wortklauberei (3)

„ausbildung“

bildung basiert auf lernen, auf veränderung. „ausbildung“ basiert also auf der vorstellung „ausgelernt“ zu haben und etwas herausgebildet zu haben. eine neue rolle, einen beruf, die dann auf ihre anwendung warten. das mag einmal so gewesen sein, doch selbst damals entsprach der ausdruck nicht der realität. denn die ständig gemachten erfahrungen während der berufsausübung waren eine form von fortbildung. egal wie eintönig eine arbeit erscheinen mag, im laufe der zeit verändert sich die tätigkeit, lernen die arbeitenden dazu.

heute begeben sich alle in „fort-“ und „weiter“bildungung oder „um“schulungen. diese wortschöpfungen wären überhaupt nicht notwendig, wenn bildung bei uns nicht mit seltsamen vorstellungen verknüpft wären. so ist es immer noch üblich davon auszugehen, dass ein lernprozess etwas unangenehmes und anstrengendes, wenn nicht sogar schmerzvolles ist. ein prozess, durch den man durch muss, wenn man anschließend es zu etwas bringen möchte. in dem wort „ausbildung“ versammeln sich diese grundhaltungen und machen es zusätzlich so schwer die gesellschaftlichen trampelpfade zu verlassen. es kann eine bildung nicht gleichwertig wertvoll sein, wenn sie spaß macht. dann sind die anforderungen nicht hoch genug, die lernenden scheinen in den augen vieler unterfordert. das birgt die gefahr in sich, dass sich viele menschen abseits ihrer eigenen interessen und bedürfnisse „ausbilden“ lassen. im eklatanten widerspruch dazu steht dann der „beruf“, der sich auf die „berufung“ beruft. wundert es da noch jemand, dass die reformierung unserer bildungssysteme seit über 30 jahren nie wirklich gelingt. vielleicht sollte man die „ausbildung“ generell abschaffen und durch „lebenserweiterung“ ersetzen. dies erscheint mir allemal sinnvoller, als von einer „erlebnis“pädagogik zu sprechen, die eher dem eventcharakter folgt, also schon eine motivationstheorie im schlepptau hat, als endlich davon auszugehen, dass lernen, wenn es weitestgehend selbstbestimmt ist, einfach spaß machen kann. auch hier bleibt die verdächtigung den menschen gegenüber haften, dass sie von sich aus keine anstrengung unternehmen werden, zu lernen. lässt man den menschen entscheiden bleibt er „aus-“ und „ungebildet“ wird vermutet. so macht das alles keinen spaß 😛

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