das literarische internet als überraschungsei

wie die süddeutsche zeitung heute berichtete (der artikel kann hier gelesen werden: http://www.sueddeutsche.de/computer/479/309416/text/ ) unternimmt der russische krimiautor boris akunin den versuch einen interaktiven krimi herauszubringen. es ist der versuch das buch mit dem internet und den vielen möglichkeiten des internet, wie zum beispiel musik, miteinander zu verschränken. dadurch bekommt das lesen gleichzeitig etwas spielerisches, da zum beispiel das lösen einer rätselaufgabe am ende eines kapitels dazu führt, das nächste kapitel kostenlos lesen zu können.

die idee erscheint mir gar nicht so sinnlos. ist doch das bloggen schon eine mischung aus schreiben, lesen, sich positionieren, lachen und firlefanz machen. oder bieten soziale netzwerke die möglichkeit an das poesiealbum von damals anzuknüpfen, sich zu freundInnen zu erklären, gegenseitig kleine nachrichten zu hinterlassen und einen netten spruch ins album zu schreiben. es geht noch weiter, fotos werden ausgetauscht und musik sich gegenseitig zu gehör gebracht. einziger nachteil der sache, es wird alles von zuhause aus gemacht, menschen müssen ihre wohnung nicht mehr verlassen.

doch die stärkere verschränkung von buch und internet bewahrt das buch wahrscheinlich davor, irgendwann ausschließlich nur noch in der elektronischen version vorzuliegen. ich bin da froh drum, möchte ich doch einfach keinen bildschirm auf dem sofa liegend lesen müssen. auf der anderen seite wird es aber nicht unbedingt uninteressanter, wenn ein buch plötzlich verschiedene erzählstränge anbietet, je nachdem, wie die leserInnen sich entscheiden. im film gab es schon einmal den versuch eine geschichte durch eine kleine veränderung ganz anders verlaufen zu lassen („smoking“ und „no smoking“). das kann zwar auch in einem buch allein geschehen, aber eben recht schwierig, da eigentlich zwei bücher in einem angeboten werden müssen. nun könnte man sich ein buch vorstellen, das die geschichte bis zu einem bestimmten punkt vorbereitet, dann die entscheidung getroffen wird und der anschließende text aus dem internet ausgedruckt werden kann. die varianten können mit einem code freigeschaltet werden, der mit dem buch verkauft wird. hier sind nicht nur zwei varianten vorstellbar, sondern eine unendliche zahl. das hat etwas von computerspielen aber auch von „ich schaffe mir eine geschichte, wie sie mir gefällt“, einer vorform des kreativen schreibens. wenn das mal nicht anregend sein kann.

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