.

    „Glauben sie, dass man im Traum Dinge erleben kann, die man im Wachzustand nicht erleben kann, also beispielsweise Formen oder Farben sehen, oder auch Töne hören oder Düfte riechen, die man vorher nie gesehen, gehört oder gerochen hat?“

    Die Frage verunsichert mich, weil sie mich völlig unvorbereitet trifft. Ich hatte erwartet, dass der Fremde sich mir zunächst einmal vorstellen würde oder umgekehrt mich nach meinem Namen fragen würde. Aber immerhin scheint dieser Mensch, wenn er mit einem solchen Selbstbewusstsein auftritt, ihm völlig unbekannten Personen Fragen dieser Art zu stellen, doch, zumindest hier, einigen Einfluss haben. Einfluss, vor dem man sich vielleicht in acht nehmen sollte, der einen verbrennen könnte. Man weiß es nicht. Ich will deshalb mit dem Schlimmsten rechnen, auf alles, aber auch auf alles gefasst sein und entschließe mich die Frage mit ’nein‘ zu beantworten; denn dieser Mann ist möglicherweise ein Funktionär und ein allzu naives ‚ja‘ könnte mich wie einen „Ja-Sager“ aussehen lassen und mich in den Augen eines solchen Menschen herabsetzen.

    „Nein, das glaube ich nicht.“

    Indem ich diese Worte ausspreche, bereue ich meine Entscheidung aber auch schon, denn mir fällt ein, dass ich gar nicht in der Lage bin, diese meine Ansicht durch Argumente zu stützen. Das habe ich nicht bedacht. Möglicherweise habe ich mir dadurch noch mehr geschadet, denn eine unbegründete Meinung einfach so in den Raum zu stellen wirkt noch dämlicher, als in einer Diskussion über die, sowieso nicht zu beweisende, Frage nach der Originalität von Traumerlebnissen zu unterliegen. Ein ‚Nein‘ müsste in diesem Falle schon gut begründet sein. Allerdings sagte ich ja lediglich, ich glaube das nicht, und einen Glauben an etwas kann man sowieso nicht beweisen. Worauf ich mich dann auch hätte berufen können. Und auch weiterhin kann, wenn es sein muß.

    Ich schaue in Richtung des Unbekannten, der jetzt nachdenklich den Kopf in die Linke gelegt hat und resignierend Luft durch die Nase ausstößt, was ein zischendes Geräusch macht. Gleichzeitig beginnt er sich aufzulösen. Sein Bild wird schwächer. und schwächer. Jetzt sehe ich nur noch das Schwarz seiner Schuhe, das Aufblitzen seiner Gürtelschnalle. Jetzt bin ich wieder allein.

  2. mich friert. ich fühle mich nackt, liege auf etwas hartem. der rechte arm schmerzt, als hätte mich jemand geimpft. ich kann die augen nicht öffnen. aber es ist hart, kalt. jeder atemzug hallt von allen seiten. schnaufe ich so laut? die echos lassen mich wie einen alten mann rasseln. eine tür knallt. blech scheppert. ich bekomme die augen immer noch nicht auf. die arme kann ich ein wenig hochheben, fahre mit den händen über die fläche unter mir. kacheln. über meinen körper. nackt. ich schrecke hoch, die tür knallt noch einmal. ich versuche meine augenlider zu öffnen, jetzt schlägt eine tür auf der anderen seite zu. etwas schleift über den boden. ich kann nichts sehen. durch den kleinen schlitz blendet mich grelles weißes schmerzendes licht. ich schließe die augen sofort.
    was war passiert? ich weiß es nicht mehr. ich glaube als letztes bin ich durch den dschungel gestreift. unerwartet schmerzte die rechte schulter. „hallo?“ nur meine stimme als vielfacher ruf. „haaallooo!“ keine reaktion. scheisse, was ist das? wasser, eiskaltes wasser, jemand spritzt mich an. gleich bleibt mein herz stehen. zumindest sind die augen offen. das weiße licht blendet so. langsam wird es schärfer. kacheln, ich sehe nichts als weiße kacheln. der wasserstrahl kommt von links. komm, dreh deinen kopf. mist, das blendet noch stärker. wer hat den scheinwerfer auf mich gerichtet. hinter dem wasserstrahl sehe ich verschwommen einen menschen. „hallo sie, mir ist kalt, lassen sie das!“ keine reaktion, nur ein leichtes grummeln. ich muss mich schützen. versuche auf die beine zu kommen. es funktioniert nicht, die blöden dinger wollen nicht so wie ich. ich rolle mich vom wasserstrahl weg. der kachelboden ist überall nass. der wasserstrahl folgt. irgendwo gurgelt ein abfluss. da hinten ist etwas auf dem boden. ich rolle mich hin. eine blechschüssel mit müsli. der wasserstrahl trifft die schüssel, sie kippt beinahe um, das wasser verdünnt die milch. hier scheint der boden beheizt. ich presse die schüssel an meine brust und versuche sie vor dem wasser zu schützen. da hört der strahl auf. ich drehe mich schnell um. höre aber nur noch kurz schlurfende geräusche und abermals das knallen der tür von vorhin. und ich blicke wieder in gleißende scheinwerfer. von allen seiten werde ich angestrahlt. meine augen gewöhnen sich ein wenig an die helligkeit. selbst von unten leuchtet es. in regelmäßigen abständen fehlen die kacheln und glas bedeckt die lücken dieses quadratischen raumes. aus den glaskästchen kommt die helligkeit. mir wird langsam wärmer. ich stütze mich auf den rechten ellenbogen. ich bekomme hunger, mit der linken hand greife ich ins müsli. es schmeckt ein wenig wässrig aber sehr fruchtig. das tut gut. ich spüre meinen körper wieder, es kribbelt überall, wie wenn ameisen vom bauchnabel aus sich in alle richtungen auf mir ausbreiten. ich versuche nochmal mich aufzusetzen. es klappt langsam. mir ist schwindelig. ich schau mich ein wenig um. der raum ist kahl. nichts außer weißen kacheln. da hinten muss die tür sein, die ich gehört habe. außer dem müsli und mir ist niemand im raum. die müslischale habe ich geleert. was soll das?
    „hallo? haaallooo!“ keine reaktion. bin ich in die hände von terroristen gefallen? ich bin doch nur ein kleiner forscher. was war noch einmal mein spezialgebiet? ich kann mich an so wenig erinnern. mein hirn ist weiterhin benebelt. ich stehe ganz langsam auf. schieb mich an der wand hoch und versuche den raum entlang zu laufen. es geht, ein wenig wackelig, wie wenn ich zu viel getrunken hätte. so fühle ich mich auch. „hallo?“ was habe ich im dschungel gemacht? oder hab ich das nur geträumt. hier muss irgendjemand sein. inzwischen bin ich an der stelle angelangt, an der eine tür sein muss. ich versuche mit den fäusten dagegen zu schlagen. ich habe kaum kraft. wahrscheinlich klingt das für die anderen wie ein zaghaftes klopfen. doch da, das licht wird schwächer. da dimmt jemand die helligkeit. und das, das klingt wie eine automatische jalousie. es kommt von oben. ich schau mal hoch. da fährt die kachelwand auseinander. dahinter glas, aber weder ein sternenhimmel, noch sonnenschein, nichts, pures schwarz. oh, ein text leuchtet auf. meine augen spielen mir noch einen kleinen streich. ist wohl ein verrückter traum.
    FÜRCHTE DICH NICHT. DU BEFINDEST DICH IN DER FORSCHUNGSSTATION DER ORANG-UTAN-COMPANY. WIR MÖCHTEN DEN MENSCHEN BESSER VERSTEHEN. WIR WERDEN DICH NUR EIN WENIG BEOBACHTEN.

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