Tagesarchiv: 5. September 2008

wortklauberei (5)

„wellness“

ein wort, wie ein gefühl, nur seltsamerweise mit skurriler aussage. als erstes kann man damit „fitness“ oder „loch ness“ assoziieren. doch wellness ist inzwischen so gebräuchlich, dass man vom wohlfühlen überhaupt nicht mehr spricht. nur leider bedeutet die direkte übersetzung „gutheit“, „verbesserung“ nur leider nicht von was. gebräuchlich ist es natürlich in bezug auf die gesundheit und die mentale verfassung. die frage bleibt, wer den maßstab für diese befindlichkeit setzt.

denn sich gut zu fühlen ist eine sehr subjektive angelegenheit und deshalb auch sehr verschieden bei den menschen. besetzt wird der begriff aber vor allen dingen mit entspannungsanwendungen. so sind im wellness-urlaub vor allen dingen massagen, moorbäder, schlafen im heu, entspannungsübungen und fitnesstrainings angesagt. doch mensch könnte auch den besuch der kneipe, den konsum von drogen oder das mehrgängige essen als wellness empfinden. schön wäre es, dies auch so auszudrücken, doch hier sei der sorgende gesundheitssektor vor. mensch wird angehalten sich „vernünftig“ um sich zu sorgen. früher nannte man vieles, was heute wellness ist, einfach „kur“. und die kur wurde klar vom urlaub getrennt. der wellness-urlaub drückt die verlagerung der sorge um die befindlichkeit des arbeitnehmers in das private leben. es wird nicht mehr nach den ursachen des stresses gefragt, sondern nur noch vermittelt, dass es dem menschen besser gehen wird, wenn er sich der „wellness“ hingibt. interessant wäre die frage, was dann „worseness“ sein könnte.

schreibaufgabe (12)

dieses mal soll sich in die gedankenwelt anderer versetzt werden. natürlich kann man das eigentlich nicht, aber es ist ja eine kreative schreibaufgabe. um einen anlass zu geben, sollte man sich an berufsgruppen orientieren. über was denken menschen während ihrer arbeit nacht. beschäftigt sie nur ihr job oder spielen auch viele private gedanken eine rolle? werden kollegInnen oder kundInnen abgewertet und beurteilt oder spielt das überhaupt keine rolle? was denkt eine busfahrerIn während ihrer tour? über was zerbricht sich ein therapeut den kopf während er sich die probleme anderer anhört? was denkt der metzger hinter der theke in einem großen supermarkt, wenn gerade mal kein großer andrang ist. was ist im kopf einer polizistin los, während sie nachts streife fährt? es gibt unendlich viele möglichkeiten. man / frau wähle sich als erstes einen beruf aus. dann soll mit nicht mehr als 700 worten ein innerer monolog verfasst werden. es ist natürlich freigestellt, ob die gedanken abschweifen oder sich die ganze zeit mit der tätigkeit und den kollegInnen auseinandersetzen.

p.s.: man / frau kann natürlich auch die gedanken bei der eigenen arbeit erfassen und notieren. man muss ja nicht offenlegen, dass es sich um einen selber handelt 😮

datenhandel (2)

 

erstaunlich, dass es so lang dauerte, bis in der politik ein gespür dafür entstanden ist, dass die bürgerInnen selber darüber verfügen wollen, was mit ihren daten geschieht. bekannt ist die tatsache, was mit persönlichen daten allerorten geschieht schon lang. aber es benötigte anscheinend erst einmal einen deftigen skandal mit einer hohen zahl von verkauften daten, um manche aufzuwecken.

und noch erstaunlicher, es soll etwas geschehen, zumindest laut beschluss des gestrigen „datenschutz-gipfels“. die jahrelangen vorgehensweisen, dass daten, wenn sie einmal erfasst wurden, einfach verkauft werden, soll eben erst nach zustimmung durch die bürgerInnen möglich sein.

peinlich ist aber in diesem zusammenhang, dass der bundesdatenschutzbeauftragte peter schaar gleich im nachgang fordern musste, dass eine stellenaufstockung notwendig sei, wenn man die kontrolle nicht auf stichproben beschränken wolle. Weiterlesen