web 2.0 und denunziation

 

eigentlich ist es keine eigenheit des web 2.0, dass menschen gern andere menschen denunzieren. doch das aktuelle internet bietet eine ideale plattform, da man sich so wunderbar hinter pseudonymen und mailadressen verstecken kann. denn selten wagen es menschen in eine offene konfrontation zu gehen. sie bevorzugen es aus einer deckung heraus zu agieren, wenn sie an den anderen etwas stört.

und viele menschen haben spaß am schauspiel. was ist die empörung groß , von öffentlichem „pranger“ ist die rede bei seiten wie „rotten neighbour“. seltsamerweise kommt die moral des freundlichen zusammenlebens nur dann zum tragen, wenn der gemeine bürger sich auf eine ebene begibt, die der staat schon länger beschreitet. so bieten finanzämter den service, anonym andere menschen zu melden, bei denen man vermutet, dass sie steuern hinterziehen könnten. oder es gibt ein führungszeugnis über einen, das man selber nicht zu gesicht bekommen wird, das aber von staatlichen stellen abgerufen werden kann. ja, es wird sogar dazu aufgerufen, verdächtiges anonym zu melden.

ich möchte hier der denunziation im web 2.0 nicht das wort reden, mir erscheint es einzig wichtig einen tieferen blick auf die prozesse unserer gesellschaft zu werfen. wer einmal auf dem land aufgewachsen ist, aber selbst die großstadt bietet viel spielraum dafür, kennt die funktion von klatsch und tratsch. die rolle der außenseiterInnen erlangen menschen immer schnell in den momenten, in denen sie verhalten an den tag legen, das abseits der „normalen“ verhaltensweisen liegt. und das macht in den augen vieler die anderen verdächtig. meist spielt im hintergrund „neid“ eine große rolle. dass menschen ihr leben so gestalten, wie sie es für richtig halten. problematisch wird es, wenn sie anderen dadurch schaden. doch das tun sie meist nicht, sie möchten nur anders leben.

früher echauffierte man sich schon darüber, wenn jemand lange haare trug. das ist heute kein thema mehr. aber dafür gibt es andere maßstäbe, die als grundlage der konformität herhalten müssen. die frage bleibt, weshalb ist der mensch so darauf aus, eine einheitliche richtung zu finden? kränkt es, dass andere das leben, was man eigentlich auch gern leben würde? gegen denunziation hilft jedenfalls erst einmal nur eine selbstbewusste haltung nach dem motto „ist der ruf erst einmal ruiniert, lebt´s sich völlig ungeniert“. und nehmen die angriffe überhand, sind juristische schritte einzuleiten. warum leben nicht alle so, wie sie gern würden? vielleicht ein thema für zukünftige geschichten.

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