ein teil der schwulen ist in der mitte der gesellschaft angekommen

das magazin der süddeutschen zeitung stellt heute die nicht ganz unberechtigte frage, wer spießiger sei, der schwule, der inzwischen gesellschaftlich integriert und gut positioniert ist oder der heterosexuelle mensch. zumindest ist seit der möglichkeit der „verpartnerung“, auch homo-ehe genannt, der trend zu verzeichnen, dass etliche homosexuelle männer sehr bemüht sind, das bessere heterosexuelle paar abzugeben. ein ganz amüsanter artikel, der zumindest eine entwicklung im „männerheft“ des sz-magazins aufs korn nimmt.
beim blick hinter die kulissen der lebenswelten homosexueller männer fällt aber auf, dass der artikel nur einen geringen teil der schwulen lebensweisen streift. nur ein kleiner teil ist in der „fragwürdigen“ mitte der gesellschaft angekommen. die krux besteht jedoch darin, dass dieser kleine teil vor allen dingen die meinungsführerschaft für die homosexuellen männer beansprucht und somit auch hauptsächlich von der gesellschaft wahrgenommen wird. außerdem ist dazu zu bemerken, dass die gesellschaft froh erscheint, endlich auf „normale“, soll heißen „spießige“ schwule zu treffen, die die grundfesten nicht so in frage stellen. so muss man sich auch nicht weiter mit anderen lebenskonzepten auseinandersetzen. zudem ist es natürlich schön, dass homos akzeptieren vor dem gesetz als nicht gleich eingestuft zu werden, auch wenn mancher protest erfolgt.
aber das recht, sein leben so einzurichten, wie man möchte, hat jeder. dafür hat man sich zur genüge eingesetzt. das eigentliche problem bleibt die verschiebung der gesellschaftlichen wahrnehmung. aber das wussten wir schon, bevor die homoehe eingeführt wurde, es war absehbar, dass der schritt vom straight-acting zum straight-wedding gehen würde. der artikel des sz-magazins ist zu finden unter:
http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/26376

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2 Antworten zu “ein teil der schwulen ist in der mitte der gesellschaft angekommen

  1. Vielleicht ist es auch anders herum: ein Teil der Gesellschaft ist bei den Schwulen angekommen. BTW: wo sind eigentlich die Lesben abgeblieben?

  2. da bin ich sehr skeptisch. die erfahrungen, die ich in beratungen machen und die geschichten, die bei uns zu beratungen landen, sprechen eine andere sprache. es ist immer noch eine sehr fragile toleranz die existiert. die gesellschaft arbeitet sich weiter, inzwischen über andere themen, an den schwulen ab. der schwule mann bleibt erst einmal eine bedrohung für das gefüge der geschlechterrollen und männlichkeitsvorstellungen. und viele schwule männer bedienen diese auch. das ist meiner ansicht nach auch der grund, weshalb die lesben selten in den diskursen auftauchen. sie sind deshalb nicht so bedrohlich, da sie einer doppelten diskriminierung unterliegen, als lesbe und als frau. solang die lesbe nicht die machtposition eines mannes und die „männlichkeit“ bedroht, wird sie wenig wahrgenommen.

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